Neues Stadtspital soll auf dem Tiefenau-Areal entstehen

Bern

Ein neuer Spitalbau auf dem Berner Tiefenauareal soll das Ziegler- und das Tiefenauspital ablösen. Am Standort des Zieglerspitals wird eine ambulante Tagesklinik eingerichtet.

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In den letzten Monaten waren noch die Standorte Tiefenau und Ziegler im Rennen gewesen. Die dritte Option – ein neues Stadtspital auf dem Inselareal – hatte der Verwaltungsrat des Inselspitals und der Spital Netz Bern AG bereits im Frühling verworfen.

Nun hat das Gremium einen Vorentscheid getroffen: Das Tiefenauareal eigne sich am besten für ein neues Stadtspital, teilte es am Mittwoch mit. Im Frühsommer 2015 will der Verwaltungsrat konkrete Entscheide treffen und bis dahin weitere Abklärungen zum Bedarf, zum Angebot und zum Zeitplan vornehmen.

Den Ausschlag für den Standort Tiefenau habe das dortige Gelände gegeben, sagt Verwaltungsratspräsident Joseph Rohrer. Die Platzverhältnisse erlaubten, dass man den Neubau erstelle und gleichzeitig das heutige Spital bis zum Umzug weiterbetreibe. Ausserdem liege der Standort verkehrstechnisch günstig und werde vielleicht künftig noch besser erschlossen.

Das Areal des Zieglerspitals hingegen sei für einen Aus- und Neubau nicht geeignet. Die dortigen Spitalangebote wie Geriatrie, Orthopädie und innere Medizin sollen ins neue Stadtspital verlagert und das Gebäude in eine ambulante Tagesklinik mit 24-Stunden-Notfallversorgung umgenutzt werden. Die Geschäftsleitung wird mit den Ärzten in den umliegenden Praxen Kontakt aufnehmen und bis im Frühling klären, wie dieses ambulante Angebot definiert werden könnte.

Wie auch immer der Entscheid nächstes Jahr ausfallen werde: Die Weiterbeschäftigung der Mitarbeitenden der beiden Standorte sei gesichert, hält der Verwaltungsrat in seiner Mitteilung fest. Dies sei gar ein zentrales Kriterium, damit das Projekt überhaupt genehmigt werde.

Dreistufiges Modell

Dass der Bau eines neuen Stadtspitals nötig ist, hat der Verwaltungsrat schon im Frühling betont. In den bisherigen Spitälern Ziegler und Tiefenau sei der Betrieb längerfristig nicht möglich, die Häuser seien sanierungsbedürftig. Es brauche aber ein Stadtspital, damit das dreistufige Modell umsetzbar sei, das Spital Netz und Insel verfolgen: Erstens wohnortnaher Zugang der Patienten zu einem Spital dank den Standorten Aarberg, Münsingen und Riggisberg; zweitens stationäre Grundversorgung dank einem Stadtspital und drittens hochspezialisierte Medizin am Inselspital.

Dieses Modell sowie wirtschaftliche Überlegungen waren auch der Grund gewesen, weshalb der Verwaltungsrat das Inselgelände als Standort für ein Stadtspital ausgeschlossen hatte.

Günstiger als Vorprojekt

Wie gross das neue Spital sein soll, kann Rohrer noch nicht sagen. Es werde aber sicher kleinere Dimensionen aufweisen als die jetzigen Spitäler Tiefenau und Ziegler zusammen. Auch der finanzielle Rahmen ist noch nicht klar abgesteckt. Rohrer rechnet mit einem dreistelligen Millionenbetrag.

Bei früheren Neubauplänen eines Spitals auf dem Tiefenaugelände war man von Kosten in Höhe von 250 Million Franken ausgegangen. Die Pläne waren damals von der Spital Netz Bern AG ausgearbeitet worden. «Der Bau wird voraussichtlich weniger kosten», sagt nun Rohrer. Das damalige Projekt sei noch vor dem Zusammenschluss mit dem Inselspital ausgearbeitet worden. Die Spital Netz Bern AG sei damals noch in Konkurrenz zum Inselspital gestanden.

Nun könne man Synergien nutzen und Doppelspurigkeiten vermeiden, was den Aufwand geringer halte. Aus diesem Grund könne man aber auch nicht das damalige Neubauprojekt reaktivieren. «Wir planen neu», so Rohrer. Einen detaillierten Zeitplan gebe es noch nicht, nur so viel: «Wir wollen vorwärtsmachen.»

Bedarfsabklärung nötig

Gesundheitsökonom Heinz Locher kennt das Berner Gesundheitswesen bestens. Er hat Neubaupläne für ein Stadtspital stets kritisch hinterfragt und vorgerechnet, dass angesichts des grossen Spitalangebots in der Stadt Bern die Spitäler Tiefenau und Ziegler ersatzlos geschlossen werden könnten. Auch jetzt sagt er: «Es braucht eine genaue Bedarfsabklärung.» Locher anerkennt aber, dass dank dem Betrieb eines Stadtspitals eine strikte Trennung zwischen teurer universitärer Medizin und erweiterter Grundversorgung möglich ist. «Das ist sinnvoll.»

Genau um diese Trennung zu ermöglichen, sei das Stadtspital nötig, sagt Holger Baumann, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Insel und Spital Netz. «Nur so können wir die Patienten exakt dort behandeln, wo die Ressourcen am idealsten eingesetzt werden können.»

Allerdings, so Gesundheitsökonom Locher weiter, müsse dann auch die Insel über die Bücher und allenfalls bei der Erneuerung des Bettenhochhauses eine Reduktion der Bettenzahl ins Auge fassen. Laut Baumann ist aus diesem Grund am Inselspital zwar kein Abbau, aber auch kein Ausbau geplant, «auch wenn der Bedarf in nächster Zeit eher ansteigt».

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