Zum Hauptinhalt springen

«Nachtleben ist Kultur, und nicht Dreck und Lärm»

Berner Bar- und Klubbetreiber haben ein Fazit zum Berner Nachtlebenkonzept gezogen: Zu viel Repression, zu wenig kulturelle Aspekte und präventive Ansätze, kritisieren sie.

Kulturveranstalter, Bar- und Clubbetreiber informieren am Mittwoch im «Propeller» zum Nachtlebenkonzept: Thomas Berger vom Verein Pro Nachtleben Bern, Rolf Bähler und Adrian Iten von Buck, Beat Junker von Petzi und Christian Pauli von Bekult (von links).
Kulturveranstalter, Bar- und Clubbetreiber informieren am Mittwoch im «Propeller» zum Nachtlebenkonzept: Thomas Berger vom Verein Pro Nachtleben Bern, Rolf Bähler und Adrian Iten von Buck, Beat Junker von Petzi und Christian Pauli von Bekult (von links).
Claudia Salzmann
Im Herbst 2012 präsentiert die Stadtregierung ein Konzept zum Nachtleben in der Stadt Bern.
Im Herbst 2012 präsentiert die Stadtregierung ein Konzept zum Nachtleben in der Stadt Bern.
Beat Mathys
Juni 2012: Bars, Klubs und Kleingewerbler gründen den Verein «Buck». Buck will das Gesetz anwendbar machen. Derzeit werde dieses willkürlich ausgelegt.
Juni 2012: Bars, Klubs und Kleingewerbler gründen den Verein «Buck». Buck will das Gesetz anwendbar machen. Derzeit werde dieses willkürlich ausgelegt.
Claudia Salzmann
1 / 14

Weniger Repression und ein stärkeres Bekenntnis zur Kultur. So lautet grob das Fazit von Kulturveranstaltern, Bar- und Klubbetreibern zum Berner Nachtlebenkonzept. Die Stadt hatte das Konzept im September in die Vernehmlassung geschickt. Das Konzept gehe in die richtige Richtung und weise positive Ansätze auf. Doch fast durchs Band wird kritisiert, dass das Konzept zu stark auf Repression und zu wenig auf Prävention setzt.

Es brauche Regeln und an die müsse man sich halten, betonte Thomas Berger vom Verein Pro Nachtleben Bern am Mittwoch vor den Medien. Zu oft werde das Fehlverhalten Einzelner aber mit Repressionen gegen die Allgemeinheit beantwortet.

Das Konzept der Stadt beinhaltet 15 Massnahmen,mit denen Konflikte ums Nachtleben entschärft werden sollen. Kurzfristig soll unter anderem das Security-Konzept ausgeweitet und eine städtische Mediationsstelle geschaffen werden.

Öffnungszeiten flexibilisieren

Mittelfristig möchte der Gemeinderat das Nacht-Angebot im öffentlichen Verkehr ausbauen, zusätzliche Toilettenanlagen schaffen und die Öffnungszeiten der Lokale flexibilisieren.

Gerade letzteres stösst bei vielen Betreibern und Veranstaltern auf offene Ohren. Denn so lasse sich verhindern, dass die Partygänger bei Betriebsschluss allesamt zur gleichen Zeit in den Strassen unterwegs seien, heisst es etwa in einer Stellungnahme des Vereins Pro Nachtleben Bern.

Mehr Moonliner

Eine kleine Aufstockung des Nachtbusangebots reiche nicht, betonte Adrian Iten von der Bar- und Club Kommission Bern (BUCK) am Mittwoch. Es brauche einen Moonliner alle 45 Minuten. Auch innerhalb der Stadt müssten Lücken im ÖV-Angebot von Bernmobil geschlossen werden.

Eine Ausweitung des Security-Konzepts werteten die Veranstalter und Betreiber grundsätzlich positiv. Es gelte aber, die Sache differenziert anzugehen und auch die Bedürfnisse kleiner Betriebe zu berücksichtigen.

Nichts halten die Veranstalter und Betreiber von einem zeitlich begrenzten Alkoholverkaufsverbot. Ein solches würde genau das Gegenteil bewirken, denn die Jugendlichen würden sich einfach vorher mit genügend Alkohol eindecken, vermutete Berger.

Dauerthema

Das Nachtleben in der Bundesstadt ist seit langem ein heisses Eisen. Während die einen ihre Ruhe haben wollen, möchten andere in der Stadt feiern. Die Kontroverse entzündete sich vergangenen Sommer so richtig. Damals gingen mehr als 10'000 junge Menschen auf die Strasse, um für mehr Freiräume zu demonstrieren.

Nachtleben sei nicht nur Vandalismus, gab Berger zu bedenken. Es sei auch ein Wirtschaftsfaktor mit vielen Arbeitsplätzen und ein Touristenmagnet. So sieht es auch Adrian Iten: «Wir wollen, dass die Leute das Nachtleben als Kultur anschauen, nicht als eine Dreck und Lärm verursachende Sache. Wir wollen ihr Denken ändern.»

Reitschule hält sich fern

Ein wichtiger Protagonist im Berner Nachtleben hat sich allerdings bereits vom Konzept verabschiedet: das alternative Kulturzentrum Reitschule. Das Konzept sei innerhalb der Reitschule kontrovers und intensiv diskutiert worden, heisst es auf der Homepage der Institution.

Das grösste Anliegen der Stadt sei aber eine Verstärkung der Repression. Ein enttäuschendes Zeichen, das «in keinster Weise» den Bedürfnissen der Reitschule entspreche.

SDA/cls/tag

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch