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Reitschule und Polizei decken sich mit Vorwürfen ein

Der Täter, der am 4. Dezember auf der Schützenmatte einen Mann schwer verletzte, hat sich der Polizei gestellt. Nun erheben Reitschule und Polizei gegenseitig Vorwürfe.

Der 21-jährige Schweizer ging bei der Parkplatzausfahrt mit einem Messer auf den Algerier los und verletzte diesen dabei schwer.
Der 21-jährige Schweizer ging bei der Parkplatzausfahrt mit einem Messer auf den Algerier los und verletzte diesen dabei schwer.
Andreas Blatter

Ein 21-jähriger Schweizer hat sich der Polizei gestellt. Er gesteht ein, am 4. Dezember den 43-jährigen Algerier auf dem Parkplatz der Schützenmatte mit einem Messer verletzt zu haben. Dies teilte die Kantonspolizei Bern am Mittwoch mit.

Der junge Mann hat sich vor Wochenfrist selbstständig bei der Berner Staatsanwaltschaft gemeldet. Die Aussagen des mutmasslichen Täters und die bisherigen Ermittlungsergebnisse führen zu folgendem Szenario: Zuerst gerieten der 43-jährige Algerier und Personen des Reitschule-Sicherheitsdienstes aneinander, was den jungen Schweizer auf den Plan rief.

Dieser ging danach bei der Parkplatzausfahrt mit einem Messer auf den Algerier los und verletzte diesen dabei schwer. Die Gründe für die Tat bleiben unbekannt.

Der junge Schweizer sagte von sich, dass er stark alkoholisiert war. Deshalb konnte er die Tat selber nur ansatzweise beschreiben.

Der mutmassliche Täter befindet sich nun in Haft und wird sich vor der Justiz zu verantworten haben. Der Zustand des Opfers ist klinisch stabil, es ist aber mit bleibenden schweren Hirnschäden zu rechnen.

Laut der Kantonspolizei sind die Ermittlungen in den vergangenen Tagen noch einmal verstärkt worden. Heute müsse davon ausgegangen werden, dass der 21-Jährige alleine gehandelt habe. Die involvierten Sicherheitsdienstmitarbeiter der Reithalle dürften mit der Tat nichts zu tun haben.

Reitschüler kommentieren den Polizeieinsatz

Noch am Dienstag haben die Reitschüler in einer Medienmitteilung Stellung zum Polizeieinsatz vom 4. Dezember genommen.

Sie betonen, dass sie das Vorgehen der Polizei in jener Nacht als angebracht und verhältnismässig erachteten. Zum anderen kritisieren sie jedoch, dass im Nachhinein Mitarbeiter, die in keinster Weise mit den Vorfällen in Kontakt gestanden hatten, von der Polizei zur Befragung vorgeladen wurden. Zudem hätte die Kapo Personen auch direkt zuhause aufgesucht. All dies ohne Vorladung oder Ankündigung.

Insbesondere kritisiert die Reitschule, dass sich die Polizei ohne Durchsuchungsbefehl Zutritt zu einer Wohnung verschafft habe. Die Reitschüler werfen der Kantonspolizei vor, den Vorfall als Gelegenheit zu missbrauchen, «Reitschüler und Personen aus dem Umfeld zu schikanieren».

Polizei nimmt Stellung

Die Berner Kantonspolizei schreibt in ihrer Stellungnahme zu den Aussagen der Reitschule, es sei ihr Auftrag Straftaten schnellstmöglich aufzuklären. Da die befragten Sicherheitsleute der Reitschule am Abend der Tat keine Namen nennen wollten, musste die Polizei auf aufwändigere Art ermitteln.

Zur Klärung solcher Vorgänge müsse ein vollständiges Bild der Tatnacht erstellt werden und dazu könne es auch nötig sein Personen mehrmals zu befragen und auch mit Personen aus dem Näheren Umfeld zu sprechen, die an der Tatnacht wohl nicht zugegen waren.

Die Vorwürfe, dass die Befragungen dazu gemacht würden, um Personen zu schikanieren, seien nicht nur haltlos, sondern auch respektlos dem Opfer gegenüber, schreibt die Leiterin der Kapo Medienstelle abschliessend.

Rechtliche Schritte?

Am Mittwochabend reagierte die Reitschule auf die polizeiliche Stellungnahme: Sie wirft der Polizei die Verbreitung falscher Informationen vor. Dass zwei Polizisten ohne Hausdurchsuchungsbefehl in eine Wohnung eines Reitschülers eingedrungen seien, verletze elementare strafprozessuale Vorschriften. Sie prüfe diesbezüglich rechtliche Schritte.

pd/mbu/tpu/nik

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