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Pionierin der Medizingeschichte

Esther Fischer-Homberger baute an der Universität Bern das Institut für Medizingeschichte auf. Vor wenigen Tagen ist sie im Alter von 78 Jahren gestorben. Ein Nachruf.

Esther Fischer-Homberger war eine Wissenschaftlerin mit Ecken und Kanten. Sie baute an der Universität Bern das Institut für Medizingeschichte auf. Am 21. März ist sie im Alter von 78 Jahren in Bern gestorben. Hubert Steinke, Professor für Medizingeschichte an der Universität Bern, hat den nachstehenden Nachruf über sie geschrieben, den wir gekürzt wiedergeben:

«Esther Fischer-Homberger wurde im Jahr 1940 geboren, studierte in Zürich Medizin und wurde 1978 als Professorin für Medizingeschichte nach Bern berufen. Sie baute ein kleines Institut auf, forschte erfolgreich nicht nur zum Frauenkörper, sondern auch zur Gerichtsmedizin und Psychiatriegeschichte.

1979 veröffentlichte sie das Buch «Krankheit Frau». Darin untersuchte sie den männlichen Blick auf den weiblichen Körper. Sie legte dar, wie Hypochondrie, Hysterie und Menstruation als Krankheiten konstruiert wurden, die dem weiblichen Körper eingeschrieben sind.

Ausstieg aus der Universität

Im Jahr 1984 trat sie von ihrem Amt zurück. Sie begründete dies mit mangelndem Raum für schöpferische Arbeit, Verzettelung und «Ausstech- und Turniermethoden zur Entscheidung fachlicher Fragen».

Die von Kollegen geäusserte Kritik der Verantwortungslosigkeit und Unberechenbarkeit von Frauen konterte sie mit der Bemerkung, es wäre erfrischend, wenn mehr Professoren, die ihren Elan und Erfindungsgeist verloren haben, zurücktreten würden. Danach kehrte sie zu ihrer «alten Liebe», der Psychiatrie zurück, und war bis zuletzt auch medizinhistorisch tätig.

Unkonventionelle Grossrätin

Frischen Wind versuchte sie als Grossrätin der Freien Liste (1984-1990) auch in die politische Diskussion zu bringen: sie schlug tägliches Lüften, bunte Kostüme für die Fraktionen oder Lügenverbote vor – und natürlich viele ernstere Programme.

Sie war mit dem Schauspieler Kaspar Fischer verheiratet und lebte seit 1984 mit der Autorin Marie-Luise Könneker.»

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