Reise nach Jerusalem

Am Montag begeben sich Maria und Peter Elstner aus Riggisberg auf eine Pilgerreise nach Jerusalem. Während sieben Monaten wird das Ehepaar zu Fuss eine Strecke von rund 5'000 Kilometern zurücklegen.

Maria und Peter Elstner sind bereit für ihr grosses Abenteuer.

Maria und Peter Elstner sind bereit für ihr grosses Abenteuer.

(Bild: Nicole Philipp)

Ausgestattet mit zwei grossen Rucksäcken, Wanderschuhen und einem Pilgerstab, posieren Maria und Peter Elstner vor ihrer Wohnung für das Foto mit dieser Zeitung. Beim Blick auf die Ausrüstung wird schnell klar: Die beiden gehen nicht nur auf einen kurzen Spaziergang.

Im Gegenteil: Am 2. Juli begibt sich das Ehepaar auf eine Pilgerreise nach Jerusalem. Sechs bis sieben Monate später wollen Elstners nach etwa 5000 Kilometern Fussmarsch in der Heiligen Stadt ankommen. Derzeit laufen die letzten Vorbereitungen auf Hochtouren. «Eine solche Reise erfordert viel Organisation», sagt Peter Elstner. Auch die kleinen Details sind wichtig.

Etwa die Auswahl des richtigen Schals, der sowohl für hohe wie auch tiefe Temperaturen geeignet ist. Wichtig ist auf so einer grossen Reise ausserdem das Geld. Maria Elstner ist Hausfrau und trägt bis zum Start der Reise Werbung aus. «So kann ich noch ein wenig zusätzliches Geld verdienen, um die Pilgerreise zu finanzieren», sagt sie. Peter Elstner arbeitete acht Jahre lang in einer Druckerei in Belp und unterrichtet nebenbei. Den Job als Drucker hat er für das grosse Abenteuer aufgegeben. «Im Februar 2020 kann ich aber im neuen Semester wieder als Lehrer anfangen.»

Reise wird Herausforderung

Das Ehepaar nennt verschiedene Gründe, weshalb es auf die Pilgerreise geht. Peter Elstner wuchs in einer christlichen Familie auf und interessierte sich bereits in jungen Jahren für das Pilgern. Er hat 2016 schon den Jakobsweg absolviert.

Auf dem Rückweg stach ihm ein Wegweiser nach Jerusalem ins Auge, der ihm seither nicht mehr aus dem Kopf geht. «Ich finde diese Art von Reisen schön. Man lenkt während des Pilgerns seine ganze Aufmerksamkeit auf die Natur, verfällt in eine Art Routine», sagt er. Und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: «Ich bin zudem nicht sehr abenteuerlustig. Die Reise wird für mich eine Herausforderung.»

«Man lenktwährend desPilgerns seine ganze Aufmerksamkeit auf die ­Natur.»Peter Elstner

Er konnte dann auch seine Frau für dieses Abenteuer begeistern. «Ich möchte mich weiterentwickeln, und dies geht nur, wenn ich aus dem Alltag ausbreche und aus dem gewohnten Umfeld herauskomme», sagt sie. Und: «Wir beide sind nun 32 Jahre alt, und bevor wir einen weiteren wichtigen Schritt im Leben machen, zum Beispiel Kinder in Betracht ziehen, möchte ich noch diesen Traum verwirklichen.»

Route führt durch elf Länder

Die beiden werden nicht allein unterwegs sein. Maria Elstners Cousin aus Berlin wird mit auf die Reise kommen. Zu dritt werden sie in Riggisberg starten. Die Route führt sie rund 5000 Kilometer durch elf Länder. Unter anderem durch Ungarn, Serbien, Griechenland und Mazedonien (siehe Grafik unten).

(5000-km-Fussmarsch nach Jerusalem. Grafik: mre/ Quelle: jerusalemway.org)

Bei einem so langen Fussmarsch kommt zwangsläufig die Frage auf, ob das körperlich machbar ist. «Während der Pilgerreise passiert das meiste im Kopf. Die ersten zehn Tage sind hart, und man hat grosse Lust, einfach aufzugeben», sagt er. Jedoch sei dann sein Durchhaltevermögen zu gross, und sein Stolz lasse es nicht zu.

Peter Elstner findet, dass eine sportliche Vorbereitung nicht viel bringe. Dieser Meinung ist auch seine Frau: «Ich gehe regelmässig zum Yoga und manchmal zum Joggen», sagt sie. Maria Elstner schliesst aber auch nicht aus, kleinere Distanzen mit dem Bus zu fahren. «Spätestens in Syrien müssen wir so oder so auf ein Transportmittel umsteigen», sagt ihr Mann. Entweder werden die drei das Land umschiffen oder umfliegen.

Das Handy kommt mit

Die grösste Angst des Ehepaares ist, dass unterwegs das Geld ausgehen könnte. «In Bosnien vor einem Bancomaten zu stehen, der kein Geld ausspuckt, das wäre unser grosser Horror», sagt Peter Elstner. Auch seine Frau hat so ihre Bedenken: «Es wäre schlimm für mich, wenn alles Schlechte auf einmal passierte. Zum Beispiel im Regen das Zelt aufbauen und dann hungrig zu Bett gehen.»

Nach langer Diskussion haben sich die beiden entschieden, das Handy mitzunehmen. «Wir möchten aber nicht jeden Tag im Netz sein. Doch ist es praktisch, denn so können wir mit Freunden und der Familie in Kontakt bleiben», sagt Peter Elstner. Über das Mobiltelefon wird auch diese Zeitung weiterhin mit dem Ehepaar Elstner kommunizieren. Während der siebenmonatigen Pilgerreise geben Peter und Maria Elstner immer wieder Updates und informieren über ihre aktuelle Lage.

Weitere Informationen zur Pilgerreise von Maria und Peter Elstner finden Sie unter: mywaytojerusalem.wordpress.com.

Berner Zeitung

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