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Reitschule: Kulturveranstalter kritisieren die Stadt Bern

Dass der Berner Gemeinderat der Reitschule den Geldhahn zugedreht hat, finden Kulturschaffende eine übertriebene Reaktion. In einem offenen Brief fordern sie, dass die Stadt die Sistierung der Gelder aufhebt.

Anfang März 2016 kam es im Umfeld der Reitschule zu einer regelrechten Strassenschlacht. Elf Polizisten wurden verletzt, einer von ihnen erlitt einen lebenslangen Gehörschaden.
Anfang März 2016 kam es im Umfeld der Reitschule zu einer regelrechten Strassenschlacht. Elf Polizisten wurden verletzt, einer von ihnen erlitt einen lebenslangen Gehörschaden.
Keystone
Nachdem Vermummte in der Nacht auf Sonntag eine Strassenbarrikade errichtet und angezündet hatten...
Nachdem Vermummte in der Nacht auf Sonntag eine Strassenbarrikade errichtet und angezündet hatten...
Keystone
Die Polizei spricht von geplanten Attacken.
Die Polizei spricht von geplanten Attacken.
zvg Indymedia
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Der Dachverband Schweizer Musikclubs (Petzi) sowie weitere Kulturhäuser und Kulturinteressierte haben die Stadt Bern in einem offenen Brief aufgefordert, die Sistierung der finanziellen Mittel für die Reitschule per sofort aufzuheben. Der Freiraum als solcher müsse erhalten und respektiert werden.

Die aktuelle Debatte über die Berner Reitschule zeichne ein verzerrtes Bild dieses Kulturzentrums, heisst es in dem am Samstag veröffentlichten Brief. Es falle kein Wort zu den Konzerten und Shows, die Woche für Woche im Dachstock oder im Rössli über die Bühne gingen.

Seit ihrer Besetzung 1987 habe sich die Reitschule einen Ruf als kultureller Hotspot in der Deutschschweiz und als gesellschaftlicher Freiraum aufgebaut. Ihre Strahlkraft beeinflusse die Schweizer Kulturszene. Die Art und Weise der aktuellen Berichterstattung gefährde diesen wichtigen Stadtberner Kulturbetrieb.

Vergangene Aktionen in Bern wie beispielsweise «Tanz dich frei» zeigten einen tiefen Graben zwischen den Bedürfnissen der Strasse und den Ansprüchen der Politik. Diese Ursache gelte es anzugehen und nicht Symptome zu bekämpfen.

Bern würde wieder brennen

Eine Schliessung der Reitschule würde den schon tiefen Graben um ein Vielfaches vergrössern. Die Sistierung der Mittel würde die Reitschule zu einem besetzten Haus und den Vorplatz zur Sperrzone für Ordnungshüter machen: Bern würde wieder brennen. «Wer will das?»

Es gehe nun darum, gemeinsam dafür einzustehen, dass dieser historische Freiraum ein Freiraum bleibe. Dazu gehöre, sich deutlich vom gewaltbereiten Teil der Szene abzugrenzen: Protest sei eine gute Sache, aber der Zweck heilige nie alle Mittel.

Wenn Freiräume verschwänden, so gelte es, auf die Strasse zurückzukehren und neue Freiräume zu erobern. Solange aber Freiräume wie die Reitschule bestünden, gelte es, diese zu erhalten. Dies gelte für die Reitschüler, den Strassenmob, die Polizei und die Politik.

Am Donnerstag hatte der Gemeinderat auf die Krawallnacht vom 5. März reagiert, bei der 11 Polizisten verletzt wurden. Die Stadtregierung sprach Sanktionen gegen die Reitschule aus. Zum einen wird die Zahlung der städtischen Nebenkostenbeiträge in der Höhe von rund 60 000 Franken ausgesetzt. Zum anderen schuldet die Reitschule der Stadt rückwirkend seit Januar den Mietzins.

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