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Mit Tempo 30 über die Monbijoubrücke

Der Gemeinderat der Stadt Bern plant, auch auf der Monbijoubrücke den Verkehr zu beruhigen. Er will zwischen der Sulgenau und dem Thunplatz eine Tempo-30-Zone einführen.

Grosszügig bemessen: Die Stadt Bern will auf der Monbijoubrücke Tempo 30 einführen.
Grosszügig bemessen: Die Stadt Bern will auf der Monbijoubrücke Tempo 30 einführen.
Adrian Moser

Die Autofahrer wissen es: Die Stadt Bern baut das Netz von 30er-Zonen kontinuierlich aus. Jetzt will die Stadtregierung auf einem speziellen Strassenabschnitt Tempo 30 einführen. Die Planer sollen sich beim Abschnitt Sulgenau–Monbijoubrücke–Thunplatz an die Arbeit machen. Dies ist bemerkenswert, denn die mächtige Monbijoubrücke ist ein Symbol für den Glauben an das Auto.

Sie wurde im Jahr 1962 eingeweiht und war mit ihren vier Spuren in erster Linie für den Autoverkehr konzipiert worden. In einer Zeit, als es rund um Bern noch keine Autobahnen gab, war sie als südliche Stadttangente geplant worden. Die vier Autospuren bestehen auch heute noch, zudem gibt es auf beiden Seiten der Brücke je einen Streifen für Velofahrer und Fussgänger.

«Kernpunkt» Tempo 30

Das Geschäft kommt am Donnerstag in den Stadtrat. Es geht um den Projektierungskredit für die Sanierung des schnurgeraden Strassenabschnitts. Die Stossrichtung ist klar. Verkehrsplaner Karl Vogel betont zwar, dass Tempo 30 «geprüft» werde. Doch im Vortrag des Gemeinderates wird Tempo 30 als «Kernpunkt» bezeichnet.

Soll eventuell geschlossen werden: Die Unterführung zwischen Eigerplatz und Monbijoubrücke. Bild: Adrian Moser
Soll eventuell geschlossen werden: Die Unterführung zwischen Eigerplatz und Monbijoubrücke. Bild: Adrian Moser

Ziel der Arbeiten sei es, «ein attraktiveres Stadtraumambiente, bessere Nutzungsqualitäten und eine sichere Verkehrssituation zu schaffen». Da eine Velohauptroute über die Brücke geplant ist, sollen die Planer pro Richtung einen Radstreifen mit einer Breite von 2,5 Metern vorsehen. Weiter müssen sie prüfen, ob es sinnvoll ist, die Unterführung in der Sulgenau aufzuheben.

Der Berner Gemeinderat beantragt dem Stadtrat, für die Erarbeitung eines Betriebs- und Gestaltungskonzepts einen Kredit von 300'000 Franken zu sprechen. Eine Schätzung für die Baukosten der Sanierung gibt es noch nicht. Die Stadt schreibt einzig, dass es sich um einen zweistelligen Millionenbetrag handeln wird. Laut Verkehrsplaner Karl Vogel fallen diese Strassen in die Zuständigkeit der Stadt. Sie wird also für die Kosten aufkommen müssen.

Kritik von FDP und SVP

Das Vorhaben stösst bei den bürgerlichen Parteien auf Widerstand: «Diese wichtige Transitachse soll für Autos so unattraktiv wie möglich gemacht werden. Diese Absichten verstecken sich hinter schöngefärbten Begriffen wie ‹gestalterische Aufwertung der Strassenräume› und ‹Entwicklung eines Stadtraumambientes›», kritisiert FDP-Stadtrat Oliver Berger.

«Diese Transitachse soll für Autos so unattraktiv wie möglich gemacht werden.»

Oliver Berger, FDP-Stadtrat

Er versteht nicht, wieso die Stadt Bern auf diesem Strassenabschnitt Tempo 30 einführen will: «Die Südtangente hat eine Durchgangs- und Verbindungsfunktion und ist insbesondere auf die Bedürfnisse des motorisierten Verkehrs ausgerichtet. Täglich sind hier 15'000 Fahrzeuge unterwegs», betont er.

Die Monbijoubrücke hat heute vier Spuren für den Autoverkehr. Berger vermutet, dass für die Autos künftig nur noch zwei Spuren vorgesehen sein werden: «Die Stadt verlangt von den Planern, dass sie zwei baulich abgetrennte Velospuren mit einer Breite von je 2,5 Metern vorsehen», sagt er. Deshalb werde der Platz für vier Autospuren fehlen.

SVP setzt auf Bundespolitik

Auch die SVP lehnt den Plan der Stadt ab. «Die Leistungsfähigkeit des Verkehrsnetzes muss erhalten bleiben. Wir werden deshalb einen Rückweisungsantrag einreichen», kündigt SVP-Fraktionschef Alexander Feuz an. Die FDP wird diesen unterstützen. Trotzdem wird es kaum zu einer Mehrheit reichen.

Bei einer Ablehnung will Feuz verlangen, dass die Vorgabe zu Tempo 30 aus dem Auftrag gestrichen wird. «Es ist nicht sinnvoll, dass die Stadt Bern die Einführung von Tempo 30 plant, wenn der Nationalrat gerade einen Entscheid gefällt hat, der die Einführung von Tempo-30-Zonen auf Hauptverkehrsachsen erschwert», sagt der SVP-Fraktionschef.

Der Nationalrat hat vergangene Woche mit 105 zu 78 Stimmen einer parlamentarischen Initiative von Gregor Rutz (SVP, ZH) zugestimmt. Diese verlangt, dass auf Hauptverkehrsachsen Tempo 30 nicht mehr aus Lärmschutzgründen eingeführt werden kann.

Rutz vermutet hinter vielen mit Lärmschutz begründeten Temporeduktionen politische Gründe – sprich rot-grüne Verkehrspolitik. Das Geschäft liegt nun beim Ständerat. Es ist also gut möglich, dass am Ende das Eidgenössische Parlament oder gar das Bundesgericht über die Einführung von Tempo 30 auf der Monbijoubrücke entscheiden werden.

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