Neues Restaurant im Bellevue

Bern

Im Luxushotel Bellevue Palace an der Kochergasse wird gebaut. Im Dezember wird ein neues Restaurant eröffnet, das Einheimische anlocken soll.

<b>Absitzen schickt sich</b> für einen Hotelier nicht: Urs Bührer in der Hotelbar.

Absitzen schickt sich für einen Hotelier nicht: Urs Bührer in der Hotelbar.

(Bild: Nicole Philipp)

Claudia Salzmann@C_L_A

Man sieht ihn meist schon kurz nach der Drehtür: Urs Bührer, den Hoteldirektor des Bellevue Palace. Der 56-Jährige versteht seinen Job als Lebensaufgabe, er wohnt praktisch hier und hat gerne den Überblick.

Mehrmals pro Tag besucht er mit Gästen die Küche, wo 25 Köche arbeiten. Mit Küchenchef Gregor Zimmermann arbeitet er seit 12 Jahren zusammen, das Duzis wollen sie einander aber erst bei der Pension anbieten. Bührer setzt sich nie hin, nicht einmal fürs Foto.

Modern und munter

Er hat eine Vision für «sein» Bellevue: Es soll offener werden, entstauben will er es, damit Berner die Schwellenangst verlieren und hier ein- und ausgehen. Einige Projekte hat er umgesetzt, angefangen mit dem Umbau der Küche.

«Ich bin zufrieden, der Winter kann kommen.»Urs Bührer, Direktor Bellevue Palace

Gregor Zimmermann hat im Gault Millau 2019 wiederum 16 Punkte erreicht und ist einer der besten Köche der Stadt. Er weilt gerade in Afrika. Dort ist er mit dem «Cercle des Chefs des Chefs» unterwegs, einem Club von 30 Küchenchefs, die für Staatsoberhäupter kochen.

Auch die Karte und der Raum des Restaurant Vue wurden modernisiert, der Teppich entfernt, und der letzte Pianist ist längst in Pension. In der Lobby wählt der Gast aus 99 Gins aus, und an Wochenenden spielt dort ein DJ.

Seit vier Monaten wird die Orangerie umgebaut, und am Donnerstag wurde ein Teil dieser Arbeiten abgeschlossen. Die bestechende Aussicht auf Berge und den Hausberg kommt wegen der Fensterfronten besser zur Geltung, und der Holzboden macht dem Namen Orangerie alle Ehre. Ab diesem Wochenende kehrt wieder Leben ein.

Ab diesem Wochenende kehrt wieder Leben in die Orangerie ein. Bild: Nicole Philipp

«Wenn ich noch einmal heiraten würde, täte ich es hier», witzelte der zuständige Architekt bei der Einweihung. Die Wände sind aus Messing, geliefert aus Italien. Für die Lampen wurde das gleiche Material gewählt. Der Steinboden ist noch ungeölt und dürfte später mit tiefschwarzer Farbe einen starken Kontrast zur goldenen Wand bilden.

Erinnerungen an die Münz

Ob die Arbeiten Urs Bührer gefallen, wusste das Architekturbüro wochenlang nicht. «Lange habe ich nichts gesagt, ich weiss. Aber es gefällt mir, der Winter kann kommen», sagte Bührer bei der Eröffnungsrede. Auch das Fumoir wurde neu gestaltet und leicht vergrössert. Das Fenster wurde durch ein durchgehendes Glas ersetzt, damit man besser hineinblicken kann. Unter dem Holz steckt viel Hightech, so viel, dass die Luft ganze 21-mal pro Stunde umgewälzt wird.

Das neu gestaltete und etwas grössere Fumoir. Bild: Nicole Philipp

Während die geladenen Gäste das Fumoir mit Montecristo-Zigarren einrauchen und die Lüftung an die Grenze bringen, führt Urs Bührer in den Keller, um seinen ganzen Stolz zu zeigen. Dieser ist zwar noch in den Kinderschuhen und staubig, aber hier entsteht ein 70-plätziges Restaurant.

Viele Berner dürfte dieses Vorhaben an das seit rund 15 Jahren geschlossene Stadtrestaurant Münz erinnern: Berner Geschäftsherren speisten früher in diesem eleganten und sündhaft teuren Lokal, wo der bekannte Maître Kurt Aeberhard Gastgeber war. Im unteren Geschoss war der Bellevue-Grill. Dort, wo das moderne Restaurant im Dezember eröffnen wird.

«Damit die Gäste direkten Zugang haben, nehmen wir die hintere Glastüre wieder in Betrieb», sagt Bührer. Natürlich hat er dabei wiederum die besagte Schwellenangst im Hinterkopf.

Berner Zeitung

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