Shnit-Foodfestival auch bei Randständigen beliebt

Bern

Auf dem Bahnhofplatz führt das Kurzfilmfestival Shnit ein Foodfestival durch – just dort, wo die Randständigen ihren Stammplatz haben. Doch sie machen aus der Not eine Tugend.

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Claudia Salzmann@C_L_A

Neun Foodtrucks und eine Bar stehen auf dem Bahnhofplatz, zwischen Veloständer und dem Baldachins wird hier Essen aus allen Herren Länder angeboten. Nebst bekannten Thaicurrys, beliebigen Burgern und Berliner Currywurst findet man auch Unbekannteres. Wie beispielsweise Corviche (8 Fr.): Ein frittiertes Konstrukt aus Kochbanane, Fisch und klein gehackten Erdnüssen, zubereitet nach dem Rezept von Jin, der den Truck «Fusion Ecuador Nepal» führt. Der italienische Streetfood-Verkäufer nebenan hat Zeppole (5 Fr.) im Angebot, wahlweise süsse oder salzige Bällchen, die ihre Luftigkeit auch nach dem Taucher in die Fritteuse behalten.

Vis-à-vis von den beiden Trucks befindet sich die Heiliggeistkirche, einer der Schauplätze des Shnits. Der Hintereingang ist normalerweise geschlossen und die Treppe wird von einer Gruppe Menschen als Treffpunkt für Bierdosenvernichtungsaktionen benutzt. «Endlich läuft mal was und kommt Schwung auf den Platz», sagt eine Frau. Ihre Kollegin bestätigt: «Von mir aus könnte das alle zwei Wochen sein.» Weil beim Eingang wegen des Filmfestivals reger Betrieb herrscht, haben sie ihren Standort an die Sonne und zu den Stehtischen des Foodfestivals verschoben. «Das Festival stört uns weniger als manche Demo», sagt der Dritte. Alle nicken zufrieden und halten sich an ihrer Büchse fest. Als Randständige würde man sie bezeichnen, erzählen sie, dabei hätten sie alle einen Wohnsitz und feste Strukturen.

Drei Wochen hatte der Organisator, der sich als Michael vorstellt, Zeit, um die Foodtrucks fürs Festival zu finden. Letztes Jahr habe man zusätzlich zum Innenhof des Progrs, der Hauptspielstätte des Shnits, auch auf dem Waisenhausplatz Foodtrucks auffahren lassen. Der Bahnhofplatz sei die diesjährige Alternative, weil der Waisenhausplatz besetzt sei. Der Standort dürfte nicht schlecht sein, da der Bahnhofplatz ein neuralgischer Ort ist. Während die Bar am Mittag erst noch in Bau ist, bleibt einer der Trucks geschlossen. Gerüchten zufolge sei der Koch auf der Autobahn ohne Benzin liegengeblieben und habe dort mit der Polizei Bekanntschaft geschlossen.

Berner Zeitung

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