Politiker fordern mehr Zwischennutzungen

Köniz

In Berns grösstem Vorort sollen Zwischennutzungen künftig im Baureglement verankert und somit stärker gefördert werden. Das verlangen Könizer Parlamentarier.

Die ehemaligen Losinger-Bürogebäude in Köniz werden bereits zwischengenutzt.

Die ehemaligen Losinger-Bürogebäude in Köniz werden bereits zwischengenutzt.

(Bild: Urs Baumann)

Christoph Albrecht

Ob als Wohngemeinschaft, Atelier, Büro oder Bandraum: Räumlichkeiten zeitlich begrenzt zu mieten, liegt im Trend. Wo früher leerstehende Flächen teilweise über Jahre hinweg verwaist blieben, werden diese insbesondere in urbanen Gebieten vermehrt zu vergünstigten Mietpreisen untervermietet – als Zwischennutzung innerhalb eines befristeten Zeitraums.

In Köniz hielten sich entsprechende Projekte bisher in Grenzen. Geht es nach verschiedenen Könizer Parlamenariern, soll sich das aber ändern. In einer parteiübergreifenden Motion fordern die Lokalpolitiker, dass Zwischennutzungen künftig im Baureglement verankert und damit gefördert werden. Die neue Regelung soll es ermöglichen, die geltenden Bauvorschriften temporär zu lockern und vorübergehend auch nicht zonenkonforme Nutzungen zuzulassen. Dies, um Leerstand und brachliegende Flächen in Zukunft möglichst zu verhindern.

Angst vor Bordellen

«Zwischennutzungen erlauben eine effiziente Flächennutzung», argumentieren die Politiker in ihrem Vorstoss. Sie entsprächen den Zielen der Ortsplanungsrevision und der Siedlungsentwicklung nach innen. Und: «Wird der Gebäudebestand effizient genutzt, kann die Nachfrage nach Neubauten auf der grünen Wiese gesenkt werden.» Die Mehrheit des Könizer Parlaments steht hinter dem Anliegen, 26 der total 40 Mitglieder haben die Motion unterzeichnet.

Keinen Handlungsbedarf sieht hingegen der Gemeinderat. «Zwischennutzungen sind in der Gemeinde Köniz grundsätzlich bereits heute möglich», schreibt er in seiner Antwort auf den Vorstoss. Sie werden allerdings nur bewilligt, wenn sie auch zonenkonform sind. Eine Lockerung der Vorschriften würde seiner Ansicht nach zwar «eine teilweise wünschenswerte Flexibilität» bringen. Dennoch schätze er den «Problemdruck innerhalb der Gemeinde Köniz nicht gleich ein wie die Motionäre».

Ein weiteres Argument, das gemäss Gemeinderat gegen den Zusatz im Baureglement spricht: «Ein solcher Artikel öffnet auch die Möglichkeiten für unerwünschte Zwischennutzungen.»

Der Gemeinderat nennt in diesem Zusammenhang etwa Erotikbetriebe oder Sterbehilfeeinrichtungen, die unter Umständen in der Wohnzone eingerichtet werden könnten.

Ein grösseres Zwischennutzungsprojekt läuft in Köniz derzeit an der Sägestrasse 76 und 78. Die beiden ehemaligen Losinger-Bürogebäude standen über zwei Jahre leer, bis die Versicherungsgesellschaft Axa als Liegenschaftsbesitzerin die Räume im Herbst als Zwischennutzung anbot. Seither sind dort Dutzende Künstler, Musiker, Fitnesssportler oder Startups eingemietet. «Rund 50 Prozent der Fläche sind derzeit belegt», sagt Lukas Amacher von der Firma Projekt Interim, die auf die Vermittlung von Zwischennutzungen spezialisiert ist und von der Axa beauftragt wurde.

«Auslastung steigt»

Diese Auslastung sei im Vergleich zu Projekten in Stadtzentren zwar etwas geringer, dennoch sei die Nachfrage beachtlich. «Das Raumangebot ist mit einer Gesamtfläche von 5000 Quadratmetern sehr gross», so Amacher. Ausserdem habe die Zwischennutzung erst im Herbst begonnen und dauere noch bis mindestens im April 2020. Für Amacher steht ausser Frage, dass Zwischennutzungen noch besser gefördert werden können, wo solche gesetzlich verankert sind. «Sobald Mischnutzungen möglich sind, steigt automatisch auch die Auslastung.»

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt