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Privatspital Beau-Site ist gnadenlos mit seinen Herzchirurgen

Die Leitung des Berner Privatspitals Beau-Site hat allen drei Herzchirurgen der spitalinternen Herzklinik vorsorglich gekündigt. Die Spitalleitung möchte den Lead der Herzklinik dem Starchirurgen Thierry Carrel übertragen.

Thierry Carrel: Wegen seiner Anstellung müssen drei Herzchirurgen die Koffer packen.
Thierry Carrel: Wegen seiner Anstellung müssen drei Herzchirurgen die Koffer packen.
Beat Mathys

Alle drei Herzchirurgen der Herzklinik im Berner Privatspital Beau-Site haben per Mitte nächsten Jahres die Kündigung erhalten. Das zeigen Recherchen dieser Zeitung. Alle drei hatten Verträge als Belegärzte. Sie führen in der Herzklinik im Beau-Site jährlich 400 Operationen am offenen Herzen durch. Die Spitalleitung hat die Kündigungen bereits im Juni verschickt.

Eine Begründung für ihre Kündigung ­haben die drei Ärzte nicht bekommen. Das ist aus deren unmittelbaren Entourage zu erfahren. Die Spitalleitung versprach ihnen zwar, dass man ihnen neue Verträge anbieten werde. Das ist bis heute aber nicht geschehen. Die drei betroffenen Herzspezialisten wollen sich zu den Kündigungen nicht äussern. Und die Spitalsprecherin Stefanie de Borba hält bloss fest, man bitte um Verständnis, dass man in der Öffentlichkeit keine Stellung zu vertragsrechtlichen Fragen im Zusammenhang mit Belegärzten nehmen könne. Die betroffenen Ärzte sind konsterniert, sie haben keine Ahnung, ob es für sie im Beau-Site eine Zukunft gibt.

Von Starchirurgen bedroht

Es bestehen kaum Zweifel, dass die drei Kündigungen mit der bereits im Mai bekannt gewordenen Strategie des Beau-Site zusammenhängen. Die «NZZ am Sonntag» hatte bekannt gemacht, dass das zur Hirslanden-Gruppe gehörende Privatspital eine Kooperation mit dem Inselspital ein­gehen will. Der Plan: Der im Inselspital arbeitende Starchirurg Thierry Carrel und dessen Team sollen neben dem Herzzentrum im Inselspital auch die Führung der Herzklinik im Beau-Site übernehmen. Der Hintergrund: Bern und Zürich liefern sich in der Spitzenmedizin einen erbitterten Konkurrenzkampf. Indem der Einflussbereich des gefeierten Chirurgen Carrel in Bern ausgedehnt wird, soll der Standort Bern gegenüber Zürich gestärkt werden. Dabei ist man offenbar bereit, grosse Opfer zu bringen.

Vorsorglich gekündigt?

Als die Pläne des Beau-Site bekannt wurden, haben Herzchirurgen und Kardiologen des Spitals protestiert (wir berichteten). Die Ärzte befürchteten, dass ihnen Carrel vor die Nase gesetzt werde oder dass er nur noch seine eigenen Leute im Beau-Site operieren lasse. Es liegt nun nahe, dass das Beau-Site-Verantwortlichen ihren drei Herzspezialisten vorsorglich gekündigt haben – für den Fall, dass Carrel tatsächlich den Lead übernimmt.

Die betroffenen Chirurgen sind konsterniert.

Offenbar ist aber bis heute nicht klar, ob Carrel im Beau-Site überhaupt eine Position übernimmt und wie seine Rolle dann genau aussehen würde. Zur geplanten Kooperation seien «noch keine definitiven Entscheide ­gefällt worden», sagt Beau-Site-Sprecherin de Borba. Entsprechend gebe es zum aktuellen Zeitpunkt keine Neuigkeiten zu berichten.

Spitäler können Operationen am offenen Herzen nur durchführen, wenn sie einen entsprechenden Leistungsauftrag von der zuständigen Behörde haben. Im Kanton Bern haben nur zwei Spitäler einen solchen Auftrag: das Inselspital und das Beau-Site. Wenn die drei Herzspezialisten in Zukunft nicht mehr im Beau-Site operieren dürfen, müssen sie sich wohl in einem anderen ­Kanton um einen Platz in einem ­Operationssaal bemühen. Im Inselspital werden sie nach den Vorfällen kaum unterkommen.

Umgekehrt geht aber auch das Beau-Site ein Risiko ein: Die Leistungsaufträge müssen regelmässig erneuert werden. Wenn das Spital auf den nächsten Termin hin die personelle Situation nicht geregelt hat, kann es seinen Leistungsauftrag verlieren. Die geplante Stärkung des Standortes Bern wäre dann gescheitert.

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