Schlemmertour rund um den Murtensee

Mit dem Velo rund um den See fahren und unterwegs kulinarische Spezialitäten geniessen – dafür wurde in der Region Murtensee eine Genussreise kreiert.

Fehlen Wegweiser, dient der Murtensee als Orientierung. Beim Umrunden fährt man über Nebenstrassen, Velowege und teilweise auch Hauptstrassen.

Fehlen Wegweiser, dient der Murtensee als Orientierung. Beim Umrunden fährt man über Nebenstrassen, Velowege und teilweise auch Hauptstrassen.

(Bild: Nicole Philipp)

Die Genussfahrt startet beim Bahnhof Murten. Die Energie des häus­lichen Frühstückskaffees reicht gerade aus, um vom Bahnhof in die Altstadt zur Bäckerei Aebersold zu radeln. Der Gedanke an ein Stück Nidlechueche treibt an. Vor der Bäckerei ist ein Tischchen frei, Kuchen und Kaffee werden freundlich ausgehändigt, obschon wir mit einem Gutschein aus dem neuen Genussbüchlein der Region Murtensee bezahlen. Der salzige, grosszügig mit Speck bestreute Kuchen schmeckt grossartig – leider ist das Stück gar klein geraten. Vier, fünf Bisse, und schon ist der Teller leer. Hoffentlich fällt das Mittagessen grosszügiger aus.

Beim Tourismusbüro Murten ist zu erfahren, dass man sich für die Genussreise um den Murtensee an den Wegweiser 480 von Schweiz mobil halten soll. Diese Route ist auch auf dem Prospekt vermerkt, der uns mit den Gutscheinen zugeschickt wurde. Aber weder beim Bahnhof ­Murten noch in Sugiez ist ein Wegweiser mit der Nummer 480 zu entdecken. Als Einheimische kenne ich alle Wege rund um den See. Aber wie ergeht es Auswärtigen? Das Plänlein im Gutscheinheft ist etwas gar rudimentär. Aber da ist ja der Murtensee, an dem man sich orientieren kann. Und da sind auch breite Wanderwege, auf denen sich Velofahrer und Spaziergänger nicht in die Quere kommen. Wer von Murten westwärts den See entlangradelt, kommt in Faoug auto­matisch auf einen Veloweg, der bis nach Salavaux führt. Die ganze Seeumrundung misst rund 26 Kilometer. Je nach Route ­können es auch mehr sein. Tipp: Ortsunkundige sollten sich mit einer Velokarte ausrüsten.

«Der Gedanke an ein Stück Nidlechueche treibt an.»

Nach einer guten Stunde und einem Bad im See schauen wir einer Entenfamilie zu. Dabei kommt langsam der Gedanke ans Mittagessen auf. Im Genussbüchlein stehen fünf Restaurants zur Auswahl, die den Velo fahrenden Geniessern Eglifilets, Salat und ein Glas Wein servieren. Wir entscheiden uns für das höchstgelegene Restaurant auf dem Mont Vully und reservieren te­lefonisch einen Tisch auf der Terrasse. Nach einem schweisstreibenden Aufstieg von Salavaux über Vallamand und Lugnorre auf den Mont Vully werden wir freundlich empfangen. Leider vernebelt Dunst die Aussicht. Aber ein Schluck Vully-Wein färbt die Welt rasch rosiger.

Eglifilets und Salat ist das Mittags- oder Abendmenü für Genussradler. Bald stehen die Teller auf dem Tisch. Die grosse Portion Salat mit verschiedensten frischen Blättchen, Miniranden und Karotten macht Freude. Daneben liegen fünf gebratene Egli­filets, leider nur lauwarm, fad und zäh. Ob sie etwa in der Mikro­welle aufgewärmt wurden? Zwei Kugeln Glace mit Rahm und Kaffee ­helfen über die Enttäuschung hinweg und die Feststellung, dass es ausser beim Fisch ja wirklich nichts zu bemängeln gibt. Die kulinarische Bilanz ist aber durchzogen. Für die 45 Franken, welche das Genussbüchlein kostet, wünscht man sich natürlich nichts Auf­gewärmtes.

Zum Verdauen fahren wir noch auf den höchsten Punkt, wo wir als einzige Velofahrer die Exoten sind. Der Parkplatz ist voller Motorfahrzeuge, auf zwei Rädern fahren hier bloss Motorräder oder E-Bikes hoch, obschon: Mit 653 Metern ist der Hügel zwischen Murten- und Neuenbur­gersee nicht überaus hoch. Er bietet aber eine schöne Abfahrt. Der Rückweg nach Murten führt von Sugiez durch den Chablaiswald, ein Naturreservat des Staates Freiburg, bekannt für seine grosse Wildschweinpopulation. Die Tiere verstecken sich tagsüber im urwaldähnlichen Gehölz, um sich nachts über die Felder der Bauern herzumachen. Nach vier Stunden schliesst sich der Kreis. Endstation der Genussfahrt ist Murten.

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