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«Mit der Fusion geht eine lange Ära zu Ende»

Ab Anfang Jahr gehört die Kleingemeinde Ballmoos neu zu Jegenstorf. Ein emotionaler, aber richtiger Schritt, findet Gemeindepräsident Rolf Bernhard. Künftig politisiert er im Jegenstorfer Gemeinderat mit.

Eine Strasse, ein Dorf: 54 Menschen leben in Ballmoos, jetzt werden sie Bürgerinnen und Bürger von Jegenstorf.
Eine Strasse, ein Dorf: 54 Menschen leben in Ballmoos, jetzt werden sie Bürgerinnen und Bürger von Jegenstorf.
Andreas Blatter

22 kleine Erlenstauden trotzen der Kälte. Jede von ihnen steht für eine Ballmooser Familie. Erst seit kurzem wachsen die Bäumchen – gepflanzt wurden sie zum Abschied von der Eigenständigkeit, denn auf Anfang Jahr fusioniert Ballmoos mit Jegenstorf. Ende November fand in der alten Hühnerhalle von Gemeindepräsident Rolf Bernhard die letzte Gemeindeversammlung statt. «Traktanden hatten wir kaum mehr», sagt Bernhard. Dafür zogen die 54 Einwohnerinnen und Einwohner mit Fackeln und Glühwein aus zu einer Lichtung beim Dorf. Alle schlugen dort mit der Hacke ein Loch und setzten ihren Familienbaum.

Auch ein Dorffest gab es im Herbst. Mit alten Filmen liessen Rolf Bernhard und sein Vater Ueli nostalgische Zeiten aufleben. «War es kalt, gab es fast immer eine Eisbahn im Moos.» Jung und Alt hat dann Hockey gespielt. Andere Filmszenen zeigen, wie die Bauern im Dorf Pferde vor die Ski spannten und sich an langen Seilen durch die Ebene ziehen liessen. Eine CD mit all diesen filmischen Trouvaillen hat jede Familie erhalten.

Früh genug gehandelt

«Diese Aktionen haben wir ganz bewusst gemacht», sagt Rolf Bernhard. Die Fusion mit dem 4700 Einwohner grossen Jegenstorf sollte nicht einfach sang- und klanglos über die Bühne gehen. «Die Stimmung in unserem Dorf ist gut», sagt Bernhard. Das Ja zur Fusion fiel vor einem Jahr überaus klar aus. Doch trotzdem: «Mit der Fusion geht eine lange Ära zu Ende, das schleckt keine Geiss weg.» Fast 850 Jahre lang war Ballmoos eigenständig. Man habe wohl den richtigen Zeitpunkt erwischt, denkt Bernhard. Er sehe, dass auch in andern Gemeinden Fusionen vermehrt ein Thema sind. «Wir sind früh genug und haben die richtige Partnerin.» Ob bei der Oberstufenschule, den sozialen Diensten oder der Kirchgemeinde: In vielen Bereichen arbeitete Ballmoos schon lange eng mit Jegenstorf zusammen.

Steuern sinken massiv

Rolf Bernhard wird in der Gemeinde auch künftig eine Rolle spielen. Der 37-Jährige sitzt ab Anfang Jahr neu im Jegenstorfer Gemeinderat. Als Parteiloser, der auf der BDP-Liste kandidierte, hat er das Ressort Schule/Bildung sowie das Vizepräsidium inne. «Diese Wahl kam für mich überraschend», sagt er. Viele Leute im Dorf seien froh, dass er so direkt bei der Umsetzung der Fusionsabmachungen dabei sein könne. «Das ist sicher optimal.»

Die kleine Gemeindeschreiberei in der alten Käserei ist schon praktisch ausgeräumt, Ballmoos aktenmässig in Jegenstorf integriert. «Beim ersten Schnee kam ungefragt auch bereits der Winterdienst», freut sich Bernhard über das gute Einvernehmen. Streit? Nein, den habe es während der Fusionsverhandlungen nie gegeben. Dabei hat Ballmoos durchaus nicht alles preisgegeben: Ballmoos heisst weiterhin Ballmoos, behält seine Postleitzahl, und die Unterstufenkinder gehen nicht in Jegenstorf, sondern im näher gelegenen Zuzwil zur Schule. «Man darf auch als Kleingemeinde selbstbewusst sein», findet Bernhard. Ein grosses Plus bringt die Fusion den Ballmoosern: Ihr Steuerfuss sinkt auf einen Schlag von 2,0 auf 1,28 Einheiten.

Musik zum Aufbruch

«Eine Fusion braucht Zeit.» Im Fall von Ballmoos waren es über drei Jahre. Im Juni 2006 hat der Gemeinderat die erste Anfrage an Jegenstorf gerichtet. Wichtig sei es, die Bürger immer offen zu informieren. «Sie geben letztlich das Tempo vor», betont Bernhard. Man müsse aufpassen, im Gemeinderat nicht neben dem Volk zu politisieren.

Wer am 31.Dezember daheim ist, wird in Ballmoos beim Spritzenhäuschen aufs neue Jahr anstossen. Das war schon immer so. Doch etwas ist diesmal beim Jahreswechsel anders: Am 2.Januar spielt die Jegenstorfer Musikgesellschaft in Ballmoos zum Neujahrs-apéro auf. Gefragt hat sie niemand. Eingefädelt hat sie das selbst.

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