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Misstöne aus der Musikschule

Kein Jahresabschluss, kein Vorstand – und kein Geld: Die Musikschule Köniz, immerhin die Nummer zwei im Kanton, kämpft mit ernsthaften Problemen. Die Gemeinde springt in die Bresche.

So präsentiert sich die Musikschule auf der Könizer Website.
So präsentiert sich die Musikschule auf der Könizer Website.
zvg

Vor Jahresfrist der plötzliche Abgang der Leiterin, nun die über­raschende Botschaft aus dem Gemeindehaus. Am Donnerstag liessen die Könizer Behörden die Öffentlichkeit wissen, dass ihre Musikschule in finanzielle Schieflage geraten ist. Der Gemeinderat habe deshalb ein Darlehen in Höhe von 200 000 Franken gesprochen – damit die Septemberlöhne überhaupt ausbezahlt werden könnten.

Anders als letztes Jahr, als nie klar wurde, wieso sich die dama­lige Schulleiterin nach nur zweieinhalb Jahren aus der zweitgrössten Musikschule im Kanton Bern verabschiedete, gibt es jetzt ein paar Erklärungen. Gemeindepräsident Ueli Studer (SVP) bemüht sich allerdings, die Sache nicht allzu sehr grosszureden. Die von einem separaten Verein getragene Musikschule habe bereits in der Vergangenheit hin und wieder einen Vorschuss bezogen. Diesen habe man dann direkt mit dem per Leistungsvereinbarung definierten Gemeindebeitrag von jährlich 1,6 Millionen Franken verrechnet.

Wieso es jetzt über ein Dar­lehen und damit anders läuft? Studer redet davon, dass die ­Musikschule «in einer schwie­rigen Situation» stecke und insbesondere im Rechnungswesen sehr vieles liegen geblieben sei. Zwar deute heute einiges darauf hin, dass es ab Oktober um die ­Liquidität wieder besser stehe. Zu vieles sei aber noch offen, deshalb könne es auch sein, dass die Gemeinde länger auf die Rückzahlung warten müsse.

Wenn sie nicht gar mit einem weiteren Betrag aushelfen muss – dann allerdings käme das Geschäft ins Parlament. Denn der Gemeinderat darf in eigener Kompetenz nur 200 000 Franken bewilligen.

Geschlossener Rücktritt

Die Versäumnisse im Finanzwesen haben damit zu tun, dass der administrative Leiter für längere Zeit krankgeschrieben ist. Weil auch die zweite Person in der Administration ausgefallen ist, sah sich der Trägerverein gezwungen, ein externes Büro beizuziehen. Zumal ihm plötzlich auch bei der Jahresrechnung 2016 nicht mehr wohl war: Nachdem der Abschluss in einer ersten Runde weder vom Vereinsvorstand noch von der Gemeindeverwaltung ­beanstandet worden war, gab es nach einer zweiten Durchsicht im Vorstand «plötzlich Fragen», wie es Ueli Studer formuliert.

Für den Gemeindepräsidenten ist nun Krisenmanagement angesagt. Offen lässt er durchblicken, dass er mit der aktuellen Milizstruktur in der Musikschule nicht glücklich ist. Er werde einen Experten beiziehen, mit dessen Hilfe sämtliche Pendenzen aufarbeiten und dabei die ausstehende Rechnung abschliessen. Längerfristig werde man auch darüber reden müssen, die Musikschule neu zu organisieren.

Auf den Vorstand kann er bei diesen Arbeiten nicht mehr zählen. «Wir sind Ende August geschlossen zurückgetreten», sagt Präsidentin Verena Berger. Hörbar enttäuscht erzählt sie davon, wie sehr das Gremium von allen Seiten her unter Beschuss geraten sei. Vonseiten des Gemeinderats genauso wie vonseiten der Eltern, auch das Verhältnis zum Lehrkörper scheint seit dem Abgang der Schulleiterin getrübt gewesen zu sein – «dabei haben wir es mit viel Engagement geschafft, den Betrieb durch die personellen Engpässe zu führen».

Einfluss auf den Wahlkampf?

Politisch kommt die Krise insofern zur Unzeit, als das Parlament gerade erst 940 000 Franken für den Kauf des Ritterhauses für die Musikschule bewilligt hat. Be­einflussen könnte sie auch den ­aktuellen Wahlkampf ums Gemeindepräsidium. GLP-Kandidat Thomas Brönnimann ist als Gemeinderat und Bildungsdirektor be­troffen, SP-Kandidatin Anne­ma­rie Berlinger als Mitglied des Ver­einsvorstands.

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