Psychiatrie Münsingen schliesst Heim für geistig Behinderte

Münsingen

Das «Wohnheim im Park» des Psychiatriezentrums Münsingen wird per Februar 2020 geschlossen. Das ambulante Angebot für geistig Behinderte soll ausgebaut werden.

Dass geistig Behinderte in Psychiatrischen Kliniken wohnen, wird schon seit den 1990er-Jahren in Frage gestellt. Die Zeiten hätten sich geändert, sagte PZM-Verwaltungsratspräsident Straubhaar.

Dass geistig Behinderte in Psychiatrischen Kliniken wohnen, wird schon seit den 1990er-Jahren in Frage gestellt. Die Zeiten hätten sich geändert, sagte PZM-Verwaltungsratspräsident Straubhaar.

(Bild: Urs Baumann)

Johannes Reichen

Das Psychiatriezentrum Münsingen (PZM), sagt Direktor Rolf Ineichen, habe immer ein Herz für Menschen mit einer geistigen Behinderung gezeigt. Deshalb falle dieser Schritt umso schwerer: Das Wohnheim für geistig Behinderte im PZM mit 48 Plätzen wird in einem Jahr geschlossen. Derzeit sind 42 Plätze belegt.

Beim Wohnheim im PZM handle es sich um ein Überbleibsel, das einzigartig sei in der Schweiz. Denn seit den 90er-Jahren würden solche Heime ausserhalb Psychiatrischer Kliniken geführt. «Wir haben einen 24-Stunden-Notfalldienst, und deshalb leben bei uns die schwierigsten Patienten», sagt Ineichen. In vielen Fällen seien die Angehörigen umso dankbarer gewesen, einen Platz zu finden.

Neues Vergütungssystem

Doch nun geht diese Tradition zu Ende. «In unseren alten Gemäuern können wir die Vorgaben der kantonalen Heimverordnung nicht mehr erfüllen», sagt Ineichen. Beispielsweise müssten die Quadratmeterzahlen pro Bewohner gegenüber heute verdoppelt werden. «Wir müssten Investitionen in Höhe von mehreren Millionen Franken tätigen, und die könnten wir nicht refinanzieren.»

Eine weitere Schwierigkeit ist die geplante Vergütungsänderung. In Zukunft soll bekanntlich der Pensionär und nicht mehr die betreuende Institution finanziert werden. Die PZM-Führung geht davon aus, dass die Nachfrage für Heime wie jenes in Münsingen dadurch zurückgehen wird.

Angehörige dürften eher ein geeignetes Wohnheim in ihrer Nähe aussuchen - oder aber die Menschen daheim betreuen und mit dem zur Verfügung stehenden Geld eine Hilfskraft finanzieren.

Anstelle des bisherigen Wohnheims wird das PZM ab März 2020 dafür ein Intensivwohnheim für Menschen mit geistiger Behinderung betreiben. Es richtet sich an Personen, die nicht mehr spitalbedürftig sind, aber noch nicht fähig sind, in einem Wohnheim zu leben. Der Aufenthalt in der Intensivwohngruppe dauert höchstens ein Jahr.

Plätze gesucht

Nun müssen für die Bewohner neue Plätze gesucht werden. Für die erste Gruppe komme der Wechsel in eine andere Organisation ohnehin richtig. Die zweite Gruppe geht aufs AHV-Alter zu. «Für sie müssen wir einen Pflegeplatz organisieren.» Bei der Gruppe handle es sich um Bewohner, die oft von weit her kommen, weshalb das PZM aus Sicht der Angehörigen kein idealer Ort ist. «Für sie schauen wir für geeignete Plätze in ihrer Nähe.» Ein Teil dieser Bewohner werde aber auch im neuen Intensivwohnheim Platz geben.

Von der Schliessung sind auch 45 Angestellte betroffen. Ein Teil davon wird künftig im Intensivwohnheim arbeiten, ein Teil in die Klinik wechseln. «Wir können aber nicht alle weiter beschäftigen», sagt Ineichen. Die Mitarbeitenden würden bei der Stellensuche unterstützt.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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