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Mitte-links verlangt pestizidfreie Stadt

Ein genereller Verzicht auf Pestizide könnte einige Pflanzen im Rosengarten das Leben kosten.

Christoph Hämmann
Der Rosengarten in Bern, müsste durch den Verzicht auf Pestizide, sicherlich einige Arten austauschen.
Der Rosengarten in Bern, müsste durch den Verzicht auf Pestizide, sicherlich einige Arten austauschen.
Laura Fehlmann

Die nationale Grünen-Chefin, Ex-Gemeinderätin Regula Rytz, wurde beinahe überschwänglich: «Gratulation an die Grünen im Europaparlament!», twitterte sie vor gut zwei Wochen. Die in Brüssel beschlossene Reform der Pestizidzulassung sei «ein Meilenstein für den Schutz von Umwelt und Gesundheit», schrieb Rytz weiter, und kündigte an: «Wir bleiben dran – auch in der Schweiz.»

Tatsächlich hat sich auch in der Stadt Bern eine Koalition formiert, die den Einsatz von Pestiziden – chemisch-synthetische Produkte, die giftig auf unerwünschte Organismen wirken – unterbinden will. Rytz' Parteikollegin Franziska Grossen­­bacher (GB) und Timur Akcasayar (SP) gingen voran, Tabea Rai (AL), Melanie Mettler (GLP) und Manuel C. Widmer (GFL) zogen mit – und gemeinsam reichten sie letzte Woche eine Motion «für eine pestizidfreie Gemeinde Bern» ein.

Darin fordern sie, dass die Stadt auf den Einsatz von Pestiziden verzichtet und dies auch bei externen Dienstleistern und bei Pächtern von städtischem Landwirtschaftsland durchsetzt. Zudem solle die Stadt Private und Unternehmen zu einem Pestizidverzicht animieren, Information und Beratung anbieten sowie dem «Netzwerk pestizidfreie Städte» beitreten.

Neophyten im Burgerwald

Die Stadt und ihr Amt Stadtgrün leisteten schon viel in diesem ­­Bereich und verfügten über ein gutes Biodiversitätskonzept, sagt Grossenbacher. «Das Engagement lässt sich aber noch ausdehnen.» Dabei denkt sie etwa an die Burgergemeinde, für die dieses Konzept nicht bindend sei. Dabei habe die Burgergemeinde in ihren Wäldern «ein riesiges Problem mit Neophyten», so Grossenbacher, die für deren ­Bekämpfung die Burger am liebsten auf das städtische Konzept verpflichten würde.

Wer sich mit Pestiziden befassen will, braucht zunächst eine kurze Biologielektion: Der Begriff umfasst nämlich nicht nur gegen Pflanzen gerichtete Herbizide, sondern beispielsweise auch Insektizide gegen Insekten oder Fungizide, die gegen Pilze wirken. Dass die Stadt keine Herbizide einsetzt – und damit auch kein Glyphosat, den Unkrautvernichter, der weltweit für Kontroversen gesorgt hat –, wie sie im letzten Herbst in einer Antwort auf einen Vorstoss von GFL-Stadtrat Widmer versicherte, lässt deshalb offen, wie sie mit anderen Pestiziden verfährt.

Verwirrte Traubenwickler

Fungizide? Solche kommen verbreitet – und mutmasslich auch in der Stadt Bern – bei Sport­­rasen zum Einsatz, weil diese pilzanfällig sind. Doch nicht nur sie: Das Gleiche gilt für Rosen, weshalb Grossenbacher davon ausgeht, dass im Berner Rosengarten Fungizide – und somit Pestizide – eingesetzt werden. «Bei einem generellen Pestizidverbot für die Stadt würde sich deshalb die Frage stellen, ob im Rosengarten gewisse Arten ersetzt werden müssten», sagt Grossen­­bacher ungerührt.

Fast rührend können dagegen Alternativen zu Pestiziden sein, die weit über prosaische Varianten wie Jäten oder den Einsatz von ­­Abflammgeräten hinausgehen. Im städtischen Rebgut am Bielersee etwa wurde der einbindige und bekreuzte Traubenwickler – ein Schmetterling, dessen Raupen Trauben beschädigen – durch die «ge­­schlechtliche Verwirrtechnik» mittels Fero- monduft­stoffen an seiner Vermehrung gehindert.

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