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Reset auf dem Gaswerkareal

Bei der Planung für das Berner Gaswerkareal kommt es am Donnerstag im Stadtrat zur grossen Auslegeordnung. Verhandelt werden Dichte, Gaskessel und die Abfindung Losinger Marazzis.

Dass mehrere Vorstösse den Gaskessel stärken, hat nicht auf den Bericht des Gemeinderats durchgeschlagen.
Dass mehrere Vorstösse den Gaskessel stärken, hat nicht auf den Bericht des Gemeinderats durchgeschlagen.
Urs Baumann

Eine Woche nach dem Start des städtebaulichen Wettbewerbs für Vierer- und Mittelfeld sollen morgen beim nächsten grossen Wohnbauprojekt der Stadt ein paar Pflöcke eingeschlagen werden. Im Parlament kommt es zur Auslegeordnung beim Gaswerkareal. Auf dem Gelände zwischen Aare und Sandrainstrasse beziehungsweise Monbijoubrücke und Sportplatz Schönau soll ein Quartier für rund 1000 Einwohnerinnen und Einwohner entstehen.

Das Projekt hat eine konfliktreiche Vorgeschichte. Sie begann 2011, als Energie Wasser Bern (EWB) – grösste Gaswerk-Landeigentümerin – vom Kanton den Auftrag erhielt, den belasteten Boden zu sanieren. Mit der Idee, das Areal gleichzeitig zu entwickeln, tat sich EWB, eine öffentliche Anstalt, mit dem Baukonzern Losinger Marazzi zusammen. Doch allen voran GB, SP und GLP kritisierten das exklusive Mandat und die von Losinger Marazzi ­orchestrierte Test­planung und deckten das Projekt mit Vorstössen ein.

Ende 2016 entschied die damalige Stadtregierung, das Land zu kaufen und selber zu entwickeln. Als der Gemeinderat im letzten Herbst den Bericht verabschiedete, der morgen diskutiert wird, lautete der Titel der Medienmitteilung: «Bevölkerung soll bei Entwicklung mitwirken».

Damit erfährt die Planung für das Gaswerkareal mit der morgigen Debatte eine Art Reset, ein geflügeltes Wort, seitdem auf Bundesebene im Europa-Dossier ein solcher angestrebt wird.

Wohnen versus Natur

Wie beim Viererfeld werden auch beim Gaswerk Finanzdirektor Michael Aebersold (SP) und Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) den Lead haben – letzterer pikanterweise als ehema­liger Immobilienentwickler bei Losinger Marazzi, wo er massgeblich in den ersten Anlauf der Planung involviert war.

Folgerichtig wurde das Geschäft in zwei Kommissionen vorbesprochen, jener für Finanzen, Sicherheit und Umwelt (FSU) und jener für Planung, Verkehr und Stadtgrün (PVS). Von beiden liegen Planungserklärungen vor, Aufträge, die der Gemeinderat beim weiteren Vorgehen berücksichtigen soll.

So wird morgen Donnerstag unter anderem über die Dichte gesprochen, die bei der Überbauung angestrebt werden soll: Die FSU verlangt, dass eine höhere Ausnützung geprüft wird, bevor es zum städtebaulichen Wett­bewerb kommt. Der Rahmenplan von Ende März 2015, an dessen Ergebnisse der Gemeinderat die weitere Entwicklung anknüpfen will, geht auf dem EWB-Grundstück von 40'000 bis 50'000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche aus.

In der Zwischenzeit hat der Gemeinderat das Nutzungsmass auf «mindestens 45'000 Quadratmeter» erhöht. In der Debatte dürfte es darum ­gehen, wo die optimale Balance zwischen verdichtetem Wohnbau einerseits und Natur- sowie Erho­lungs­raum andererseits liegt. Und welche Rolle der Gaskessel dabei spielt.

Exklusives Land für Losinger?

Dem «Chessu» ist im Bericht des Gemeinderats nur ein kurzer Abschnitt gewidmet, in dem nebst drohenden Konflikten die Vereinbarung erwähnt wird, wonach Stadt und Betreiber gemeinsam einen alternativen Standort auf dem Areal prüfen wollen – mit dem Vorbehalt, dass dieser Prozess ergebnisoffen ist und die Betreiber am Ende am heutigen Standort festhalten können.

Der dem Bericht beiliegende Rahmenplan dagegen schreibt über das Jugend- und Kulturzentrum unzimperlich, dass dieses eine Wohnüberbauung «weitgehend, wenn nicht gar vollständig» verunmögliche. «Vor dem Hintergrund der gesetzten Ziele» sei das Jugend- und Kulturzentrum deshalb «zu verlegen».

Drei Planungserklärungen der PVS haben offensichtlich den Zweck, die Position des Gaskessels im weiteren Prozess zu stärken – eine Position, die an sich durch verschiedene überwiesene Vorstösse bereits stark ist, was indes nicht auf den Bericht des Gemeinderats durchgeschlagen hat.

Ein weiterer Diskussionspunkt ist die Frage, wie die Vorleistungen von Losinger Marazzi abgegolten werden sollen. Für den Gemeinderat ist es denkbar, die Entschädigung ganz oder teilweise auf den Kaufpreis zu schlagen, den EWB für das Land erhält.

Eine andere Möglichkeit sei, der Firma auf dem Arealteil für institutionelle Investoren ein Baufeld zu Marktpreisen zu überlassen, wenn Losinger Marazzi im Gegenzug auf die Abgeltung der geleisteten Arbeiten verzichte. Darauf sei zu verzichten, findet dagegen eine FSU-Mehrheit.

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