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Das neue Berner Gesicht bei «1 gegen 100»

Seit einem Monat moderiert Angélique Beldner neben der «Tagesschau» auch die Quizsendung «1 gegen 100». Die Bernerin über das neue Interesse an ihrer Person, ihren ersten Job und die Liebe zu Bern.

Sibylle Hartmann
Zurück am Ort ihrer ersten Festanstellung: Angélique Beldner posiert im Berner Bierhübeli. Foto: Raphael Moser
Zurück am Ort ihrer ersten Festanstellung: Angélique Beldner posiert im Berner Bierhübeli. Foto: Raphael Moser

Der Parkettboden glänzt. Die rostroten Säulen und die hell­gelben stuckverzierten Wände wirken frisch renoviert. Die leere Bühne ist blitzblank. Den Konzertsaal des Bierhübeli erkennt man bei Tag kaum wieder. Für Angélique Beldner ist er jedoch kein ungewohnter Anblick. «Ich habe mal hier gearbeitet», sagt sie. Darum wählte sie das Berner Konzertlokal als Location für das Treffen. Nur: «Damals war nicht alles so schön instandgesetzt.»

Damals, das war Ende der 90er-Jahre, als die heutige «1 gegen 100»-Moderatorin als Assistentin vom damaligen Ver­anstalter Roland Wüthrich tätig war. «Ich habe zu dieser Zeit in der Länggasse gewohnt und mich schon damals sehr für Musik interessiert, das war ein Traumjob», erzählt sie über ihre erste Festanstellung. Die Bands auswählen konnte sie zwar nicht, doch als ausgebildete Typo­grafin kümmerte sie sich um die Werbung, um Hotelbuchungen für die Bands und auch um Musikgrössen wie Maceo Parker, Ike Turner oder Van Morrison vor Ort.

Erste Medienkontakte geknüpft

«Ohne diesen Job wäre ich heute nicht da, wo ich bin. Während der Bierhübeli-Zeit knüpfte ich meine ersten Medienkontakte.» Jetzt ist sie beim Schweizer Fernsehen, wo sie seit 2015 die Mittags- und Vorabendausgabe der «Tagesschau» moderiert und Anfang Jahr die wöchentliche Quizsendung «1 gegen 100» übernommen hat. Die Nachfolgerin von Susanne Kunz ist die erste Newsjournalistin, die bei SRF parallel eine regelmässige Unterhaltungssendung moderiert. «Ich wäre selber gar nicht auf die Idee gekommen, weil ich mich in meinem ‹Newsgärtchen› ganz wohl gefühlt habe.»

Dementsprechend gross seien auch ihre Bedenken gewesen. Würden sie die Zuschauer in der Rolle als Quizmoderatorin akzeptieren? Wäre bei einem potenziellen Scheitern auch ihre Rolle als Newsfrau in Gefahr?

Anfänge beim RadioFörderband

Der Mut der 44-Jährigen scheint sich gelohnt zu haben. Mit grosser Souveränität, ohne einen einzigen Versprecher und mit einer ansteckenden Freude führt sie durch die Quizsendung – und nimmt mit ihrer festen Stimme im breitesten Berndeutsch auch die Zuschauer zu Hause vor dem Fernseher für sich ein.

Und ihre persönliche Bilanz nach einem Promi-Special und vier regulären Sendungen, die bislang ausgestrahlt wurden? Sie sei sehr nervös gewesen und habe sich extrem auf die fixen Abläufe der Show, die sie halt noch nicht intus habe, konzentrieren müssen. «Aber es hat mir von Anfang an Freude gemacht», erzählt sie. Eigentlich verbinde der neue Job alles, was sie bisher in ihrer beruflichen Laufbahn gemacht habe: Faktenvermittlung, Moderation und Auftreten vor Livepublikum. Letzteres kennt sie von der Schauspielschule her.

«Ich wäre selber gar nicht auf die Idee gekommen zu wechseln, weil ich mich in meine ‹Newsgärtchen› ganz wohl gefühlt habe.»

Diese war die nächste Station nach ihrer Anstellung als Booking-Assistentin. «Die Schauspielerei war das, was ich immer hatte machen wollen», erklärt sie. Zufällig kam die Bernerin gleichzeitig auch zum Journalismus. Auf einer Reise vor Antritt der European Film and Actor School in Zürich traf sie in einem amerikanischen Nationalpark zufälligerweise auf Thomas Eberhard, den damaligen Moderationsleiter vom Berner Lokalradio Förderband. Und erwähnte nebenbei, dass sie auf der Suche nach einem Nebenjob sei.

