Sanierung des «Weyerli» wird teurer als geplant

Bern

Die Sanierung des Weyerli wird 10 Millionen mehr kosten als budgetiert.

<b>Ist dringend sanierungsbedürftig:</b> Das Freibad Weyermannshaus (Archivbild).

Ist dringend sanierungsbedürftig: Das Freibad Weyermannshaus (Archivbild).

(Bild: Andreas Blatter)

Das Schwimmbad Weyermannshaus entwickelt sich zur Kostenfalle für die Stadt Bern: An der gestrigen Sitzung des Stadtrates gab Maurice Lindgren (GLP) als Kommissionssprecher bekannt, dass die geplante Sanierung viel teurer als geplant wird. Ursprünglich ging die Stadt von einem Kostenrahmen von 21,3 Millionen Franken aus. «Unsere Kommission hat am Mittwoch die Information erhalten, dass die Sanierung um einen zweistelligen Millionenbetrag teurer wird», sagte Lindgren, ohne seine Verwunderung zu verhehlen.

Der Grund dafür sind Mehrkosten für die Wasseraufbereitung. Es hat sich gezeigt, dass die Erneuerung des Wassers allein nicht ausreicht, um die Wasserqualität zu gewährleisten. Im Gegensatz zur bisherigen Planung braucht es eine Wasseraufbereitungsanlage, was den Einbau von Pumpen nötig macht.

Stadtpräsident hofft

Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) bestätigte diesen Sachverhalt. Er betonte dazu: «Projektieren ist ein Prozess, und man nähert sich den effektiven Kosten immer weiter an.» Mit der Projektierung stehe man am Anfang. Er geht davon aus, dass das Projekt noch optimiert werden kann und die Kosten tiefer ausfallen als jetzt befürchtet.

Ein leichtes Murren

Die Fraktionssprecher zeigten sich nicht eben glücklich über diese Kostensteigerung. Doch die Sanierung sei dringend und die Projektierung dürfe nicht verhindert werden, so der Tenor.

Deshalb stimmte der Stadtrat der am Donnerstag traktandierten Erhöhung des Kredits für die Projektierungsarbeiten um 1,3 auf 2,8 Millionen Franken klar zu. Es ist vorgesehen, dass die Sanierung im Herbst 2020 beginnen wird, so dass die Badesaison 2021 ausfallen wird. Sehr bald wird dagegen die Sanierung des Garderobenhäuschens beginnen: Der Stadtrat stimmte einem Baukredit von 1,25 Millionen Franken zu.

Das «Weyerli» ist ein ganz besonderes Freibad, das eher einem See als einem Schwimmbad ähnelt. Mit einer Wasserfläche von rund 15'500 Quadratmetern und einem Wasservolumen von rund 25'000 Kubikmetern gehört es zu den grössten Freibädern Europas. Im Notfall muss der Bademeister per Boot zur Mitte des Beckens ausrücken.

Das riesige Becken wird mit Grundwasser gespiesen und «von Hand» mit Chlor behandelt. Das Wasser wird ungereinigt in den Wohlensee abgeleitet. Ein Zustand, der sich heute nicht mehr halten lässt.

In einer eigenen Kategorie

Eigentlich wollte die Stadt für die Wasseraufbereitung ein naturnahes System betreiben. Doch Abklärungen zeigten, dass die Kosten für das riesige Becken viel zu hoch wären. Auch die Energiekosten für die tägliche Umwälzung des enormen Wasservolumens wären unverhältnismässig hoch gewesen.

Kurz: es zeigte sich, dass das «Weyerli» die für die klassischen Becken von 50 Metern Länge geltenden Vorschriften nicht würde einhalten können. In Absprache mit dem Kantonalen Labor wurde deshalb eine Minimalvariante erarbeitet.

So soll das undichte Becken abgedichtet werden. Gespiesen wird es weiterhin mit Grundwasser, hingegen wird die Chlorierung automatisiert und überwacht.

Neue Einlassdüsen sollen die Verteilung von Frischwasser im Becken verbessern. Und schliesslich soll auch das ablaufende Wasser mit einem Aktivkohlefilter entchlort werden, bevor es in den Wohlensee fliesst.

sny/sda

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