Rickenbachers heikle Doppelrolle

Der frühere Berner Regierungsrat Andreas Rickenbacher gehört den Verwaltungsräten von Bernexpo und der Immobilienentwicklerin HRS an. Eine Konstellation, die Fragen aufwirft.

Skeptischer Blick: Andreas Rickenbacher sieht sich mit seinem Mandaten bei Bernexpo und HRS in keinem Interessenkonflikt.

Skeptischer Blick: Andreas Rickenbacher sieht sich mit seinem Mandaten bei Bernexpo und HRS in keinem Interessenkonflikt.

(Bild: Andreas Blatter)

Stefan Schnyder@schnyderlopez

Das Berner Messeunternehmen Bernexpo arbeitet eng mit der Immobilienentwicklerin HRS zusammen, um den Bau einer neuen Eventhalle voranzutreiben. Aus Berner Sicht ist eine Personalkonstellation bei dieser Zusammenarbeit bemerkenswert. Der ehemalige Berner Regierungsrat Andreas Rickebacher (SP) gehört den Aufsichtsgremien von beiden Unternehmen an. Das wird auch in Zukunft so bleiben. Am Dienstag teilte Bernexpo mit, dass sich Rickenbacher an der Generalversammlung von Ende Mai als Verwaltungsrat der Muttergesellschaft Bernexpo zur Wiederwahl stellen wird.

Rücktritt bei Tochterfirma

Eine Veränderung wird es dagegen geben: Rickenbacher wird als Verwaltungsrat der Messepark Bern AG zurücktreten. In der Messepark Bern AG hat die Bernexpo Groupe ihren Immobilienbesitz zusammengefasst. Sie hält einen Anteil von 77 Prozent an dieser Tochtergesellschaft. Bernexpo-Präsidentin Franziska von Weissenfluh möchte die Mehrheit an der Immobilientochter abgeben. Ihr Ziel ist es, dass die Messepark Bern AG mit Geldern der neuen Investoren und der Mehrheitsaktionäre die Festhalle finanzieren wird.

«Wenn ein Interessenkonflikt ent­stehen sollte, würde ich in den Ausstand treten.»Andreas RickenbacherVerwaltungsrat vonBernexpo und HRS

Der 51-jährige Rickenbacher führt zwei Gründe an, wieso er aus dem Verwaltungsrat der Messepark Bern AG ausgetreten ist: «Die Mitglieder des Verwaltungsrats der Holding haben die Aufgaben neu unter sich aufgeteilt. Es ist vorgesehen, dass ich das Präsidium eines Ausschusses übernehmen werde. Im Gegenzug trete ich als Verwaltungsrat der Messepark Bern AG ab.» Der andere Grund, räumt er ein, sei effektiv die Tatsache, dass die Messepark Bern AG und HRS intensiv zusammenarbeiteten.

Er trat in den Ausstand

Rickenbacher glaubt nicht, dass durch seinen Verbleib in den Verwaltungsräten von Bernexpo und HRS Interessenkonflikte entstehen könnten: «Diese Gefahr sehe ich derzeit nicht. Wenn ein Interessenkonflikt entstehen sollte, würde ich in den Ausstand treten. Als Verwaltungsrat bin ich verpflichtet, im Interesse der Unternehmen zu handeln.» Auch die Gefahr, dass er als Verwaltungsrat der jeweils anderen Firma plötzlich über einen Informationsvorsprung verfügt, der heikel sein könnte, sieht er nicht.

Zudem habe er in den letzten Monaten bewiesen, dass er ganz bewusst mit diesen Fragen umgehe. So sei er beim jeweiligen Traktandum in den Ausstand getreten, als Bernexpo in der Phase von Ende 2018 bis März 2019 eine Immobilienspezialistin evaluiert habe, welche die Finanzierung und die Konzeption der Eventhalle neu aufgleist. Schliesslich machte HRS damals das Rennen.

In einem ähnlichen Dilemma steckte in dieser Evaluationsphase die Bernexpo-Verwaltungsrätin Ines Pöschel. Sie gehört zudem dem Verwaltungsrat des Baukonzerns Implenia an. Dem Vernehmen nach trat sie bei der Auswahl des Immobilienpartners auch in den Ausstand. Ende Mai tritt sie nun aus dem Verwaltungsrat von Bernexpo zurück.

Berner Zeitung

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