«Obwohl ich mir eigentlich nicht vorstellen konnte zu moderieren, fing ich wenige Tage nach der Rückkehr von meiner Weltreise dort an.» Und blieb hängen. «Das Radio packte mich einfach viel mehr als die Schauspielerei. Dort merkte ich schnell, dass das ständige Sich-selber-Verkaufen und Von-Apéro-zu-Apéro-Rennen nichts für mich ist», sagt sie.

Medieninteressean ihrer Person

Heute ist das Gegenteil der Fall. Mit ihrer neuen Rolle als Moderatorin von «1 gegen 100» sind es plötzlich die Medien, die sich für sie als Person interessieren. «Daran muss ich mich noch gewöhnen. Bei der ‹Tagesschau› ging es stets um eine Sache, über die ich Auskunft gab, jetzt muss ich mehr von mir preisgeben», sagt sie. Aber das gehöre zu einer solchen Sendung dazu. Die Leute wollen sich mit der Moderatorin ein Stück weit identifizieren können. Und die Leute sind es denn auch, die für sie ihren neuen Job ausmachen.

«Bei der ersten Sendung, dem Jahresrückblick, hatte ich mit den Promis nur medienge­wandte Leute, das war nicht viel anders als in der ‹Tagesschau›.» Aber die regulären Kandidaten und die Menschen im Publikum faszinieren sie viel mehr. Höchstens fünf Minuten könne sie mit den Kandidaten vor deren Auftritt sprechen. «Ich habe keine Ahnung, was mich erwartet, aber das ist das Spannende.» Auch als Newsreporterin hätten sie stets die Alltagsgeschichten am meisten interessiert. «Heute finden diese halt beim Quizspielen statt.»

Vier Stunden Pendeln

Die News hat Beldner für ihren neuen Job jedoch nicht ganz verlassen müssen. Insgesamt 60 Prozent ist sie bei SRF für die Quizsendung und die «Tagesschau» tätig. Dazu ge­hören täglich vier Stunden Pendeln. «Das ist sehr zehrend. Hätten wir keine Kinder, wären mein Mann und ich wahrscheinlich längst nach Zürich gezogen.» Ihre beiden Söhne, die bald 9 und 12 Jahre alt sind, seien in Bern verwurzelt.

«Aber manchmal frage ich mich schon, was sie im Erwachsenenalter dazu sagen werden, dass ich oft mehrere Tage am Stück weg war», sagt sie und seufzt. Ihr älterer Sohn habe jedoch letzthin zu ihr gesagt, dass das einfach zu ihr gehöre, etwas anderes würde gar nicht zu ihr passen. «Er merkt, dass mich das glücklich macht», sagt sie.

Genauso viel Leidenschaft wie für ihren Beruf hat Beldner für ihre Heimatstadt. Es sind keineswegs nur ihre Kinder, die in Bern tief verwurzelt sind. Es sei eigentlich nie auch nur eine Diskussion gewesen, nach Zürich zu ziehen, gibt sie zu. Aufgewachsen ist sie in Köniz und Zol­likofen. Ausser einem kurzen Abstecher nach Biel und Basel hat sie immer in der Hauptstadt gewohnt und zelebriert ihre Heimatliebe gern auf ihrem Insta­gram-Account. Mit Bildern einer YB-Cervelat über dem Feuer, vom Marzilibad oder von einem Lo-&-Leduc-Konzert vor ihrer Haustür.

Bedenken wegender sozialen Medien

Auch auf Facebook und Twitter ist sie aktiv, in den sozialen Medien sieht sie jedoch eine grosse Gefahr für die Meinungsbildung. Gerade bei Jugendlichen. Während für sie als Kind Fernsehen noch einen sehr hohen Stellenwert hatte, verschmelze bei ihren Söhnen dieses heute mit allen anderen Kanälen wie Tik Tok oder Youtube. Nicht, dass das Fernsehen an Exklusivität ver­loren habe, macht ihr Sorgen. «Vielmehr beelendet mich die Tatsache, dass sich die Jungen so nicht mehr ihre eigene Meinung bilden können.»

Sie denken zwar, sie hätten Informations­kanäle zur Verfügung, aber ein Video auf Tik Tok sei nun mal keine fundierte Quelle für die Meinungsbildung. «Wir Journalisten müssen herausfinden, wie wir mit unseren News wieder näher zu den Leuten kommen. Oder wie man mehr Infotainment in die News bringen könnte.» Einen ersten Schritt in diese Richtung hat sie mit ihrer neuen Doppelrolle bei SRF bereits gemacht.

«1 gegen 100» jeweils am Montag um 20.05 auf SFR 1

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