Mit Tempo 30 soll der Verkehr flüssiger laufen

Flamatt

In der verkehrsgeplagten Gemeinde Flamatt soll eine Kernzone mit Tempo 30 den Verkehrsfluss beruhigen – eine Neuheit im Kanton Freiburg.

In den Stosszeiten staut sich in Flamatt der Verkehr.

In den Stosszeiten staut sich in Flamatt der Verkehr.

(Bild: Charles Ellena)

Durchschnittlich 13'500 Fahrzeuge fahren täglich durch Flamatt. Tendenz zunehmend. Vor sieben Jahren wurden noch rund 12'000 Verkehrsbewegungen pro Tag gemessen. Viele der Autofahrer sind Pendler, die in dieser Gemeinde die Autobahn in Richtung Bern nehmen.

Zu den Stosszeiten am Morgen und am Abend kommt es in Flamatt dementsprechend zu Staus und Wartezeiten. Erschwerend kommt hinzu, dass viermal pro Stunde die Bahnschranke der Sensetal-Bahnlinie den Verkehr stoppt.

Es kommt an dieser Stelle rasch zu 400 Meter langen Rückstaus. Im schlimmsten Fall zieht sich dieser durch die ganze Hauptstrasse bis zur Autobahnausfahrt. Dort wird der Pannenstreifen zum Staustreifen.

Mittelstreifen als Puffer

Derzeit läuft ein Projekt, das zum Ziel hat, den Verkehrsfluss zumindest zu verbessern. Das Zauberwort heisst Valtraloc, eine Abkürzung für «Valorisation des traversées de localités», zu Deutsch «beruhigte Ortsdurchfahrten».

Der Generalrat der Gemeinde Wünnewil-Flamatt hat im Juni 2012 einen Kredit von 90'000 Franken gesprochen, um Massnahmen für eine Umsetzung von Valtraloc zu planen. Sieben Jahre später ist das Projekt ein Stück weiter.

«Ohne Mass­nahmen kommt es zum Kollaps.»Erwin Grossrieder Gemeinderat Flamatt

Weil die Durchfahrt durch Flamatt eine Kantonsstrasse ist, liegt die Verantwortung für die Valtraloc-Planung beim Kanton Freiburg. «Die Gemeinde ist in die Planung einbezogen, damit wir gewisse Wünsche und Siedlungsbedürfnisse einbringen können», sagt Gemeinderat Erwin Grossrieder.

Das Vorprojekt sieht vor, dass auf einer Strecke von 1300 Metern – vom Chrummatt-Tunnel bis zur Autobahneinfahrt – verschiedene Massnahmen umgesetzt werden. Die heutige Fahrbahn wird neu aufgeteilt: Drei Meter breite Fahrbahnen links und rechts sollen durch einen zwei Meter breiten Mittelstreifen ergänzt werden.

«Dieser Mittelstreifen dient als Puffer», erklärt Serge Marty, Leiter des Bauamtes Wünnewil-Flamatt. «Es ist ein Mehrzweckstreifen, der dazu beiträgt, dass Autos beim Einspuren in Seitenstrassen oderbei der Ausfahrt auf die Hauptstrasse den Verkehr nicht be­hindern.»

Der Gemeinde sei es wichtig, dass mit dem vorhandenen Strassenprofil geplant werde. Eine Strassenverbreiterung wäre mit mehr Landbedarf einhergegangen, was ein Hindernis bei der Umsetzung gewesen wäre. Damit der Verkehr weniger Lärm verursacht, wird ausserdem ein Flüsterbelag eingebaut.

Tempo 30 in der Kernzone

Im Kern dieser Strecke, auf rund 300 Metern, wird Tempo 30 eingeführt. Die in einer 30er-Zone sonst üblichen Verkehrsregeln, etwa der Rechtsvortritt, werden auf der Kantonsstrasse jedoch nicht gelten. «Tempo 30 auf einer Kantonsstrasse, das gibt es bis jetzt noch nirgendwo im Kanton», sagt Erwin Grossrieder. Der Kanton sei bereit, diese Massnahme als Pilotprojekt zu bewilligen, um Erfahrungen für andere Strassenprojekte zu sammeln.

Dies bestätigt die kantonale Baudirektion. Der Abschnitt mit Tempo 30 ist demnach zwischen Coop und Post geplant. Kern­zonen mit Tempo 30 sind auf Schweizer Kantonsstrassen eine Ausnahmeregelung, die das Bundesamt für Strassen bei Valtraloc-Projekten unter bestimmten Bedingungen vorgesehen hat.

Der Kernbereich mit Tempo 30 in Flamatt wird mit Bäumen, gestalterischen Elementen und der Längsparkierung sichtbar gemacht. Denn mit Valtraloc setzt der Kanton auf dieser Strasse auch um, was das Gesetz für hoch frequentierte Strecken vorschreibt: Die Parkplätze entlang der Strasse müssen parallel zu ihr angeordnet sein und dürfen nicht mehr im Winkel stehen.

«Das Unfallrisiko beim Rückwärtsfahren aus angewinkelten Parkplätzen ist höher. Ausserdem bringen solche Manöver den Verkehrsfluss wiederum ins Stocken», erklärt Serge Marty.

In Flamatt betrifft dies rund 25 Parkplätze links und rechts der Strasse. Sie sind teils auf privatem Grund, teils gehören sie zu Gewerbebetrieben. Beim Neubau eines Bankgebäudes an der Strasse durch Flamatt vor einigen Jahren ist das Längsparkiererprinzip bereits umgesetzt worden.

Ein ovaler Kreisel

Ein zentraler Punkt im Valtraloc-Projekt ist die Kreuzung vor dem Restaurant Moléson. Der Kanton hat entschieden, den Verkehr hier mit einem Kreisel neu zu regeln. So sollen Verkehrsteilnehmer, die von Laupen, Neuenegg oder Bösingen her kommen, besser auf die Hauptachse einbiegen können. Vorgesehen ist ein Kreisel mit 32 Metern Durchmesser.

«Doch es wird nicht ein runder Kreisel, sondern ein Oval», sagt Erwin Grossrieder. Dieses werde so angelegt, dass die beiden Pfeiler der Autobahnbrücke darüber mitten auf dem Kreisel zu stehen kommen, dafür wird die Strasse verschoben. Die ei­förmige Gestaltung des Kreisel ist notwendig, damit Schwertransporte mit Anhänger die Abbiegekurve bewältigen können.

Wird das Verkehrsproblem in Flamatt damit gelöst? «Nicht wirklich, denn der Verkehr bleibt, genauso wie der Bahnübergang», sagt Erwin Grossrieder. Doch der Verkehr werde flüssiger und durch den Flüsterbelag leiser. Dass etwas gemacht werden müsse, sei klar. «Gemäss Pro­gnosen wird der Verkehr noch mehr zunehmen. Ohne Massnahmen kommt es zum Kollaps.»

Wie viel das Projekt schliesslich kosten wird, ist noch nicht klar. 2016 war von fünf Millionen Franken die Rede – damals noch ohne Kreisel, der allein rund eine Million Franken kosten wird.

Die Kredite für die Ausführung, also die Beteiligung der Gemeinde an den nicht vom Kanton bezahlten Kosten, werden dem Generalrat gemäss Planung Mitte 2020 vorgelegt. Läuft alles nach Plan, können die Arbeiten 2021 aufgenommen werden. Sie dauern wohl ein Jahr, sodass die neue Ortsdurchfahrt Flamatt ab 2022 umgesetzt ist.

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