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Regula Ramseyer (SVP)

Sie hat die stärkste Partei im Rücken

Regula Ramseyer will Historisches schaffen.
Regula Ramseyer will Historisches schaffen.
Raphael Moser

Regula Ramseyer steht barfuss in ihrem Büro. «Alles andere ist ja nicht auszuhalten», sagt sie und trinkt darauf erst einmal einen Kaffee – schwarz. Die Frau, die sich anschickt, die erste Gemeindepräsidentin Wichtrachs zu werden, arbeitet in einem beschaulichen Quartier: Die Schädeli Treuhand AG operiert von einem umgebauten Münsinger Wohnhaus aus. Es ist kurz nach neun Uhr morgens und die Frau hat recht, wenn sie sagt: «Laaago Maggiore, diese Hitze!»

Ramseyer wurde vor kurzem 50 Jahre alt. «Ein guter Zeitpunkt für eine neue Herausforderung», findet sie. Schliesslich sei sie noch «voll im Saft» – und will deshalb Historisches schaffen. Noch nie hatte eine Frau das oberste politische Amt in Wichtrach inne. Sie ist die erste, die es überhaupt versucht.

«Meine Sprache»

Die SVP ist die stärkste Partei in Wichtrach. Sie stellt heute drei Mitglieder im Gemeinderat, zu ihnen gehört auch Ramseyer. Entsprechend gut stehen ihre Chance, das Rennen am Ende zu machen. Es ist jedenfalls nicht damit zu rechnen, dass die Partei plötzlich einbricht. Zumal sie zusätzlich mit einer gut besetzten Liste in die Gemeinderatswahlen steigt. Die Nachwuchssorgen, die andere Parteien im ländlichen Raum zuweilen plagen, die SVP Wichtrach ist davon nicht betroffen.

Seit acht Jahren leitet Regula Ramseyer nun das Ressort Infrastruktur. Sie ist zuständig für Strassen, Abwasser, Leitungen. Ihr passt das. Sie habe viel mit den Hauswarten zu tun, den Leuten vom Werkhof. «Menschen, die meine Sprache sprechen», ist sie überzeugt.

«Es ist ein guter Zeitpunkt für eine neue Herausforderung. Ich bin schliesslich noch voll im Saft.»

Es ist eine direkte Sprache: Tacheles statt lange Diskussionen. Mit dieser Haltung tritt Ramseyer auch an Gemeindeversammlungen auf. Wenn sie ein Geschäft vorstellt, an dem sie monate-, manchmal jahrelang gearbeitet hat, kann sie auch schon mal heftig mit dem Kopf schüttlen, wenn ihr plötzlich Kritik entgegenschlägt. So sei sie eben, «ein emotionaler Mensch». Damit kommt sie bei den einen im Dorf gut an, bei den anderen weniger. Man könne immer mit ihr reden, sobald sie aber merke, dass da einer nur Stunk machen wolle, spiele sie nicht mit.

Gelernt hat sie das schon früh. Am Esstisch im Elternhaus. Der Vater war Landwirt, Grossrat und jahrelang Gemeindepräsident in Oppligen. Mit ihm habe sie jeden Abend «glaferet».

Andere Pläne

Sie selbst wollte der Landwirtschaft einst den Rücken kehren, machte nach der Schule eine Lehre bei einem Treuhänder. Ramseyer verdient ihr Geld bis heute mit Steuererklärungen und Geschäftsabschlüssen. Seit elf Jahren arbeitet sie nun bei der Schädeli Treuhand. Aber sie lebt noch immer auf einem Hof. «Obschon ich mir geschworen hatte, nie einen Bauern zu heiraten.» Getan hat sie es dann trotzdem. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Kaspar wohnt Ramseyer auf einem Hof in Wichtrach. Sie selbst hilft praktisch täglich aus, im Stall bei den Milchkühen.

Angesprochen auf den bevorstehenden Wahlkampf, gibt sich Regula Ramseyer gelassen. Sie wolle dieses Amt, aber nicht um jeden Preis. «Mein Leben ist gut, wie es ist.» Ändern würde sie denn auch nicht viel, sollte sie gewählt werden. «Die Zusammenarbeit im Rat funktioniert.» Sie spüre viel Solidarität unter den Mitgliedern – «unahbhängig von der Parteizugehörigkeit». Auch der Gemeinderätin mit der direkten Art ist nicht an einer Kontroverse gelegen.

Sie werde sich für niemanden ändern, sagt Ramseyer. Aber sie habe gelernt: «Drischiesse», das bringe nichts. Sie sage, was sie denke, könne sich aber auch zurückhalten. Gerade für die Dinge, die funktionieren. Wandel um des Wandels Willen, das sei nicht ihr Ding. Sie spricht – wie alle Kandidierenden – von den Dingen, die die Gemeindepolitik in Wichtrach ausmachen. Von der Diskussionskultur und der «hervorragenden» Verwaltung – «ohne sie würde die Gemeinde nicht funktionieren».

Die Erste

Und so vergeht dieser tropische Morgen in Regula Ramseyers Büro. Sie will die erste Frau sein, die sich das oberste politische Amt in der Gemeinde Wichtrach sichert. Irgendwann sagt sie: «Wenn ich etwas will, dann bekomme ich es in der Regel auch.» Sie meint das nicht überheblich. Aber sie glaubt es.

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