Reporter-Preis macht russischen Journalisten sprachlos

Stadt Bern

Das Reportagen Festival erlebte mit der Preisverleihung am Samstagabend seinen Höhepunkt. Der russische Journalist Shura Burtin gewann den True Story Award mit einem langen Text über einen «guten Tschetschenen».

Shura Burtin erhält den True Story Award von Moderatorin Susanne Wille.

Shura Burtin erhält den True Story Award von Moderatorin Susanne Wille.

(Bild: PD)

Stefan Schnyder@schnyderlopez

Auf der Bühne war der Preisträger plötzlich sprachlos: Der russische Journalist Shura Burtin erhielt am Samstagabend im Stadttheater Bern den erstmals vergebenen True Story Award. Etwas verdattert betrat er die Bühne und gab Moderatorin Susanne Wille zu verstehen, dass er kein Englisch spreche. Ein Russisch sprechender Zuschauer half dann als Übersetzer aus. Doch der Autor, der einen Text von über 70 Seiten abgegeben hatte, blieb in seinen Antworten kurz angebunden. Er verriet dem Publikum immerhin, dass ihm das Preisgeld es ermöglichen werde, an weiteren Projekten zu arbeiten.

In seinem preisgekrönten Text beschreibt Shura Burtin das Leben des 60-jährigen Tschetschenen Oyub Titiyeb. Dieser arbeitete während des Zweiten Tschetschenienkrieges (1999-2009) undercover für eine russische Menschenrechtsorganisation. Wegen angeblichen Drogenbesitzes sitzt er heute in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny im Gefängnis, wo ihn der Autor besuchte.

Am Ende der zweistündigen Preisverleihung im vollbesetzten Stadttheater hatte der Preisgekrönte seine Sprache wiedergefunden. Nach einem Dank an die Organisatoren und die Jury war er in seinem Redeschwall fast nicht mehr zu stoppen. Die englische Version des Textes ist auf der Internetseite des Reportagen-Festivals aufgeschaltet.

Der zweite Preis ging an den Amerikaner Mark Arax. In seinem Text beschreibt er, wie der grösste Landwirt der USA mitbestimmt, was die Amerikaner auf den Teller kriegen.

Den dritten Preis gewann der Chinese Du Qiang, der eine Gang von Wanderarbeitern in einem Vorort der chinesichen Industriemetropole Shenzen besuchte, deren Mitglieder keine Lust haben, in einer der vielen Fabriken arbeiten zu gehen. Und deshalb die Zffeit totschlagen müssen.

Das Preisgeld beträgt insgesamt 30'000 Franken. Die Preisverleihung fand im Rahmen des Reportagen Festivals Bern statt, das erstmals durchgeführt wird. Der Publikumsaufmarsch war zum Teil so gross, dass Interessierte abgewiesen werden mussten. Am Sonntag finden weitere Veranstaltungen des Festivals statt.

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