Israels Botschafter, ein echter ESC-Fan

Das israelische Botschafterpaar Jacob und Osnat Keidar sahen sich das Finale des ESC in Tel Aviv mit Freunden in ihrer Residenz in Muri an.

In Partylaune: Osnat und Jacob Keidar, Botschafterpaar.

In Partylaune: Osnat und Jacob Keidar, Botschafterpaar.

(Bild: zvg)

Stephan Künzi

Dreimal wird es unvermittelt still an diesem Eurovision-Abend im Salon der israelischen Botschaftsresidenz in Muri. Das erste Mal, klar, als der Israeli Kobi Marimi auf der Bühne in Tel Aviv zum Mikrofon greift, später auch beim Aserbeidschaner Chingiz Mustafayev und schliesslich bei Luca Hänni, dem Vertreter aus der Schweiz. Seine Sing- und Tanzperformance lässt die lockere Gesprächsrunde abrupt verstummen, und als der 24-Jährige seinen Auftritt erfolgreich hinter sich gebracht hat, entlädt sich die Anspannung, die sich kurz aufgebaut hat, in einem spontanen Applaus.

Jacob und Osnat Keidar strahlen. Zur Feier des Tages haben der israelische Botschafter und seine Frau zur Party mit Liveübertragung in ihre Privaträume geladen. Immerhin kann ihr Land nach zwanzig Jahren wieder einmal den Eurovision Song Contest (ESC) austragen.

Rund vierzig Leute sind zum Teil aus Zürich oder sogar aus Genf angereist, es sind gute Bekannte aus der Schweiz und aus Israel, Angestellte der israelischen Botschaft oder auch befreundete Diplomaten aus anderen Ländern. Wie Aserbeidschans Botschafterin Hanum Ibrahimova und ihr belgischer Kollege Willy De Buck – nicht ohne Grund bittet Jacob Keidar vor dem aserbeidschanischen Beitrag ausdrücklich um Ruhe, drückt später auch sein Bedauern darüber aus, dass Belgien dieses Jahr den Sprung ins Finale nicht geschafft hat.

Sich selber outet Jacob Keidar als veritablen ESC-Fan. Mehr als einmal weist er darauf hin, dass er mit Jahrgang 1956 genauso alt sei wie der Anlass, erwähnt weiter mit hörbarem Stolz auf das Land, in dem er heute lebt und arbeitet, dass mit Lys Assia seinerzeit eine Schweizerin die erste Austragung gewonnen habe.

Überhaupt glänzt er mit vielen Details aus der Geschichte des Gesangswettbewerbs, und an diesem Wissen lässt er seine Gäste teilhaben: Als auf der Bühne in Tel Aviv die 26 Acts vorbei sind und alle gespannt auf die Wertung warten, lässt er die Liveübertragung kurz für ein ESC-Quiz unterbrechen. 18 Fragen sind zu beantworten, der Sieger nimmt eine Flasche israelischen Wein mit nach Hause.

Zu wenig betriebsam

Was er vom diesjährigen ESC halte? Luca Hännis Darbietung habe ihm sehr gefallen, zieht Jacob Keidar am Ende der Show Bilanz. Neben jener aus Dänemark sowie natürlich auch jener aus Israel – wobei seine Frau gleich relativiert: Kobi Marimi habe zweifellos eine gute Stimme, und auch der Song an sich sei schön, so Osnat Keidar. Für einen Wettbewerb wie diesen bringe der israelische Beitrag aber zu wenig Betrieb auf die Bühne.

Dass dafür am Ende nur der 23. Platz herausschaut, wundert weder sie noch ihn wirklich. Wenigstens sei ihnen der letzte Platz erspart geblieben, witzeln die beiden. Und trösten sich damit, dass sich Israel als Gastgeber vor der Welt so gut in Szene setzen konnte. Allein der vielen schönen Bilder wegen, die immer wieder eingespielt wurden: Sie machen neugierig, Land und Leute kennen zu lernen.

Berner Zeitung

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