Schwarmfinanzierung für die Bienen

Köniz

Crowdfunding breitet sich immer weiter aus. Der Imker Jonas Hofmann aus Herzwil sucht auf diese Weise nach finanzieller Unterstützung für sein neues Bienenhaus.

Er sammelt mit Crowdfunding für ein neues Bienenhaus: Imker Jonas Hofmann.

Er sammelt mit Crowdfunding für ein neues Bienenhaus: Imker Jonas Hofmann.

(Bild: Beat Mathys)

Marco Spycher

Der junge Imker qualmt durch den Rauch seiner Zigarette sein eigenes Bienenhaus voll. «Ich rauche nicht, ich paffe», sagt er. Es ist Jonas Hofmann. Der 26-Jährige ist Nichtraucher, aber wenn er bei den Bienen ist, zieht er sich gerne einen Zigarillo rein. Dies nicht unbedingt zum Genuss, sondern als Massnahme, um ruhiger arbeiten zu können. Denn die Bienen fliehen vor Rauch und fliegen ihm somit nicht ständig um den Kopf.

Hofmann ist gelernter Landwirt und lebt zusammen mit seiner Frau auf dem Hof der Eltern, den er dereinst übernehmen will. Die Bienen haben ihn schon immer interessiert, und bereits in seinen jungen Jahren hat er gespannt beim Nachbarshaus beobachtet, wie ein Imker zu seinen Bienen schaut. Er sei fasziniert, wozu so ein kleines Tier fähig sei und was es alles leiste. Als er dann in der Berufsschule das Wahlfach Bienenhaltung entdeckte, war der Fall für ihn klar: «Diesen Unterricht muss ich besuchen.» Dort haben ihn die Bienen gestochen – im positiven Sinn. Daraufhin absolvierte er einen zweijährigen Imkergrundkurs.

Pure Leidenschaft

Fünf Fahrminuten vom Familienhof in Herzwil in der Gemeinde Köniz entfernt entdeckte er ein freies Bienenhäuschen – und konnte einfach nicht widerstehen. Er mietete es und ist nun bereits seit sechs Jahren hier aktiv. Insgesamt hat er sechzehn Bienenvölker, in der Hochsaison von April bis August sind pro Volk bis zu 60000 Bienen vorhanden.

«Ich wusste nicht, was mich erwartet. Die Unterstützung ist überwältigend.»Jonas Hofmann

Also summen ihm dann bis zu eine Million Bienen um den Kopf – oder eben nicht. Das Imkern ist für Hofmann aber nur ein Hobby. Er macht dies aus purer Leidenschaft, es geht ihm dabei nicht um den Profit. «Ich bin froh, wenn ich die Materialkosten decken kann. Ich führe nicht genau Buch, aber am Schluss gibt es etwa eine Nullrechnung.» In der Schweiz werde das Imkern allgemein mehr als Hobby und nicht in Form eines Berufs ausgeübt.

Die Menge des Honigs sei immer relativ, da der Ertrag vom Wetter abhängig ist. «Der letzte Frühling war sehr gut.» Er konnte viele Gläser an Blütenhonig abfüllen. Im mässigen Sommer produzierte Hofmann Waldhonig. Davon hat er insgesamt 218 Kilogramm abfüllen können. Dies entspricht vierhundert Gläsern à 500 Gramm und einer besseren Saison als im Vorjahr.

Schon über 22000 Franken

Hofmann nimmt sich die Brutwabe zur Hand und kontrolliert, ob die Königin ihre Eier schon gelegt hat – nach wie vor mit Zigarillo im Mund. Damit er für den Nachwuchs wie auch für die restlichen Bienen mehr da sein kann, möchte er ein neues Bienenhaus auf dem Hof errichten. Da es ihm aber an Geld fehlt, sucht er per Crowdfunding – was auf Deutsch so viel wie Schwarmfinanzierung bedeutet – nach Unterstützung. «Einmal habe ich mit einem Kollegen über meinen Wunsch diskutiert, da wies er mich auf Crowdfunding hin. Dadurch lassen sich Projekte wie dieses durch eine Vielzahl an Menschen finanzieren.» Ein Versuch ist es wert, dachte er sich. Und bereits im Voraus holte er die Baubewilligung ein.

Der Imker benötigt insgesamt 26000 Franken. «Ich weiss, dass dies nach extrem viel Geld für ein Bienenhaus klingt, aber darin enthalten sind das Haus, die Einrichtungen und die verschiedenen Kästen für die Bienenvölker.» Allein durch Letztere, zusammen mit den administrative Kosten, fallen bereits 11000 Franken an. Trotz des hohen Wunschbetrags sieht es für den jungen Imker gut aus.

Schon über 130 Spenderinnen und Spender haben ihm Geld zugeschickt und wollen ihn unterstützen. Im Gegenzug erhalten sie zum Beispiel ein Glas Honig. So konnte er bereits die 22000-Franken-Grenze knacken. «Die Unterstützung ist überwältigend.» Natürlich habe er viel Werbung betrieben, und rund die Hälfte der Spenderinnen und Spender kenne er persönlich. Dennoch ist er sehr überrascht, wie viele fremde Personen ihn unterstützten.

Alles oder nichts

Ein Erlebnis bleibt ihm besonders in Erinnerung: Als er eines Tages zu Hause Honig in die Gläser abfüllte, kam eine ältere Frau mit dem Velo angefahren und fragte, ob hier der junge Imker mit der Crowdfunding-Aktion lebe. Da antwortete er: «Ja, das bin ich.» Sie erzählte ihm, sie finde es toll, wenn junge Leute sich mit dem Imkern befassten.

«Eine Frau gab mir tatsächlich 1000 Franken, obwohl wir uns noch nie gesehen haben.»Jonas Hofmann

Ihr Vater imkerte ebenfalls. Dann drückte ihm die Dame ein Couvert in die Hand, er bedankte sich, und sie ging wieder. Erst einen Moment später öffnete er das Couvert. Was darin war, haute ihn fast aus den Imkerstiefeln. «Die Frau gab mir 1000 Franken in bar, obwohl wir uns noch nie gesehen haben.»

Von Anfang an war für ihn klar, dass er nach dem Alles-oder-nichts-Prinzip vorgehen will. Heisst: Wenn genug Geld zusammenkommt, kann er das neue Bienenhaus finanzieren. Ansonsten bleibt er beim alten Häuschen. Das Projekt dauert noch bis zum 11. Dezember. «Falls das Sammelziel nicht erreicht wird, erhalten die Spender ihr Geld zurück», sagt Jonas Hofmann. Und nimmt einen letzten Zug von seinem Zigarillo.

Weitere Infos: www.herzwiler.ch

Berner Zeitung

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