Nach der Operation wird Blutwurst serviert

Erstmals beteiligt sich das Inselspital an der Berner Museumsnacht. Das Hotel Bellevue wird für eine Nacht zum Spital. High­techmedizin und ein Berner Nobelpreisträger stehen im Mittelpunkt.

Passend zum Anlass: Nach den medizinischen Eingriffen werden im Bellevue Blut- und Leberwürste aufgetischt.

Passend zum Anlass: Nach den medizinischen Eingriffen werden im Bellevue Blut- und Leberwürste aufgetischt.

(Bild: zvg)

An der Kochergasse, die früher Inselgasse hiess, thematisiert das Inselspital Kocher. Theodor Kocher. Der Berner war der erste Chirurg und der bislang einzige Mediziner des Inselspitals, der den Nobelpreis für Medizin erhielt. Das war 1909. Geehrt wurde Kocher, der vor 175 Jahren zur Welt kam, für die Erforschung der Funktion der Schilddrüse und ihrer Krankheiten.

Er starb 1917 in Bern. «Kocher war der Chirurg seiner Zeit», sagt Thierry Carrel, Herzchirurg am Inselspital, das den Pionier dieses Jahr an der Museumsnacht würdigt. Nicht im Hospital, sondern im Hotel Bellevue, das in etwa dort steht, wo früher das alte Inselspital stand.

Initiant für das erste Gastspiel des Inselspitals an der Museumsnacht ist Thierry Carrel. Und das kam ziemlich zufällig zustande. «Als ich letztes Jahr feststellte, dass das Bellevue an der Museumsnacht nicht nur interne Gastrothemen inszeniert, fragte ich den Hoteldirektor, ob er für dieses Jahr noch jemanden suche», erzählt Carrel, der natürlich ans Inselspital dachte.

Die spontane Idee um Mitternacht fand bei der Hotelleitung Gehör. «Hotel, Hostel, Kochergasse, Inselgasse . . .», sinniert Hotel­direktor Urs Bührer, «das passt doch gut zusammen.»

Alle Spezialisten vor Ort

Das Bellevue wird am 18. März für eine Nacht zum Spital. Gewürdigt werden aber nicht nur Leben und Werk des berühmten Chirurgen Kocher, in dessen Schaffenszeit das Inselspital zum medizinischen Zentrum von europäischem Rang aufstieg. Präsentiert wird in der Museumsnacht auch die Hightechmedizin, die neusten chirurgischen Therapiemöglichkeiten.

Sieben chirurgische Abteilungen inklusive ihrer Chefs werden vor Ort sein und den Besucherinnen und Besuchern Red und Antwort stehen. Das sei für das Publikum eine einmalige Gelegenheit, alle Spezialisten gleichzeitig zu treffen und ihnen Fragen zu stellen, meint Carrel.

Gezügelt vom Inselspital ins Bellevue werden zudem die wichtigsten medizinischen Geräte der jeweiligen Abteilungen. Thierry Carrel wird eine Herz-Lungen-Maschine installieren. «Diese steht am Morgen im Inselspital noch im Einsatz, dann wird sie ins Bellevue transportiert», sagt er.

Kurator ist Claude Kuhn

Es sei weder eine Werbeveranstaltung der Insel noch eine Industrieausstellung, meint Carrel. «Wir wollen Berührungsängste abbauen und komplexe Gebiete in lockerer Atmosphäre ansprechend und einfach darstellen.»

Die Schau wird denn auch nicht von Medizinern gestaltet, sondern von einem Künstler: Mit der Umsetzung beauftragt wurde der Berner Ausstellungsmacher und Plakatkünstler Claude Kuhn. Die Inszenierung tritt mit dem Titel «Heile heile Säge» in doppeltem Gewand auf: Säge für Segen, aber auch für chirurgisches Sägen.

Auf einer Länge von 15 Metern wird im Bellevue ein menschlicher Körper horizontal projiziert. Beim Kopf werden die Neurologen und die Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten ihre Geräte aufbauen, beim Thorax die Herz- und die Lungenexperten, beim Bauch die viszerale Chirurgie und so weiter. Vor Ort sind auch die Anästhesisten, «denn schliesslich geht ohne sie im OP gar nichts», sagt Thierry Carrel.

Des Weiteren wird ein kranker Phantompatient auf mehr oder weniger professionelle Eingriffe der Besucher hoffen. Eine echte Operation an der Leber, die von echten Chirurgen durchgeführt wird, kann im «Hotelspital» in dieser Nacht via Bildschirm auch mitverfolgt werden.

Nach den medizinischen Eingriffen gibts die passende Kulinarik dazu. Auf dem Speiseplan stehen eine OP-Suppe sowie Blut- und Leberwürste; zubereitet nicht von Insel-Ärzten, sondern vom Küchenpersonal des Hotels Bellevue.

Museumsnacht, 18. März,18 bis 2 Uhr.

Berner Zeitung

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