Musikschule prüft höhere Tarife

Köniz

Das Könizer Parlament mag nicht mehr bedingungslos Geld in die Musikschule pumpen. Es verlangt von der Schule einen wirtschaftlicheren Betrieb.

Konnte das Parlament nicht überzeugen: Gemeinderat Hans-Peter Kohler (.) Gibt sich verschwiegen: Ueli Studer, Vorstandspräsident der Musikschule.

Konnte das Parlament nicht überzeugen: Gemeinderat Hans-Peter Kohler (.) Gibt sich verschwiegen: Ueli Studer, Vorstandspräsident der Musikschule.

(Bild: np / rmo)

Christoph Albrecht

Es war ein Zeichen der Härte, welches das Könizer Parlament am Montag in Richtung Musikschule aussandte: Nach langen Diskussionen lehnte es sämtliche Anträge, die der Gemeinderat zugunsten der Musikschule gestellt hatte, ab. So wollte die Mehrheit der Parlamentarier der Schule weder die Rückzahlung eines zuletzt gewährten Darlehens in Höhe von 125000 Franken erlassen noch zwei Nachkredite von abermals je 125000 Franken bewilligen.

Stattdessen wurde der Institution bis 2020 Zeit gegeben, das Darlehen zurückzuzahlen. Die geforderten Nachkredite gewährte das Parlament zudem lediglich in Form von neuen Darlehen. Und auch das nur unter der Bedingung, dass sich die Musikschule künftig um einen wirtschaftlicheren Betrieb bemüht und regelmässiger Rapport über ihre Entwicklung ablegt. Die Botschaft war klar: Man ist zwar bereit, der finanziell angeschlagenen Schule mit Geld unter die Arme zu greifen – aber nicht mehr ohne weiteres.

Zu KMU gewachsen

Dem Parlamentsentscheid war eine lebhafte Debatte vorausgegangen, bei der unter den Parteien für einmal weitgehend Konsens herrschte. Von links bis rechts befand man die beabsichtigte Finanzspritze des Gemeinderats als zu grosszügig, zumal die Gemeinde der Schule in der Vergangenheit schon wiederholt in der Not zu Hilfe geeilt war. Überraschend streng zeigte sich die SP. «Welche Leistungen zahlen wir der Musikschule mit dem Geld denn genau?», fragte Markus Willi mit einem gewissen Misstrauen. Bevor die Gemeinde wieder mit Zustüpfen einspringe, müssten zuerst einmal die Fehler aus der Vergangenheit sauber aufgearbeitet werden.

Wie es genau zu den Versäumnissen kam, ist nach wie vor nicht ganz klar. Fakt ist: Nach dem Abgang des langjährigen Musikschulleiters vor ein paar Jahren ging in der zweitgrössten Musikschule des Kantons Bern nicht nur viel Wissen, sondern auch einiges an ehrenamtlicher Arbeitskraft verloren. Vieles blieb auf einmal liegen, insbesondere im Rechnungswesen. Ausstehende Mitgliederbeiträge etwa wurden teilweise schlicht nicht eingefordert.

Nach weiteren Abgängen griff die Gemeinde ein und betraute eine externe Firma mit der Regelung der Finanzen. Dabei kamen einerseits Liquiditätsprobleme zum Vorschein. Andererseits zeigte sich, dass festgeschriebene Verantwortlichkeiten in Form von Statuten weitgehend fehlten. Die Musikschule mit ihren über 80 Lehrern und 1400 Kindern war, so musste man feststellen, vom ehrenamtlich geführten Verein längst zu einem KMU gewachsen – ohne dass man die Strukturen entsprechend angepasst hätte.

«Zukunft sieht düster aus»

Wie aber soll es mit der finanziell angeschlagenen Musikschule nun weitergehen? «Ohne das Geld der Gemeinde sieht die Zukunft der Musikschule düster aus», warnte Gemeinderat Hans-Peter Kohler (FDP) am Montag im Zuge der Debatte – und versuchte das Parlament doch noch davon zu überzeugen, die total 375000 Franken für die Musikschule zu sprechen, «damit die finanzielle Basis wieder gesichert ist». Dass das Parlament schliesslich lediglich Darlehen bewilligte, stimmte Kohler nachdenklich. «Die Probleme werden damit nur nach hinten geschoben», sagte er. Zwar seien nun wieder liquide Mittel vorhanden. «Die Schule wird das Geld aber kaum je zurückzahlen können.» Er rechne deshalb damit, dass man früher oder später wieder im Parlament über einen neuen Zustupf verhandeln müsse.

Für die Musikschule wird die Luft nach dem Entscheid des Parlaments dünn, zumal sie ihren Stellenetat in der Führung wegen der grossen Arbeitslast eben noch von 390 auf 480 Stellenprozent erhöht hat – wohl auch in der Annahme, dass man von der Gemeinde ein erneutes Geldpolster erhält. Das wird nun bekanntlich nicht in erhoffter Form geschehen. Bei der Musikschule löst dies vorerst einmal Verschwiegenheit aus. «Ich äussere mich nicht zum Entscheid des Parlaments», sagte Ueli Studer am Dienstag auf Anfrage. Der ehemalige Könizer SVP-Gemeindepräsident hat in der Musikschule vor knapp einem Jahr erst interimistisch und mittlerweile definitiv das Vorstandspräsidium übernommen. Er werde mit dem Vorstand nun «analysieren, was der Parlamentsentscheid für uns bedeutet».

«Die Tarife sind ein Thema»

Stellt sich die Frage, was die Musikschule selber zu tun bereit wäre für eine bessere finanzielle Situation – und ob sie etwa gedenkt, die Unterrichtskosten zu erhöhen. «Die Tarife sind derzeit ein Thema», bestätigt Studer. Zu allem Weiteren bleibt der Vorstandspräsident der Musikschule vorerst aber stumm.

Berner Zeitung

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