«Muppet Show» im Effinger

Auf dem theatralen Rundgang «Passagen» feiert sich das Theater an der Effingerstrasse selbst. Das multimediale Jubiläumsprojekt führt hinter die Kulissen und auf die Bühne. Muss das sein?

Hört, hört, wir können auch audiovisuell: Karo Guthke in «Passagen».

Hört, hört, wir können auch audiovisuell: Karo Guthke in «Passagen».

(Bild: zvg)

Penetrant wird einem von Schauspielerin Ingrid, wie sie sich vorstellt, Kaffee angeboten. Die Bar ist der Startpunkt des multimedialen Theaterrundgangs im Theater an der Effingerstrasse. Fünfzig Rappen soll man für den Kaffee ins Theaterkässeli werfen und sich so ein bisschen wie die einst hier probenden Schauspieler fühlen. Wer nicht zahle, werde von der Regieassistentin ermahnt, so Ingrid. Leider ist dies nicht der einzige Moment, in dem man sich wie an einem bunten Abend im Klassenlager fühlt. «Passagen» ist ein unglücklicher Versuch des Theaters an der ­Effingerstrasse, unkonventionell zu sein und dabei sich selbst beziehungsweise das zwanzigjährige Bestehen zu feiern.

Multimedial

Der multimediale Rundgang des englischen Regisseurs Alan Lane führt Willige hinter die Kulissen und auf die Bühne. Mal muss man sich einen Kopfhörer aufsetzten und Lobhudelein einstiger Zuschauer reinziehen, mal wird einem ein angeblich von einer Schauspielerin in der Garderobe liegen gelassener Liebesbrief vorgelesen. Muss das sein? Schliesslich kommt das Publikum doch gerade ins Effinger, um schlichtes Theater ganz ohne Performance, Videoinstallation, Stationentheater oder Mitmach-quatsch zu erleben. Mit Verlaub: Das können andere um Längen besser, etwa das Schlachthaus- oder das Tojo-Theater.

Mampfende Murmeltiere

In einem auf Leinwand projizierten Film proben die mit dem Haus eng verbundenen Schauspieler Gilles Tschudi und Michael von Burg eine Szene. Ingrid gibt den beiden Regieanweisungen. Danach muss man kurz das Haus verlassen, um durch den Bühneneingang in die Garderobe zu gelangen. Der Schauspieler Horst Krebs animiert die Besucher über Kopfhörer «Manche Murmeltiere mampfen Marmorkuchen» zu rezitieren. Kollegin Karo Guthke unterbricht den fragwürdigen Spass und führt alle auf die Bühne. Hier erzählt sie, wie sie sich einst in den Regisseur Stefan Meier verliebte, den sie zuerst – pardon – «ein Arschloch» fand. Und dass ihre Oma und andere Geister hier rumgeistern würden, wenn sie spiele. So weit so gut.

Der reichlich biedere Trip ist noch nicht zu Ende. Jetzt muss man einander die Hände reichen und bei eingespieltem Applaus eine Verbeugung üben. So darf Otto Normalverbraucher ein wenig die Bretter, die die Welt bedeuten, spüren. Höhepunkt ist schliesslich ein kleines Puppentheater: Markus Keller und Ernst Gosteli, die beiden Gründerväter des Theaters, erzählen als Handpuppen, wie sie vor zwanzig Jahren zu Helden wurden.

Wie sie Widerstände überwanden und ständig neue Abonnenten gewinnen konnten. Leider fehlt Kermit der Frosch – vielleicht hätte er diese allzu werberische «Muppet Show» ironisch brechen ­können.Anmeldung:online oder telefonisch. An Vorstellungstagen 17 bis 20 Uhr. An Sonntagsvorstellungen 14 bis 17 Uhr.www.dastheater-effingerstr.ch

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