Schrauben statt Champagner trinken

Nach den Sturmschäden im Januar 2018 war der Fortbestand des Seilparks Gantrisch ungewiss. Nun steht er kurz vor seiner Wiedereröffnung.

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Im Längeneybad ist es sehr ruhig. Keine keuchenden Kletterer und kein Geplauder auf den Picknickbänken. Einzig ein Akkuschrauber und die ruhige Stimme von Rolf Ryser sind zu hören. Er bespricht mit seiner Mitarbeiterin Nora Berner den Aufbau eines Krabbeltunnels.

Eine Kleinigkeit im Vergleich dazu, was er und sein Team im letzten Jahr geleistet haben. Im Januar 2018 hatte der Wintersturm Burglind einen Grossteil des Parks zerstört. Nun ist die Anlage neu aufgebaut, bis zur Eröffnung fehlt nur noch der Feinschliff.

80 Prozent zerstört

Rolf Ryser ist Geschäftsführer der Seilpark Gantrisch AG. Aktuell ist er eher als Bauführer tätig. «Der Sturm knickte mehrere grosse Tannen um, 80 Prozent des Parks waren kaputt», erzählt er. Das Team wusste nicht, ob es weitermachen kann und will. «Ein Gutachter überprüfte die Stabilität der Bäume, und wir überlegten, an einem zentraleren Standort weiterzumachen», sagt der 52-Jährige. Letztlich hat sich das Team für den Verbleib beim Restaurant Längeneybad entschieden. Durch Bewilligungen und Absprachen mit Landbesitzern hätte ein Standortwechsel zu lange gedauert.

Das Seilpark-Team hat das Sturmholz beseitigt, die Plattformen und Drahtseile neu aufgebaut. Eigentlich wollte es letztes Jahr auf das 15-jährige Bestehen des Parks anstossen. «Statt mit Champagner haben wir mit Akkuschraubern und Stichsägen gefeiert», erzählt Ryser mit einem Augenzwinkern. Die Arbeiter haben sämtliche Sicherungsdrahtseile ausgewechselt und die meisten Plattformen ersetzt. Der Park ist aber nicht nur wieder aufgebaut, viele neue Elemente sind dazugekommen.

Adrenalinjunkies gesucht

Der vergrösserte Spielplatz zwischen Restaurant und Wald ist auf den ersten Blick erkennbar. Den öffentlich zugänglichen Platz haben umliegende Gemeinden und Gönner mit einem Crowdfunding-Projekt finanziert. Einen Grossteil der 400'000 Franken Kosten für den gesamten Wiederaufbau übernahm die Versicherung. Ryser und sein Team haben ebenfalls die Kletterrouten für Kinder ausgebaut. Drei einfache Abschnitte verlaufen parallel zum Waldweg. Die Kinder können die Route allein bewältigen, während ihre Eltern sie vom Weg aus im Blick haben.

Auch für Erwachsene verfügt der Park über ein grösseres Angebot. «Dank zusätzlichen Kletterelementen und Freifallsprüngen sind wir für Adrenalinjunkies attraktiver geworden», sagt Ryser. «Insgesamt haben wir unser Angebot verbreitert und sind mehr auf Ganztagesausflüge ausgerichtet», erklärt er die neue Strategie.

Bei der Eröffnung im Jahr 2004 war der Park der dritte dieser Art in der Schweiz, heute gibt es deren 50. Andernorts können die Gäste nach dem Besuch im Seilpark noch ins Wellness oder ins Kino. «Die Leute entscheiden sich aufgrund des Angebots für uns, sonst besuchen sie einen zentraleren Ort», sagt Ryser zur veränderten Marktsituation.

Unklare Zukunft

Das Team hofft für die erste Saison im neuen Park auf gleich viele Besucher (rund 11'000) wie vor den Sturmschäden. Weiter in die Zukunft will Ryser noch nicht planen. Unsicherheit entsteht durch das benachbarte Restaurant. Der Wirt ist erkrankt und möchte den Gasthof verkaufen. Trotz dem stürmischen letzten Jahr und der unklaren Zukunft schaut Ryser zuversichtlich auf die Wiedereröffnung. Er und sein Team geben nochmals Vollgas, um am 7. April erfolgreich in die neue Saison zu starten.

Berner Zeitung

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