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Mord im Liebefeld: «Ich wusste nicht, was ich tat»

Am zweiten Tag des Prozesses zum Auftragsmord im Liebefeld kam der Täter selbst zu Wort. Er bereue die Tat und entschuldige sich bei den Angehörigen des Opfers. Der Freund von Tania S. streitet seine Beteiligung weiterhin ab.

Der Auftragsmörder (rechts) hatte bereits vor der Bluttat erhebliche Probleme mit dem Gesetz.
Der Auftragsmörder (rechts) hatte bereits vor der Bluttat erhebliche Probleme mit dem Gesetz.
Herman Schmutz

Der 21-jährige Auftragsmörder bestritt in einer ersten Anhörung nicht, was er bereits in der Voruntersuchung gestanden hat: Am Abend des 15.April 2008 habe er die schwangere Tania S. im Auftrag ihres Freundes mit mehreren Messerstichen tödlich verletzt. Tania S. ging an diesem Abend von ihrem Zuhause im Liebefeld weg, um ihren Freund abzuholen.

Der 21-jährige Mann ist für die Polizei kein unbeschriebenes Blatt. Er kam bereits als Jugendlicher mit dem Gesetz in Konflikt, beging Sachbeschädigungen und Diebstähle. Zwei Lehren hat er abgebrochen, weil er nicht die nötige Disziplin aufbrachte. Und auch, «weil ich lieber mit den Kollegen in der Stadt rumhing». Deshalb steckte ihn das Jugendgericht in ein Heim. Danach lebte er bei seinem Bruder, bis er nach der Tötung von Tania S. inhaftiert wurde.

Viel Zeit zum Nachdenken

Heute sehe der Auftragsmörder, dass er kein klares Bild von richtig und falsch gehabt habe, sagte er. Er dachte, er könne machen, was er wolle, ohne grosse Konsequenzen. Seine früheren Vergehen fand er auch nicht schlimm: «Ich dachte immer, nur Schwerverbrecher kommen ins Gefängnis.» Im letzten halben Jahr vor dem Mord habe er allerdings das Gefühl gehabt, dass es mit ihm nun besser komme.

Seit April 2008 ist er selbst inhaftiert, er befindet sich im vorzeitigen Strafantritt. Im Gefängnis hat er begonnen, sich mit seiner Tat auseinanderzusetzen. «Ich habe viel Zeit zum Nachdenken», sagte er. Vom Prozess erhofft er sich, dass er aufzeigen kann, dass er damals nicht wusste, was er tat. «Es war eine schwierige Situation, ich möchte zeigen, dass ich kein Verrückter bin.»

Zu Reue Anlass gab dem Angeschuldigten die Konfrontation mit den Angehörigen des Opfers am Montag: «Ich dachte, ich wüsste, was ich angerichtet habe.» Als er aber die Trauer der Familie gesehen habe, sei ihm klar geworden, dass seine Taten auch für andere Leute Konsequenzen hatten.

Am Pokern im Kursaal

Der Freund von Tania S. streitet weiterhin jede Beteiligung an der grausigen Tat ab. Aus seiner Sicht sieht die Mordnacht wie folgt aus: Er befand sich im Kursaal, wo er Poker spielte. Nach 22 Uhr rief er Tania S. an, damit sie ihn abholen komme. Das sei in ihrer Beziehung so üblich gewesen, sagte der Freund. Tania S. war bereits im Bett und musste extra noch einmal aufstehen, um ihn in Bern abzuholen.

Als sie jedoch nicht auftauchte, machte er sich weiter keine Gedanken, weil er gerade eine Glückssträhne am Pokertisch gehabt habe. Um zwei Uhr früh kam er mit dem Taxi nach Hause. Dort war im Lift der Knopf seiner Etage blutverschmiert. «Der erste Gedanke war: Hoffentlich ist Tania nichts passiert», sagte er dazu. Er fand in der Wohnung die Leiche seiner Freundin, fühlte den Puls und rief die Sanität.

Wer rief den Freund an?

In gewisse Widersprüche verwickelte sich der Freund bei der Befragung im Zusammenhang mit Telefonaten, die er am Abend der Tat geführt hat. So hat er den Auftragsmörder angerufen. Dies erklärte er damit, dass er einen Anruf von diesem erhalten und zurückgerufen habe. Der Anruf auf das Telefon des Freundes ist jedoch nicht registriert. Ebenfalls unklar blieb, wer ihn an diesem Abend um 22.30 Uhr von der Telefonkabine direkt bei seinem Wohnhaus angerufen hat. Er sprach von einer Männerstimme, wusste aber nicht mehr, wer es war. Es sei um etwas Geschäftliches gegangen. Der Auftragsmörder seinerseits sagte in der Voruntersuchung, er selbst habe den Freund aus dieser Kabine angerufen.

Der Prozess wird morgen Donnerstag weitergeführt. Das Urteil ist frühestens am 2.Dezember zu erwarten.

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