SBB locken mit Verzicht auf Neubau von BLS-Werkstätte

Die SBB sind bereit, die Züge der BLS in ihren eigenen Anlagen zu unterhalten. Allerdings nur, wenn die BLS im Streit um den Fernverkehr nachgibt – die neue Werkstätte im Westen Berns wäre dann überflüssig.

Der Widerstand gegen die BLS-Werkstätte ist im Gebiet Chliforst nach wie vor gross. Erledigt sich nach der SBB-Offerte das Thema von selber?

Der Widerstand gegen die BLS-Werkstätte ist im Gebiet Chliforst nach wie vor gross. Erledigt sich nach der SBB-Offerte das Thema von selber?

(Bild: Beat Mathys)

Stephan Künzi

Bisher schien die Sache klar zu sein. Wenn die BLS mit ihrer ­S-Bahn weiterhin pünktlich und zuverlässig unterwegs sein will, braucht sie im Raum Bern eine neue Werkstätte. Nur so kann sie das zugemietete, auf Ende 2019 aber gekündigte SBB-Depot in Bern-Aebimatt ersetzen, wo sie ihre Fahrzeuge heute unterhält. Und zugleich die Kapazitäten erweitern mit Blick auf eine noch grössere Flotte, die sie sich angesichts der stetig wachsenden Passagierzahlen zulegen wird.

Daran würde auch ein Zusammengehen mit den SBB nichts ändern. Bernhard Antener stellte es letztes Jahr gleich mehrfach fest. Der SP-Politiker hatte den Auftrag, mit einer Begleitgruppe die Werkstättenpläne unter die Lupe zu nehmen. Zu heftig war die Kritik über ein erstes Projekt auf der grünen Wiese bei Riedbach im Westen Berns ausgefallen.

Als die Arbeit abgeschlossen war, hatte die Gruppe für die Gegner indes keine wirklich gute Nachricht parat. Sie empfahl, das millionenschwere Vorhaben einfach etwas weiter westlich zu realisieren, im noch ländlicheren Gebiet Chliforst. Weil – eben – für die S-Bahn Bern eine Werkstätte nötig sei, egal, unter welchem Betreiber sie am Schluss laufe.

Mit Aufwand verbunden

Und nun die Kehrtwende. Im ­Gerangel um die Neuvergabe der Linien im Fernverkehr liessen die SBB am Wochenende eine Bombe platzen. Um sich die BLS, die im Verfahren vor dem Bund als Konkurrentin auftrat, machten sie ein ziemlich überraschendes Angebot: Wenn die BLS auf Fernverkehrslinien mit eigener Konzession verzichte und sich mit einem gemeinsamen Betrieb auf ein paar Strecken im Seeland und im Jura begnüge, sei man bereit, im Raum Bern eine gemeinsame Werkstätte zu betreiben.

Die Gegner des BLS-Projekts atmeten auf, sahen die Neubaupläne schon im Papier­korb verschwinden. Ihre Hoffnung sollte nicht vergebens sein, denn gestern bestätigte SBB-Sprecher Reto Schärli: Im Rahmen der skizzierten Kooperation werde es möglich sein, den Unterhalt der BLS-Fahrzeuge auf «bestehenden Instandhaltungsanlagen der SBB» sicherzustellen. Viel konkreter wurde er indes nicht. Erstens müssten die beiden Bahnen die Details noch aushandeln. Und zweitens werde die Zusammenarbeit in diesem Bereich ohnehin erst ab 2025 aktuell.

In ihrer neuen Werkstätte will sich die BLS auf den Unterhalt, die Reinigung sowie auf kleinere Reparaturarbeiten fokussieren. Anlagen in diesen Arbeitsfeldern betreiben die SBB unter anderem in Biel, in Luzern und in Brig. Solche dezentral am Berner S-Bahn-Netz gelegene Standorte waren in der Vergangenheit auch deshalb ausser Rang und Traktanden gefallen, weil, so hiess es, die Zufahrtslinien nicht noch mehr Verkehr schlucken könnten.

Dem hält Schärli nun entgegen, dass sich mit der angestrebten Zusammenarbeit die Situation grundsätzlich ändere. Das Modell spiele Trasseekapazitäten frei, verhindere auch teure Leerfahrten. Die SBB seien zudem bereit, Arbeiten intern so umzulagern, dass in den Anlagen im Grossraum Bern Platz für die Fahrzeuge der BLS frei werde. Kurz: Der gemeinsame Unterhalt liesse sich in den heutigen Anlagen sehr wohl organisieren – auch wenn das Zusammenspiel, zugegeben, «organisatorisch und logistisch anspruchs­voll» wäre.

BLS schweigt beharrlich

Wie schon am Wochenende blieb die Reaktion der BLS auch gestern aus. Sprecher Matthias Abplanalp erinnerte einmal mehr an die laufenden Gespräche mit den SBB: «Solange die Verhandlungen laufen, werden wir konkrete Inhalte nicht kommentieren.» Man habe Vertraulichkeit vereinbart, und «an diese Abmachung halten wir uns».

Gesprächiger ist Begleitgruppenpräsident Antener. Er zeigt sich erstaunt über das Angebot, zumal er von den SBB anderes gehört hat. Die Konzernleitung habe ihm schriftlich versichert, dass sie für den Unterhalt von BLS-Fahrzeugen nicht Hand bieten könne. Man verfüge im Ge­genteil sogar selber über zu wenig Platz im Raum Bern. Allem voran fehle es an Abstellfläche für die nächtliche Betriebspause. Vor diesem Hintergrund habe die BLS ja anfänglich auch zusätzliche Gleise für die SBB in ihre Werkstätte eingeplant.

Berner Zeitung

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