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«Nach so langer Zeit haben wir einfach ein bisschen genug»

30 Jahre lang begannen Georges Staubs Arbeitstage nach Mitternacht. Damit ist bald Schluss. Nach Weihnachten machen er und seine Partnerin die Bäckerei Staub in Wabern zu. Auf die beiden warten nun neue Jobs.

Etwas wehmütig, aber auch mit viel Vorfreude: Esther Rolli und Georges Staub schliessen ihre Bäckerei und beginnen ein neues Kapitel.
Etwas wehmütig, aber auch mit viel Vorfreude: Esther Rolli und Georges Staub schliessen ihre Bäckerei und beginnen ein neues Kapitel.
Christian Pfander

Wiener Konfekt. Gefüllte Amaretti. Florentiner. Und natürlich frisches Brot. Dafür ist die Bäckerei Staub in Wabern seit Jahrzehnten bekannt. Bald werden die Spezialitäten aber nur noch eine Erinnerung sein. Nach Weihnachten geht der Quartierbeck an der Weyerstrasse nach fast einem halben Jahrhundert zu. «Der Aufwand stimmt nicht mehr mit dem Ertrag überein», sagt Inhaber Georges Staub. Dazu geführt habe die Konkurrenz durch Billiganbieter. Sie sei in der letzten Zeit immer spürbarer geworden.

Die getrübte wirtschaftliche Situation ist für den 60-Jährigen aber nur einer der Gründe, warum er aufhört. «Nach so langer Zeit haben wir einfach auch ein bisschen genug.» 30 Jahre lang hat Staub den Familienbetrieb, den er 1988 von seinem Vater übernommen hatte, zusammen mit seiner Lebenspartnerin Esther Rolli (62) geführt.

Will heissen: 30 Jahre lang um 18 Uhr ins Bett gehen. 30 Jahre lang um Mitternacht aufstehen. 30 Jahre lang um 1 Uhr morgens in der Backstube mit der Arbeit beginnen. «Soziale Kontakte waren da schwierig», so Staub. Nun freue er sich auf die freien Abende.

Neuer Job, neuer Rhythmus

Das letzte Kapitel seines Arbeitslebens wird die Bäckerei aber nicht gewesen sein. Als Überbrückung bis zu seiner Pension wird Staub ab dem neuen Jahr eine Teilzeitstelle in einem Altersheim antreten, wo er dem Abwart unter die Arme greift. Und auch seine Partnerin wird künftig einem «normalen» Job in einem Büro nachgehen. «An den neuen Rhythmus werden wir uns am Anfang wohl noch etwas gewöhnen müssen.»

Auch wenn die Vorfreude auf den neuen Alltag überwiegt – kalt lässt Georges Staub die Schliessung seines Geschäfts nicht. «Klar, eine gewisse Wehmut ist schon da», sagt er. Kein Wunder: Im Haus an der Weyerstrasse hat Staub nicht nur drei Jahrzehnte lang in der Backstube gestanden, hier ist er auch aufgewachsen.

1972 hatte sein Vater die Bäckerei aufgemacht, die danach immer grösser wurde. «In den besten Zeiten hatten wir hier 30 Mitarbeiter», erzählt Staub. Zum Personal gehörten seinerzeit etwa auch die «Sandwich-Frauen», die ganze Abende lang nur Brötchen strichen. «Damals war die Bäckerei quasi ein 24-Stunden-Betrieb.»

Der Staub-Beck erlebte aber auch Zeiten, in denen das Geschäft weniger brummte. So zum Beispiel 2010, als das Inselspital seine damaligen lokalen Lieferanten – darunter auch die Bäckerei Staub – hängenliess und die Backwaren fortan von güns­tigeren Industriebäckereien bezog.

Der Verlust des Grossauftrags sorgte für beträchtliche Umsatzeinbussen – und zwang Staub dazu, Leute zu entlassen. Auch jetzt sind von der Schliessung der Bäckerei vier Mitarbeiter betroffen. «Drei von ihnen haben aber bereits einen neuen Job gefunden.» Eine Person sei derzeit noch auf der Suche.

Das Haus ist verkauft

Das Elternhaus an der Weyerstrasse hat Georges Staub an das Wohn- und Pflegeheim Grünau aus der Nachbarschaft verkauft. Nach einer neuen Bleibe wird er sich aber nicht umschauen müssen. Schon seit zehn Jahren lebt er zusammen mit seiner Partnerin in Belp. Es wird vorerst der einzige gewohnte Takt sein im neuen Lebensrhythmus der beiden.

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