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Sensorium: Es dröhnt, lärmt, schallt und hallt

Seit dieser Woche ist im Sensorium im Rütti­hubelbad die neue Jahresausstellung «Klang» offen. Die wechselnden Ausstellungen sind zentral für den Publikumserfolg.

Stephanie Jungo

Zwei Musiker stehen auf der obersten Stufe eines kleines Amphitheaters. Sie zupfen an den Saiten ihrer Gitarren, durch den Raum tönt die bekannte Melodie eines französischen Lieds. Eine Treppe weiter oben tollen Kinder herum, und Mitarbeiter des Sensoriums erledigen die letzten Kleinigkeiten, bevor die neue Jahresausstellung «Klang – vom Ton zur Emotion» eröffnet wird.

Frédéric Blanvillain – französischer Akzent, rote Haare, violettes Hemd –, schüttelt Hände, begrüsst Besucher. Er leitet das Sensorium, wo seit 2004 eine Ausstellung zum Thema «Erfahrungsfeld Sinne» untergebracht ist. Angesiedelt in Walkringen, gehört es zum Rüttihubelbad, das unter anderem auch ein Altersheim, ein Restaurant und eine sozialtherapeutische Gemeinschaft beherbergt – alles nach anthroposophischen Prinzipien.

Von Freud und Leid

Frédéric Blanvillain führt durch die Ausstellung, erzählt gestikulierend, hält an verschiedenen Stationen an und demonstriert, was es mit den Ausstellungsstücken auf sich hat. Zum Beispiel die beiden Miniaturklaviere in Pink und Rot, die sich in einem der Räume gegenüberstehen. Er drückt eine Taste des roten Klaviers und fragt, ob jemand denselben Ton auf dem anderen Klavier treffen würde.

Eine Frau versucht es. Und scheitert. Der Ausstellungsleiter spielt zwei kurze Melodien. «Was unterscheidet die beiden Tonabfolgen?», fragt er. Dur und Moll, errät jemand. «Faszinierend», meint Frédéric Blanvillain, «wie Klänge die verschiedensten Emotionen auslösen können, nicht wahr?» Dies, obwohl sie sich nur leicht in ihrer Frequenz unterscheiden würden.

30 Stationen umfasst die Ausstellung über Klänge. Die eine Hälfte davon wurde für die Jahresausstellung ins Rüttihubelbad gebracht. Die 15 anderen Stücke stammen aus der Dauerausstellung. Jede Station funktioniere auf drei Ebenen, erklärt Frédéric Blanvillain. Zuerst kommt eine Frage, sozusagen der Blickfang. Es folgt ein Beschrieb, was zu tun ist, und schliesslich die wissenschaftliche Erklärung. Alles weist auf die Idee hinter der Ausstellung hin, sozusagen auf die grosse Frage: Was ist Klang?

Frédéric Blanvillain schreitet zu einem hölzernen Gebilde, das mit sieben Saiten bespannt ist. Darunter befinden sich kleine Klötze. «Was denken Sie, wo ist die Hälfte der Saite?» Eine Frau legt den Metalklotz unter die Saite. «Das Auge kann den Abstand nur schätzen», erklärt Frédéric Blanvillain, «mit dem Klang weiss man es genau.» Denn unterteilt man die Saite in der Mitte, werden auf beiden Seiten dieselben Töne gespielt – jeweils eine Oktave höher oder tiefer.

Besucherzahlen steigen

Als die Ausstellung auf dem Rüttihubel vor 14 Jahren ihre Tore öffnete, verzeichnete sie jährlich rund 40 000 Eintritte. «Die Leute kamen, es war gemütlich.» Seine Bekanntheit steigern konnte das Sensorium dabei aber nicht. Folglich sanken die Besucherzahlen. «Als ich vor einigen Jahren im Sensorium angefangen habe, war schnell klar, dass wir etwas Neues brauchen», erklärt Frédéric Blanvillain.

Und zwar jedes Jahr. Man habe deshalb angefangen, Jahresausstellungen zu konzipieren. «Klang» ist die fünfte davon. Vorher waren die Themen Bienen, Wasser, Labyrinth und Spiel der Kräfte. Seither steigen die Besucherzahlen wieder. 2016 wurden erstmals über 50 000 Eintritte registriert.

«Es ist wichtig, dass die Besucher etwas erleben.» Im Sensorium werde etwas geboten, das sich zwischen Spielplatz und Wissenschaft bewege. «Wie lerne ich?» sei dabei die Frage, die sich die Besucher stellen sollten. Die Antwort: Selbsterfahrung. «Denn die Stationen bilden einen Link zwischen Erleben und Lernen.»

Mittlerweile setzen sich im Amphitheater die Besucher hin und hören Frédéric Blanvillain zu. Er kündigt Ania Losinger an, deren Auftritt auf eine Frage der Ausstellung eingeht: Braucht es Musik zum Tanzen, oder braucht es das Tanzen zum Musikmachen? In Losingers Fall ist es Letzteres. Tanzend bringt sie das Xala – das 400 Kilogramm schwere Bodenxylofon – zum Klingen.

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