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Notlandung zu spät eingeleitet

Vor drei Jahren stürzte bei Bern-Belp ein Motorflugzeug ab. Nach dem Absturz ging das Flugzeug in Flammen auf, wobei der 48-jährige Pilot ums Leben kam. Nun wurde der Untersuchungsbericht veröffentlicht.

Nach dem Aufprall auf einem Acker in der Nähe des Flughafens Bern-Belp brannte das Flugzeug am 3. Mai 2006 vollständig aus.
Nach dem Aufprall auf einem Acker in der Nähe des Flughafens Bern-Belp brannte das Flugzeug am 3. Mai 2006 vollständig aus.
zvg

Am 3.Mai 2006 stürzte ein Motorflugzeug in einen Acker bei Bern-Belp und brannte vollständig aus. Das Segelflugzeug, das vom verunglückten Flugzeug gezogen wurde, konnte sich vorher ausklinken und unversehrt landen. Nach dem Unglück war die Ratlosigkeit gross. «Die Ursache ist absolut unerklärlich», sagte damals Edi Inäbnit, Präsident der Segelfluggruppe Bern.

Mittlerweile hat das Büro für Flugunfalluntersuchungen (BFU) den Bericht zum Unfallhergang vorgelegt. Laut der Darstellung des BFU verfügte der 48-jährige Pilot zwar über langjährige Flugerfahrung – bei dem betreffenden Modell hatte er aber zu wenig Routine. Dennoch absolvierte der Pilot an jenem Nachmittag insgesamt elf Schleppflüge für Segelflugzeuge.

Seltsame Motorgeräusche

Um 18.24 Uhr startete der Pilot zu einem weiteren Schleppflug. Laut den Bericht fiel dabei mehreren Beobachtern ein ungewöhnliches Motorengeräusch auf. Zudem war die Rollstrecke für den Start unüblich lange.

Über die Segelflugfrequenz wurde den Insassen des Segelflugzeuges mitgeteilt, dass das Schleppflugzeug beim Start nicht gut getönt habe. Der Funk meldete weiter, dass der Motor wohl nicht auf allen Zylindern laufen würde. Der Pilot des Schleppflugzeuges konnte diese Informationen allerdings nicht empfangen, da seine Maschine mit nur einem Funkgerät ausgerüstet war. Dieses war für den Funkverkehr auf der Frequenz der Platzverkehrsleitstelle in Bern-Belp eingestellt.

Dem Pilot des Segelflugzeuges fiel bald auf, dass mit dem Schleppflugzeug etwas nicht in Ordnung war. Deshalb klinkte er sich auf einer Höhe von 100 Metern aus und landete normal auf dem Segelfluggelände.

Gleichzeitig meldete der Pilot in der Schleppmaschine, dass er Probleme habe. Er flog eine Linkskurve und überquerte die Landepiste des Segelfluggeländes. Kurz danach drehte sie Maschine weiter nach links ab und dann nach rechts in Richtung Kehrsatz. Ein Fluglehrer am Boden deutete dies als Beginn einer Notlandung. Doch dann kam eine brüske Linkskurve, und das Flugzeug flog auf einer Höhe von etwa 30 Metern über Boden weiter.

Grund für Störung unklar

Um 18.27 Uhr, nur gerade drei Minuten nach dem Start, prallte das Flugzeug auf einem Acker zwischen Hühnerhubel und der Gürbe auf. Es schlitterte ein kurzes Stück, überschlug sich und kam zum Stillstand.

Zwei Passanten rannten zum Wrack, um Erste Hilfe zu leisten. Sie konnten mit dem Piloten sprechen, der im Flugzeug eingeklemmt war. Da die Maschine aber auf dem Rücken lag, konnten sie das Kabinendach nicht öffnen. Kurz darauf brach ein Feuer aus, und das Flugzeug brannte vollständig aus. Der Pilot kam in den Flammen um.

Als Hauptgrund für den Unfall nennt das Büro für Flugunfalluntersuchungen, dass der Pilot nach einer Motorenstörung mehrere Möglichkeiten für eine Notlandung nicht wahrgenommen hatte. «Die Motorenstörung per se ist das eine», sagt Daniel Knecht, Untersuchungsleiter beim BFU, «das andere ist, dass der Pilot aus unergründlichen Motiven erst so spät zur Notlandung ansetzte.» Dies sei fatal, so Knecht. «Bei einer solchen Panne sollte man nie zu lange warten.»

Worin genau die Motorenstörung bestand, konnte das BFU nicht mit Sicherheit sagen. «Es muss offen bleiben, ob die Motorstörung auf Grund einer Fehlfunktion im Schwimmersystem des Vergasers ausgelöst wurde», heisst es im Bericht.

Massnahmen zur Sicherheit

Weiter weist das BFU darauf hin, dass im Cockpit ein Hilfsmittel fehlte, um die Plexiglasscheibe aufbrechen zu können. Dadurch habe der «an sich überlebbare Unfall» einen tödlichen Ausgang genommen. Deshalb sprach das Bundesamt für Zivilluftfahrt im November 2006 eine Empfehlung aus, im Cockpit von Kleinflugzeugen ein geeignetes Stichwerkzeug einzubauen. Seit Frühjahr 2007 ist auch das Kommunikationsproblem zwischen Schleppflugzeug und Segelflugzeug auf dem Flughafen Bern-Belp behoben.

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