Sie bringt das Bundeshaus zum Leuchten

Bern

Brigitte Roux ist die Frau, die das Bundeshaus im Lichtermeer erscheinen lässt. Mit dem «Rendezvous Bundesplatz» verzaubert sie seit fünf Jahren Bern. Heuer wurde Roux mit dem Gastro-Bären geehrt.

Brigitte Roux bringt dieses Jahr bereits zum sechsten Mal das Lichtspektakel «Rendezvous Bundesplatz» nach Bern.

Brigitte Roux bringt dieses Jahr bereits zum sechsten Mal das Lichtspektakel «Rendezvous Bundesplatz» nach Bern.

(Bild: Tanja Buchser)

Der Bundesplatz vor den «Heiligen Hallen» erstrahlt im Sonnenglanz. Es ist ein passender Empfang für die Frau, die nun im sechsten Jahr in Folge die Hauptstadt mit leuchtenden Bildern im Bann hält. Die bewegte Licht- und Bildershow ihres Unternehmens Starlight Events, die vom 14. Oktober bis zum 26. November mit märchenhaften Geschichten fasziniert, ist nicht mehr aus Bern wegzudenken.

Für das Gespräch mit dieser Zeitung ist Roux extra von Zürich angereist. Schon bald stellt sich heraus: Die Lichterlady liebt die Bundesstadt und ihre Bewohner, und sie ist voll des Lobes: «Die Berner sind mutig, kreativ und innovativ!» Sie sagt es mit einem satten Timbre in der Stimme. An sich ideale Voraussetzungen für eine Erzählerin von märchenhafter Poesie, aber Roux ist die Macherin hinter den Kulissen. Sie trägt ihre Geschichten nicht vokal vor, sondern rührt mit der grossen Computerkelle an.

Ihr Kompliment an Bern und seine Bürger kommt indes nicht von ungefähr. In Zürich wollte man ihre Idee einer fulminanten Lichtshow finanziell nicht unterstützen. Anders in Zürich-West. Stapi Alexander Tschäppät reagierte auf eine Anfrage von Brigitte Roux prompt, erste Kontakte entstanden. Heute ist der Event auf dem Bundesplatz der grosse Renner. Weit über eine halbe Million Besucher wollen sich die Magie nicht entgehen lassen. Für die 25 Minuten, in denen «Rendezvous Bundesplatz» 38'000 Bilder tanzen lässt und in eine spannende Story verpackt, reisen Leute von weit her. Das Grossspektakel ist weltweit bekannt.

Der Funken zündete auf Madeira

Angefangen hatte alles in Funchal auf Madeira 2006. Brigitte Roux verbrachte ihre Ferien auf der Blumeninsel. «Es war Weihnachtszeit, und die Stadt wurde in ein Meer aus bunten Bildern getaucht», erinnert sie sich genau. Für Roux eine Freude im doppelten Sinn. «Unsere Adventszeit in der Schweiz wird relativ banal abgehandelt», stellt Roux fest, «insofern begeisterte mich die Idee der Inselbewohner vom ersten Moment an.» Aus dem Feuer für die vorweihnächtliche Illumination wuchs echtes Engagement. Die Gründung von Starlight Events folgte auf dem Fuss.

Den mehrjährigen Weg von der Firma bis zur ersten Lichtshow beschreibt Brigitte Roux als steinig: «Wir hatten vor allem mit der Skepsis unserer potenziellen Partner zu kämpfen. Erst recht, weil ich von Anfang an darauf bestand, keinen Event-, sondern einen Kulturanlass auf die Beine zu stellen.» Die Geldgeber sind laut Roux das eine, die Umsetzung das andere. «Es ist mir ein grosses Anliegen, künstlerisch frei zu bleiben», positioniert sich der Kopf von Starlight Events klar und ergänzt, «in Bern fand ich im zweiten Jahr mit MigrosKulturprozent den idealen Partner. Man vertraut mir, man lässt mich machen.»

Lichtkünstler sind Mangelware

Die Unternehmerin verlässt sich auf das Können versierter Techniker und Szenografen. Sie weiss: «Weltweit gibt es nur 150 gute Lichtkünstler, die meisten davon in Frankreich.» Das hat seinen Preis. Ein Event wie «Rendezvous Bundesplatz» ist mit einer Million Franken veranschlagt. Der Zeitaufwand von einem Jahr ist ähnlich immens wie die Kosten. Trotzdem denkt Brigitte Roux über ähnliche Konzepte in der Schweiz nach. Das Opernhaus in Zürich am Bellevue-Platz würde sie gerne bild- und tonhaft ummanteln. Das Projekt liegt derzeit auf Eis.

Rotes Kreuz, weisses Kreuz

Dafür kommt die Stadt Bern in den Genuss einer weiteren Episode der Lichtershow. Heuer steht sie ganz im Zeichen des Schweizerischen Roten Kreuzes, das sein 150-jährige Bestehen feiert. Es war die Hilfsorganisation, die auf Starlight Events zukam, und es war Brigitte Roux, die dafür sorgte, dass die Story unter dem Motto «Tutti Fratelli» punkto Moral und Politik neutral bleibt. Das Zitat stammt von SRK-Gründer Henry Dunant, als er bei der Schlacht von Solverino 1859 sah, wie sich die Leute um die verletzten Soldaten kümmerten und er erkannte, dass wir alle Brüder sind.

«Unsere Rendez-vous-Besucher wollen vor allem unterhalten sein», resümiert die Beleuchterin ihr Schaffen, «beim Thema Menschlichkeit und Brüderlichkeit ist es klar, dass sich die Wege finden.» Das rote und das weisse Kreuz der Schweiz, für Brigitte Roux sind sie eng miteinander verbunden und geradezu prädestiniert, eine emotionale Geschichte in Form eines Licht- und Tonspektakels zu erzählen.

Über die Ehrung aus Bern mit dem Gastro-Bären freut sich die Zürcherin sehr: «Im PR-Slang reden wir etwas trocken von einem ‹Return of Investment›. Aber für mich ist klar: Wo ich so viel Unterstütung erhalte, möchte ich etwas zurückgeben.» Über die 600'000 Kafi und die Verpflegung, die ab Mitte Oktober wieder für Umsatz sorgen, freut sich die Gastrobranche. Derweil alle über die bunten Bilder in Bern erneut ins Staunen geraten.

Premiere «Rendezvous Bundesplatz»: Freitag, 14. Oktober, 19.10 Uhr, Bundesplatz Bern.

Bernerbär

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt