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Patisserie ist kein Zuckerschlecken

Am Wochenende fand das zweite Süssfestival in Köniz statt. Der Selbstversuch beim Zuckerbäckerkurs setzte den eigenen Ernährungs­vorsätzen ziemlich zu.

Sophie Krähenbühl (Mitte) erklärt den Kursteilnehmern, wie die nächsten Schritte aussehen.
Sophie Krähenbühl (Mitte) erklärt den Kursteilnehmern, wie die nächsten Schritte aussehen.
Manuel Zingg

Die ganze Halle riecht bereits frühmorgens nach Schokolade, Caramel und Marzipan. Eigentlich hatte man den Süssigkeiten nach den zuckerintensiven Osterfeiertagen abgeschworen. Der Sommerfigur zuliebe sollte bis in die kälteren Monate fertig sein mit dem übermässigen Konsum von Pralinen, Kuchen und Torten. Schwierig nur, weil dieses Wochenende zum zweiten Mal die Süss – die Foodmesse für Süsses ­– in Köniz stattfand.

Das Wochenende versüssen

Um 10 Uhr morgens brauchte die Messe an der Sägestrasse 79 noch etwas Anlaufzeit. Die Besucher kamen nur langsam in die Messhalle, viele scheinen sich zu fragen, ob es vielleicht doch noch zu früh dazu ist, Süssigkeiten zu ­essen.

Das Moto des Tages laut Organisatorin Karin Trüssel-Abplanalp: «Kontakt und Geschmack – darum geht es bei uns.» Süsses sei oft nur Beigemüse an Foodmessn, deshalb habe sie sich vor zwei Jahren dazu entschieden, eine Messe auf die Beine zu stellen, die die süssen Dinge im Leben in den Mittelpunkt stellt.

Bei rund 30 Ausstellern konnte man sich mit Pralinen bis hin zu Pistazienkuchen oder etwa selbst gemachtem Eistee – der einige dubiose Zutaten enthalten soll und deshalb «Der Verbotene» heisst – das Wochenende mit den unterschiedlichsten Amuse-Bouches wortwörtlich versüssen.

«Die Besucher sind auf der Suche nach Extravaganz.»

Karin Trüssel-Abplanalp Organisatorin

Das Spezielle an der Messe: In Workshops, die Tage zuvor bereits alle ausgebucht waren, konnten Besucher neue Backtrends und Patisserietricks lernen. Wer bloss für die hohe Kunst des Degustierens an der Messe war, kam auch auf seine Kosten. Sophie Krähenbühl, Chefin der Patisserie Les Cocottes Popotent in Bern, leitete einen Workshop übers Modellieren von Zuckerfiguren. Ziel des Ateliers: eine Mademoiselle Gisèle basteln, einen Engel mit Zuckerflügeln.

Klingt erst einmal leicht. Nachdem der Teig geknetet ist, zeigt sich aber: Modellieren ist schwieriger als gedacht. Demotivierend kam hinzu, dass die Mehrheit der Kursteilnehmer, ausschliesslich Frauen, professionelle Patisserie- und Backkünstlerinnen waren und deren Teig im Nu die Gestalt eines Engels annahm. «Du sollst das nicht essen», musste Krähenbühl derweil immer wieder den Laientisch ermahnen.

Vier Stunden dauert es, bis ein anständiger Engel geformt ist. Tröstende Wort gibt es von der Leiterin dann doch: «Bei Kuchen ist es wie bei Menschen, letztlich kommt es aufs Innere an», dass der Engel den künstlerischen Ansprüchen nicht genügt, sieht man ihrem Blick aber doch an.

Für jeden etwas dabei

Geschmack und Ästethik der Süssigkeiten standen an diesem Wochenende im Vordergrund. Ob flüssig, gefroren oder kristallisiert und caramelisiert und dann zu verrückten Formen zusammengeschmolzen, für jeden Geschmack war etwas dabei. «Die Besucher sind auf der ­Suche nach Extravaganz, jeder möchte personalisierte Süssigkeiten», so Trüssel-Abplanalp. Auf die Frage, welche Zuckerbombe man denn probieren sollte, antwortet sie nur: «Ich kann mich einfach nicht entscheiden . . . Alle!»

Natürlich kam das Endprodukt beim Workshop nicht an den ­ästhetischen Wert von Kreation wie etwa denen von Patissierweltmeister Rolf Mürner, der einen Workshop zum Raffinieren von Schokoladengarnituren anbot, heran. Dass aus dem geplanten Zuckerengel eher ein Zuckerpunk mit Irokese wurde, brachte Krähenbühl aber doch zum Schmunzeln: «Was soll den das?» «Ach egal, Hauptsache ihr habt Spass.» Die Stimmung hatte sich wohl letztlich auch wegen des erhöhten Zuckerspiegels ge­steigert.

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