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Mit langem Atem

Der Berner Bach-Chor singt unter der Leitung von Lena-Lisa Wüstendörfer das Oratorium «Elias» von Felix Mendelssohn-Bartholdy.

Wenn der Berner Bach-Chor von der Camerata Schweiz begleitet wird: Im Casino Bern standen geschätzt 160 Musikerinnen und Musiker auf der Bühne.
Wenn der Berner Bach-Chor von der Camerata Schweiz begleitet wird: Im Casino Bern standen geschätzt 160 Musikerinnen und Musiker auf der Bühne.
Manuel Zingg

Nicht gerade besinnlich, wenn 120 Sängerinnen und Sänger das Volk Israels wiedergeben, das aufgewühlt zur Tötung des Propheten Elias aufruft. Mit Wucht hallen die kanonisch gesungenen Worte «Wehe ihm, er muss sterben!» vom Chorpodium in den grossen Saal des Casinos Bern. Das ist wahrlich alles andere, als was man in diesen vorweihnächtlichen Tagen unter den Berner Lauben von Heils­armeechören und Strassenmusizierenden zu hören kriegt. Und: Es ist, erfrischenderweise, einmal weniger Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium, das man in dieser Zeit ebenso häufig in den Konzertsälen geboten kriegt.

Dynamischer Aufbau

Man muss die eingangs erwähnten Worte natürlich relativieren, denn bekanntlich endet Felix Mendelssohn-Bartholdys Oratorium letztlich mit der frohen Himmelfahrt des ProphetenElias. Der Text der Komposition setzt sich aus Bibelzitaten des Alten Testaments zusammen und stellt den Glaubensweg eines Individuums in der Figur des Propheten Elias dar. Mendelssohn vertont die Passagen in vielfältigen Besetzungen – Arien, Rezitative und Chorsätze wechseln sich ab mit dialogisch gesetzten Partien, das Solistenquartett Sopran-Alt-Tenor-Bass wird hie und da von weiteren Solostimmen ergänzt.

Es ist der Berner Bach-Chor in Begleitung der Camerata Schweiz, der sich am 22. und 26. Dezember im Casino Bern durch das zweistündige Oratorium singt. Angeleitet werden die geschätzt 160 Musikerinnen und Musiker in Chor und Orchester von Lena-Lisa Wüstendörfer. Die Dirigentin führt mit klarem Dirigat, gezielten Einsätzen und gut dosierter Energie durch das Werk. Sie verlangt von Orchester und Chor viel Geduld, bevor nach langem Spannungsaufbau erste dynamische Höhepunkte erreicht werden – die dann, wenn sie mal erklingen, umso wirkungsvoller sind.

Wie gut die dynamische Ausgestaltung gelingt, beweist sich besonders auch in leisen Stellen. Als Robert Koller (Bassbariton) im zweiten Teil des Oratoriums Elias rezitiert, der sich vom Volk gejagt sieht, verhallen seine Worte «Ich gehe hin in die Wüste» in einem atemberaubenden Pia­nissimo.

Ausgeglichenes Quartett

Neben Robert Koller solieren Marysol Shalit (Sopran), Anna Nero (Mezzosopran) und Raphael Wittmer (Tenor). Das Quartett zeigt sich stimmlich ausgeglichen, sowohl im Dialog mit dem Chor als auch in solistischen oder Ensemblestellen. Vorzüglich reiht sich ausserdem auch Damaris Blum (Sopran) aus dem Chor bei den Solistinnen ein, um im Terzett dem dritten Engel ihre Stimme zu geben. Der Berner Bach-Chor zeigt sich agil undbeweist sich in seinen verschiedenen Rollen mit vielseitigen Klangfarben. Die Engelsscharen, hell und sanft gesungen von den höheren Frauenstimmen, klingen dabei ganz anders, als wenn der ganze Chor zu Kundgebungen des verzweifelten Volkes anhebt.

Lobenswert ist ausserdem, dass der Chor das zweistündige Oratorium singt, ohne sich einmal hinzusetzen. Wie man munkelt, war dies einem Missverständnis beim Aufbau der Podeste zu verdanken. Was auch immer die Gründe gewesen sein mögen: Nicht zuletzt auch deshalb ist es schön, dass es das Publikum dem Chor am Schluss gleichtut und sich zum Applaus fast vollständig ebenfalls erhebt.

Berner Bach-Chor, Konzert im Casino Bern, 26. 12., 17 Uhr. Infos unter www.bachchor.ch.

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