Reitstall-Betreiber soll hinter Gitter

Für den Staatsanwalt steht fest: Ein ehemaliger Reitstallbetreiber hat über 1,5 Millionen ertrogen. Der Verteidiger sieht eine Mitverantwortung bei den Geldgebern.

Die Staatsanwaltschaft befand den Beschuldigten als unbelehrbar.

Die Staatsanwaltschaft befand den Beschuldigten als unbelehrbar.

47 Monate soll ein Reitstallbetreiber wegen gewerbsmässigen Betrugs hinter Gitter. Das hat der Staatsanwalt gestern vor dem Wirtschaftsstrafgericht in Bern gefordert.

Der Verteidiger hingegen sieht den Vorwurf des Betrugs nicht erfüllt. Er forderte einen Freispruch seines Mandanten von dem am schwersten wiegenden Vorwurf des gewerbsmässigen Betrugs. Die Geldgeber haben es laut Verteidigung unterlassen, auch nur minimale Abklärungen zu tätigen, bevor sie grosszügig Darlehen gewährten.

Mit hohen Zinsen gelockt

Nicht von ungefähr kenne der Volksmund den Ausspruch «trau, schau, wem», betonte Verteidiger Hermann Lei. Die Geldgeber hätten ihre Mitverantwortung nicht wahrgenommen. Allein wegen der überrissenen Zinsversprechen hätten alle Alarmglocken schrillen müssen. Manch ein Gläubiger habe sich wohl verlocken lassen, vermutete Lei.

Dem gebürtigen Luzerner «Rösseler», ehemaliger Kantonsrat, wird vorgeworfen, 29 Personen in mehreren Kantonen um Geld angegangen zu sein, das er grösstenteils nie zurückzahlte. Insgesamt steht der Mann mit über anderthalb Millionen Franken in der Kreide. Um an Geld zu gelangen, soll er seinen Geldgebern Kreditwürdigkeit vorgegaukelt haben.

Er erzählte den Leuten, dass er nach dem kürzlichen Tod seines Vaters eine grössere Erbschaft und Erträge aus dem Kiesabbau in Aussicht habe. Zum Beweis legte er unter anderem ein von ihm gefälschtes Dokument einer Luzerner Gemeinde vor. Vor Gericht räumte der Angeklagte die Fälschung ein.

Sehr wohl arglistig

Nach Ansicht von Staatsanwalt Beat Schnell hat der Angeklagte seine Gläubiger sehr wohl arglistig hinters Licht geführt. Der eloquente und angesehene Mann «wusste, welche Knöpfe er bei welchen Menschen drücken musste». Der Mann sei raffiniert vorgegangen und habe vom ein­fachen Handwerker bis zum Akademiker alle übers Ohr gehauen. Doch: «Kein einziges Opfer ist selber schuld», so Schnell. Vielmehr habe der Angeklagte das Vertrauen von Bekannten und die Solidarität unter Geschäftsleuten missbraucht. Das Urteil gibt das Gericht am Freitag bekannt.

hus/sda

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