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Pfarrerlöhne: Landeskirchen warnen vor «abenteuerlichem Systemwechsel»

Ein im bernischen Grossen Rat eingereichter Vorstoss zu den Pfarrerlöhnen im Kanton hat die drei Landeskirchen und die jüdische Gemeinschaft aufgeschreckt. Sie warnen in einer gemeinsamen Mitteilung vor einem «abenteuerlichen Systemwechsel».

Will «Beziehungen der heutigen Zeit anpassen» SP-Grossrat Adrian Wüthrich.
Will «Beziehungen der heutigen Zeit anpassen» SP-Grossrat Adrian Wüthrich.
Hans Wüthrich

Als 1804 der Staat die Kirchengüter im Kanton Bern übernahm, verpflichtete er sich als Gegenleistung, die Löhne der Pfarrerinnen und Pfarrer zu bezahlen. SP-Grossrat Adrian Wüthrich aus Huttwil möchte nun untersucht haben, ob die Kirchgemeinden künftig die Pfarrerlöhne selber bezahlen könnten.

Ihm gehe es nicht darum, die guten Beziehungen zwischen Kirche und Staat in Frage zu stellen, schreibt der 32-jährige Jungpolitiker in seiner im vergangenen Dezember eingereichten Motion. Vielmehr gehe es darum, diese Beziehungen der heutigen Zeit anzupassen.

Viele Menschen seien heute aus der Kirche ausgetreten oder Mitglied einer Freikirche. Via Steuern beteiligten sie sich aber weiterhin an der pfarramtlichen Versorgung der Landeskirchen.

Die Pfarrerlöhne zu finanzieren, sei für die Kirchen kein Problem, wenn der Kanton einfach die Kirchensteuern erhöhe und im Gegenzug die normalen Steuern senke. «Für Personen, die aus der Kirche ausgetreten sind, ergäbe sich ergo eine bescheidene Steuersenkung», schreibt der Oberaargauer Grossrat. Er fordert in seiner Motion einen Bericht der Regierung.

«Wäre komplette Trennung Kirche-Staat»

Die Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn, die Römisch- Katholische Landeskirche des Kantons Bern, die Christkatholische Landeskirche Bern und die Interessengemeinschaft der Jüdischen Gemeinden im Kanton Bern Bern sehen diesen Systemwechsel als weniger einfach an als Wüthrich.

«Eine Umsetzung der Motion hätte die komplette Trennung von Kirche und Staat zur Folge», finden sie. Finanzpolitisch abenteuerlich wäre der Systemwechsel, weil die Pfarrerlöhne nicht isoliert als Kostenfaktoren betrachtet werden könnten, sondern eben mit der 1804 erfolgten Verstaatlichung der Kirchengüter zu tun habe.

Wenn es zu einem solchen Systemwechsel käme, müsste der Staat folglich die Kirchen für die seinerzeitige Übernahme der Güter entschädigen und das Vermögen auch verzinsen. Dabei ginge es um einen Milliardenbetrag. «Der Kanton Bern fährt deshalb finanziell viel besser, wenn er weiterhin für die Pfarrlöhne aufkommt.»

Aus der Sicht der Kirchen wäre der Systemwechsel zudem auch «rechtlich kaum zu bewältigen». Sie appellieren an Kantonsregierung und Grossen Rat, die Motion abzulehnen.

Neuhaus: «für Unfrieden gesorgt»

Der bernische Justiz-, Gemeinden- und Kirchendirektor Christoph Neuhaus sagte am Freitag auf Anfrage, wie hoch der Wert der Kirchengüter tatsächlich sei, sei schwierig zu sagen. Es fehle nämlich ein «sauberes Inventar». Es gehe aber sicher um einen Milliardenbetrag.

Neuhaus bestätigt auch Angaben von Wüthrich, der schreibt, ein Systemwechsel würde den Kantonshaushalt um 72 Millionen Franken pro Jahr entlasten.

Die Kantonsregierung hat den Vorstoss Wüthrichs noch nicht beantwortet. Wie die Antwort ausfalle, könne er noch nicht sagen, sagt Neuhaus. Er stelle aber fest, dass die Motion für Unfrieden im Kanton geführt habe.

SDA/asu

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