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«Nie zu spät für eine Neuausrichtung»

Genug vom alten Job und doch fehlt der Mut, etwas Neues anzupacken? Der Coach und Prozessbegleiter Marco Zaugg sagt, worauf es bei Veränderungen ankommt.

Bei Umschulungen im Alter kommt es vor allem auf eines an: Durchhaltevermögen. Foto: iStock
Bei Umschulungen im Alter kommt es vor allem auf eines an: Durchhaltevermögen. Foto: iStock

Der 55-jährige Peter Tanner* hatte seinerzeit eine Lehre als Schriftsetzer gemacht. Später arbeitete er als Koordinator an einer Fachhochschule. Auf einmal wurde seine Arbeit nicht mehr geschätzt. Tanner verlor sein Selbstvertrauen und merkte, dass er eine Lösung finden musste. Unterstützung fand er beim Coach Marco Zaugg.

Als Erstes ging es darum, dass sich Peter Tanner wieder auf seine Stärken und Talente besann. Danach bewarb er sich und fand schnell eine anspruchsvolle Stelle als Projektleiter in der Privatwirtschaft im Bereich IT/Medien. Heute ist Tanner sehr glücklich beim neuen Arbeit­geber.

Leidensdruck am Anfang

Viele suchen für ihr Arbeitsleben noch mal eine neue Perspektive und gehen eine Neuorientierung aus eigener Initiative an. Aber auch äussere Umstände können eine Veränderung erzwingen, zum Beispiel Stellenlosigkeit oder gesundheitliche Gründe.

Marco Zaugg stellt immer wieder fest: Über 50-Jährige, die sich neu orientieren wollen oder müssen, befürchten oft, nichts mehr zu finden. «Die Zahlen zeigen aber, dass nicht mehr über 50-Jährige keine Stelle haben als die Jüngeren, einzig die Stellensuche dauert länger. Es braucht deshalb Durchhaltevermögen», sagt er.

«Am Anfang jeder Veränderung steht entweder ein Leidensdruck oder eine Sehnsucht nach etwas Neuem oder beides».

Marco Zaugg arbeitet seit 2012 in Bern als Coach, Prozessbegleiter und ist Buchautor. Ursprünglich Rechtsanwalt und selber Umsteiger, war er früher stellvertretender Chef in der Rechtsabteilung eines Bundesamtes. «Am Anfang jeder Veränderung steht entweder ein Leidensdruck oder eine Sehnsucht nach etwas Neuem oder beides», sagt Zaugg. Jede Veränderung mache Angst. Das gehe allen so und gehöre dazu.

Wer vor einer Neuorientierung steht, sollte zuerst eine Standortbestimmung machen: «Dabei ist ein Blick auf eigene Talente und Stärken wichtig», sagt Marco Zaugg. «Es geht darum, sich auf sich selber zu besinnen und zu fragen, was wirklich wichtig ist und man sich wünscht», sagt er. Viele hätten nie gelernt, auf ihre eigenen Bedürfnisse zu achten. Sie funktionieren so, wie es das Umfeld wolle.

Manch einer schlittert quasi zufällig in einen Beruf hinein und merkt irgendwann, dass er am falschen Platz ist. Man müsse darum zuerst den Blick nach innen richten. Es sei wichtig, die eigenen Ressourcen und Wünsche freizulegen, die vielen nicht bewusst seien. «Dabei führen auch kleine Schritte zum Ziel. Es macht keinen Sinn, wild Standardbewerbungen zu versenden. Gezielte Bewerbungen bringen viel mehr», sagt Zaugg.

Ein zweites Standbein

Manchmal ist es auch sinnvoll, ein zweites Standbein aufbauen. Wenn man beispielsweise das Pensum von 100 auf 60 Prozent reduziert, kann man daneben etwas Neues aufbauen.

Wichtig ist auch, wie jemand an die Veränderung herangeht: «Es zählt die innere Einstellung, die jemand bei Wechseln hat», so Zaugg. Wer glaubt, er habe keine Chance mehr auf dem Arbeitsmarkt, für den werde es tatsächlich schwierig.

Es ist nie zu spät

Dabei ist es nie zu spät für einen Neuanfang. Auch im Alter kann man sich noch einmal ganz neu orientieren. Zaugg erzählt von einer über 60-jährigen Frau, die noch einmal etwas ganz Neues wagte. Sie hatte jahrzehntelang im Betrieb des Mannes mitgearbeitet. Nach der Scheidung hatte sie Mühe, eine Stelle zu finden. Darauf entschloss sie sich, die Ausbildung zur Privatdetektivin zu absolvieren. Heute gehe sie in diesem Beruf vollkommen auf.

*Name wurde geändert.

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