Zum Hauptinhalt springen

Polizei holt Flüchtlingsmädchen ab

An fünf Tagen ist in der letzten Woche in Bern und Umgebung das Material für den Kurzspielfilm «Yara» eingespielt worden. Das Flüchtlingsdrama ist der Erstling des Berner Regisseurs Sean Wirz.

Probe vor den kritischen Blicken der Filmcrew: Der Polizist bedrängt Isafs Mutter, die sich gegen Yaras Festnahme wehren wollte.
Probe vor den kritischen Blicken der Filmcrew: Der Polizist bedrängt Isafs Mutter, die sich gegen Yaras Festnahme wehren wollte.
Enrique Muñoz García

Das Werk mit dem Arbeitstitel «Yara» erzählt die Geschichte eines Mädchens, das mit seiner Mutter aus Syrien geflüchtet ist. Die beiden leben illegal in der Schweiz, werden aber vom 12-jährigen Isaf in ihrem Versteck entdeckt. Isaf ist Kurde. Der Bub lebt mit seinen Eltern seit längerem in der Schweiz, und die Mutter beauftragt Isaf, sich um Yara zu kümmern.

Das tut er auch nach anfänglichem Zögern, obwohl er Kurdisch und das Mädchen Arabisch spricht. Die Geschichte, basierend auf dem Kinderbuch «Soheila oder ein Himmel aus Glas» von Hansjörg Betschart, nimmt aber insofern kein gutes Ende, als Yara und ihre Mutter entdeckt und von der Polizei abgeholt werden.

Das war auch die Szene, die am Sonntag in einem Treppenhaus eines Wohnblocks an der Eigerstrasse in Bern gedreht wurde: Polizisten holen die beiden syrischen Flüchtlinge ab, Isafs Mutter versucht, das zu verhindern, was nicht gelingt. Isaf rennt dem Mädchen nach und gibt ihm ein Spielzeug. Wie die Geschichte ­endet, wollen die Filmemacher nicht verraten, sie versichern aber, das Drehbuch sei frei von Klischees – Yara und ihre Mutter seien nicht etwa von einem bösen SVPler verraten worden.

Syrien-Konflikt statt Irakkrieg

«Das Buch Betscharts hat mich sehr berührt», sagt Regisseur und Drehbuchautor Sean Wirz, «es ist eine Migrationsgeschichte.» Das mit Krieg verbundene Leid bleibe auch an den Kindern hängen, als Schwächste würden sie am meisten leiden.

Während das Kinderbuch vom Giftgasangriff Saddam Husseins auf irakische Kurden im Jahr 1988 handelt, hat es Wirz auf den Syrien-Konflikt umgeschrieben. Das Buch habe keine politische, sondern eine humanistische Aussage, sagt er: «Eine Person kann die Welt zwar nicht verändern, aber dazu beitragen, dass es dem Nächsten besser geht.»

Wo soll «Yara» sein Publikum finden? «Am liebsten am Filmfestival Locarno», erklärt Produzentin Corinne Steiner, «dann aber auch an den Solothurner Filmtagen und an Kurzfilmfestivals.» Der Film wird zudem auf DVD erhältlich sein, und Steiner hofft, dass man beim Fernsehen einen Platz für «Yara» finden werde, auch wenn Kurzfilme vor allem dem Filmnachwuchs als Plattform dienen und nur selten kommerziell ausgewertet würden.

Für Regisseur Wirz ist es ein Anliegen, mit diesem Film auf sich aufmerksam zu machen, um weitere Filme drehen zu können. «Filme sind meine Lebenseinstellung», sagt der 29-Jährige, «für mich gibt es nichts anderes.»

Knappes Budget

Bis ein solcher Film gedreht werden kann, ist es ein weiter Weg. Wirz beschäftigt sich seit zweieinhalb Jahren mit dem Projekt, es ist seine «erste Produktion mit Profistrukturen». Grösstes Problem war – natürlich – die Geldbeschaffung.

Zum Budget von 190'000 Franken haben unter anderen das Bundesamt für Kultur, die Berner Filmförderung, die Burgergemeinde Bern, die Gemeinde Bolligen, die auch Drehort war, und Privatpersonen beigetragen.

Kein Geld gab es hingegen vom Schweizer Fernsehen. Es werde ganz knapp kalkuliert, sagt Wirz, der Film könne in den insgesamt fünf Drehtagen nur «dank enormem Herzbluteinsatz von allen» realisiert werden.

Regisseur Sean Wirz: Filme sind seine Lebenseinstellung. Bild: Enrique Muñoz García
Regisseur Sean Wirz: Filme sind seine Lebenseinstellung. Bild: Enrique Muñoz García

Dass auch die Produktion eines Kurzfilms aufwendig ist, wurde am Sonntag am Drehort im Haus an der Eigerstrasse klar. Rund dreissig Personen sind dort versammelt, Kameramann, Toningenieur, Beleuchter, Stunt-Koordinator, Setaufnahmeleiterin, viele andere mehr – und natürlich auch die Schauspieler. Das Flüchtlingsmädchen Yara wird von der 11-jährigen Mariana Dos Santos Mayer gespielt.

«Mir gefällt die Rolle», sagt sie, das Schwierigste seien die «vielen Wiederholungen» und die «Angstimitation» gewesen. Besonders angestrengt hat sie auch das viele Warten. Mariana – ein Fan von Emma Watson und Johnny Depp – hofft, dass dieser Film für sie «ein Anfang» war und sie in Zukunft weitere Rollen spielen kann.

Während Mariana für ihre Rolle etwas Arabisch lernen musste, hat der 11-jährige Roni Tufan, der den Buben Isaf spielt, «das Kurdische im Ohr», weil seine Mutter Roza I??k, die auch seine Filmmutter spielt, kurdische Wurzeln hat.

«Seit August habe ich jede Woche zwei bis drei Stunden für meine Rolle geprobt», sagt Roni. Er findet es schwierig, «Emotionen zu zeigen», und ist von der Schauspielerei nicht völlig überzeugt: «Auf die Dauer wäre es mir zu hart.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch