Sie brachte Betax wieder in die Spur

Sabina Maeder trat am Mittwochabend als Betax-Präsidentin ab. Als sie 2010 ins Aufsichtsgremium eintrat, steckte die Organisation in einer Krise. Heute ist die Genossenschaft mit ihren Behindertentaxis wieder gut aufgestellt.

<b>Der letzte Tag im Amt:</b> Sabina Maeder vor einem Betax-Fahrzeug.

Der letzte Tag im Amt: Sabina Maeder vor einem Betax-Fahrzeug.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Stefan Schnyder@schnyderlopez

Am Mittwochabend war Schluss: An der Genossenschafterversammlung der Betax übergab Sabina Maeder das Präsidium der Behindertentaxi-Organisation an den Werber Simon Freiburghaus.

Am Morgen geniesst sie ihre letzten Stunden als Betax-Präsidentin sichtlich. Mit Stolz präsentiert sie am Betax-Sitz das Nervenzentrum der Behindertentaxis. Im Eingangsbereich hat es eine grosse Sitzgruppe: «Hier können sich unsere Fahrer ausruhen», erklärt sie.

Im Nebenzimmer verpackt eine Mitarbeiterin Fahrtenrechnungen. Und im oberen Stock nehmen Disponenten mit einem Headset ­Bestellungen entgegen. ­Zudem hat es in der Betax-Zentrale im Stöckackerquartier eine Garage und ­natürlich Parkplätze für die 40 Betax-Fahrzeuge.

Krisenmanagement gefordert

Beim Besuch im Betax-Hauptquartier blickt Maeder mit ­Genugtuung auf die vergangenen acht Jahre zurück. Die Anfangszeit war turbulent: «Als ich im Jahr 2010 mit vier anderen Mitgliedern in das Aufsichtsgremium gewählt wurde, schrieben die Medien von einem Putsch.

Doch die fünf Kandidaturen waren als eine Auswahl gedacht», sagt sie. Sie habe damit gerechnet, dass vielleicht zwei, drei Kandidaten gewählt würden. Aufstellen liess sie sich, weil sie von einem Chauffeur gehört ­hatte, dass bei der Betax einiges im ­Argen liege.

Dann folgte der Eklat: Der ­damalige Geschäftsführer kritisierte in einem Schreiben die neuen Mitglieder der Verwaltung – so heisst das Aufsichts­gremium einer Genossenschaft. Er liess es auch den Medien ­zukommen. In der Folge beschloss die Verwaltung – mit Maeder als Vizepräsidentin –, den Geschäftsführer fristlos zu entlassen.

Die Mitglieder des Aufsichtsgremiums mussten die operative Führung der Betax übernehmen. «Dabei stellten wir fest, dass der Betrieb in einer ­finanziellen Schieflage war», ­erzählt sie. Doch als grösstes Problem ortete Maeder die Tat­sache, dass durch den Eklat viel Vertrauen bei Partnern verloren gegangen war.

«Es war ein furchtbarer Reputationsschaden für die ­Betax. In der ­Folge mussten wir bei unseren Partnern die Klinke putzen und sie von unserer Arbeit überzeugen», erzählt sie.

Doch damit war es nicht getan. Auch sonst gleiste Maeder, die 2012 das Betax-Präsidium übernahm, vieles neu auf. So sprach die Verwaltung einzelne Kündigungen aus, weil sie zur Über­zeugung gelangt war, dass gewisse Stellen fehlbesetzt ­waren. ­«Zudem haben wir viele Betriebsabläufe straffer ausgestaltet und die veraltete Fahrzeugflotte ­er­neuert.»

Das zeitliche Engagement war in der Anfangszeit gross. Besonders in den ersten zwei Monaten nach der Wahl in die Verwaltung, als der damalige Präsident und sie als Vizepräsidentin auch die operative Führung wahrnahmen.

Als im Jahr 2011 der Jurist Jürg Stampfli als Geschäftsführer angestellt ­wurde, nahm die Belastung ab. Heute führt die Verwaltung noch alle zwei bis drei ­Monate eine Sitzung durch.

Sie will kein Gutmensch sein

Sabina Maeder arbeitet in einem 80-Prozent-Pensum als Leiterin Onlinekommunikation beim Kanton Bern. Das Geld kann kein Antrieb zur Übernahme der Aufgabe gewesen sein. Pro Sitzung erhielt sie zuletzt 80 Franken – gleich viel wie die anderen Mitglieder der Verwaltung.

Zu ihrer Motivation sagt sie: «In meinen Jugendjahren habe ich gesehen, dass Behinderte in den Zügen wie Sperrgut transportiert wurden. Das hat mich geärgert», erzählt die 54-Jährige. Seither beschäftige sie das Thema Teilhabe an der Gesellschaft.

Ein Gutmensch will sie aber nicht sein: «Gutmenschen reicht es, sich gut zu fühlen. Aber ich will etwas verändern», betont sie. Zudem ­müsse man bei der Ausübung einer ­solchen Aufgabe auch ­bereit sein, harte Entscheide wie solche über Entlassungen zu ­treffen.

Viele Institutionen haben ­heute Mühe, qualifizierte ehrenamtliche Personen für ihre Leitungsgremien zu finden. Und die Betax? «Es war auch bei der Regelung ­meiner Nach­folge nicht einfach, neue Verwaltungsmitglieder zu finden. Vor ­allem Personen in der Altersgruppe 30 bis 60 Jahre sind ­beruflich und familiär stark eingespannt», sagt Maeder.

Aber sie kann ein solches Engagement jedem empfehlen: «Dank des ­Betax-Präsidiums ­habe ich viele Menschen kennen gelernt, mit denen ich heute ­befreundet bin», erzählt sie. Das sei viel mehr wert als ein hohes ­Honorar.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt