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Sexistische Werbung wird zensuriert

Der Berner Stadtrat will die Zulassung von problematischen Werbeplakaten mit möglicherweise sexistischen und rassistischen Botschaften detaillierter regeln. Er hat am Donnerstag einen Vorstoss mit 37 zu 30 Stimmen überwiesen.

Er hat am Donnerstag einen Vorstoss mit 37 zu 30 Stimmen überwiesen. Die GB/JA!-Fraktion verlangte in ihrer Motion detaillierte Kriterien gegen sexistische und rassistische Plakatwerbung und forderte auch eine Kommission zur Beurteilung von Plakatinhalten. Damit soll eingeschritten werden, wenn die Grenzen des guten Geschmacks überschritten werden.

Der Vorstoss führte zu geharnischten Voten aus den bürgerlichen Reihen. Die Forderung sei einer freien und offenen Gesellschaft unwürdig und absolut unnötig. Es gab sogar Verweise auf die einschlägige Praxis der früheren Stalinisten, Nationalsozialisten und Kommunisten.

Der gesunde Menschenverstand reiche zur Beurteilung aus, alles andere sei Bevormundung, Zensur und Regulationswut. Hingewiesen wurde auch auf die eidgenössische Rassismus-Strafnorm. Jimy Hofer aus der SVP plus-Fraktion sprach sogar von einem «schlechten Witz».

Klar erkennbarer Bezug nötig

Sprecherinnen der Ratslinken verwahrten sich dagegen, die Forderung ins Lächerliche zu ziehen. Werbung müsse einen klaren Bezug zum Produkt haben. Zulässig sei etwa, wenn Frauen für Unterwäschewerbung eingesetzt würden. Was jedoch beispielsweise leicht bekleidete Frauen mit Autos zu tun hätten, sei nicht einsichtig.

Sogar aus den eigenen links-grünen Reihen kam vereinzelt inhaltliche Kritik. Jungsozialistin Tanja Walliser erachtete den Vorstoss in der vorliegenden Form als lustfeindlich und moralingesäuert. Verbote allein nützten nichts, aber: «So offen, wie es jetzt ist, kann es auch nicht bleiben.» Deshalb solle man den Vorstoss zwar im Grundsatz überweisen, aber später sinnvoller konkretisieren.

Auch der Gemeinderat wollte die Forderung nach einem höheren Detaillierungsgrad der Vorgaben annehmen, war jedoch gegen die Einsetzung einer Beurteilungskommission. Es gebe in bestehenden Fachkommissionen bereits genügend Kompetenz, die zuständigen Behörden zu unterstützen.

Der Rat folgte dieser Ansicht mehrheitlich und sprach sich mit 52 zu 13 Stimmen gegen eine Beurteilungskommission aus. Ratspräsident Urs Frieden musste die emotionale Debatte zwischenzeitlich kurz unterbrechen, nachdem eine Zuhörerin auf der Publikumstribüne mehrmals mit Zwischenrufen und Klatschen gestört hatte.

(SDA)

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