Schlechte Luft in Belper Schule

Belp

Der Schadstoff Naphthalin belastet das Oberstufenzentrum Mühlematt. Womöglich sind weitere Schulgebäude in der Gemeinde betroffen.

Im Oberstufenzentrum bleiben drei Räume geschlossen.

Im Oberstufenzentrum bleiben drei Räume geschlossen.

(Bild: Christian Pfander)

Johannes Reichen

Es begann vor etwa einem Jahr. Lehrer und Schüler im Oberstufenzentrum Mühlematt in Belp klagten über schlechte Gerüche in den Schulzimmern. Manche litten auch unter Kopfschmerzen. «Es gab aber keine Regelmässigkeit», sagt Gemeindepräsident Benjamin Marti (SVP), «und nicht alle Schüler und Lehrer reagierten gleich.» Zunächst sei das Mobiliar in den Verdacht geraten, ein Sofa wurde weggeräumt. Es nützte nichts.

Die Gemeinde ordnete deshalb eine Luftmessung an. Am 13. November untersuchten Experten die Luft. In drei Räumen stellten sie einen erhöhten Wert des Schadstoffs Naphthalin fest, der im Fussboden eingebaut ist. Der zulässige Grenzwert von 10 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft wird «um ein Mehrfaches» übertroffen. Andere Räume sind weniger stark belastet.

Der Gemeinderat reagierte: Die drei Räume – zwei Schulzimmer und das Büro der Schulsozialarbeiterin – werden ab Montag geschlossen. Der Schulbetrieb wird aber weitergeführt. Alle Räume der Schulanlage Mühlematt, auch jene der Primarschule, werden überprüft. Die Ergebnisse sollen im Januar vorliegen.

Fenster sind jetzt dicht

Naphthalin kommt in Teeröl vor. Bis in die Achtzigerjahre wurde es etwa zur Isolierung von Böden verwendet. In der Mühlematt wurde er in jenen Räumen als Schallschutz eingebaut, unter denen sich Räume befinden.

«Naphthalin findet sich in vielen Schulhäusern», sagt Stephan Baumann von der Firma Bafob, die die Untersuchung durchführte. In den letzten Jahren wurde es in mehreren Stadtberner Kindergärten und Schulen festgestellt. Auch von Eisenbahnschwellen sei es bekannt. Heute darf es in Innenräumen nicht mehr eingesetzt werden.

In Belp werde der Richtwert massiv überschritten, sagt der Schadstoffexperte. Die akuten Folgen bei erhöhten Werten könnten beispielsweise Kopfschmerzen, Übelkeit oder Bauchweh sein. Grund zum Alarmismus gebe es nicht. Er gibt auch zu bedenken, dass der Richtwert, der sich an der Weltgesundheitsorganisation WHO orientiert, sehr streng sei. «Es muss aber gehandelt werden.»

Für ihn ist klar, weshalb die Grenzwerte so deutlich überschritten wurden. In den letzten Jahren wurden die Fenster der Anlage saniert. Zuvor sei die schlechte Luft wegen der undichten Fenster verdünnt worden, das sei nun nicht mehr der Fall. «Wir werden nun kurzfristig ein Reinigungs- und Lüftungskonzept erstellen, um in den weniger belasteten Räumen eine Reduktion unter den Richtwert zu erreichen.»

Problem bisher unbekannt

Längerfristig ist klar, dass die Gemeinde das Schulhaus sanierten wird. Details stehen noch nicht fest. Auch die anderen Kindergarten- und Schulanlagen der Gemeinde würden nun überprüft. «Wir wollen keine Schulen, die mit Schadstoffen belastet sind», sagt Marti.

In der Mühlematt wurde Naphthalin beim Bau 1951 eingesetzt. Bis jetzt sei der Schadstoff dort aber nie als Problem wahrgenommen worden, sagt Marti. Auch in seiner Zeit als Gemeinderat für die Liegenschaften sei er nicht damit konfrontiert worden. Das gleiche gelte für die Architekten, die sich im Rahmen der Schulraumplanung mit dem Schulhaus befasst haben. «Im übrigen haben sie dem Schulhaus eine gute Bausubstanz attestiert.»

«Niemand, der in den letzten Jahrzehnten im Oberstufenzentrum zur Schule ging, ist krank wegen des Naphthalins.»Benjamin Marti?Gemeindepräsident Belp

Für den Gemeindepräsidenten steht fest: «Niemand, der in den letzten Jahrzehnten im Oberstufenzentrum zur Schule ging, ist krank wegen des Naphthalins.» Marti gehört selbst zu diesem Kreis. «Aber es ist gesundheitsschädigend. Deshalb ist es auch verboten.»

Berner Zeitung

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