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Solarstrom: Chancen und Hindernisse für Kleinproduzenten

Produzenten von Solarenergie haben je nach Netzanschluss unterschiedliche Chancen auf dem Markt. Gemeinden profitieren dabei vor allem von eigenen Energiewerken.

Nikola Stosic
Schulhaus Boll: Kein idealer Standort für eine Solaranlage.
Schulhaus Boll: Kein idealer Standort für eine Solaranlage.
zvg

Lyss ist nicht die einzige Gemeinde, die ein Genossenschaftsmodell zur Finanzierung einer Solaranlage nutzt. Die Rahmenbedingungen in andern Gebieten sind jedoch nicht die gleichen.

Keine Alternativen zur BKW

2014 wurde in der Gemeinde Vechigen die Solaranlage auf dem Oberstufenschulhaus in Boll eröffnet. Die Anlage wurde ebenfalls über eine Genossenschaft finanziert, nämlich die Optima Solar Worblental. Sie gehört zur schweizweiten Genossenschaft Optima Solar, welche 2011 mit dem Ziel gegründet wurde, die Produktion von Solarstrom zu fördern. Mittlerweile zählt man 22 Anlagen in der ganzen Schweiz.

Das Schulhaus in Boll ist aber kein idealer Standort für die Solaranlage, wie sich herausgestellt hat. Die Schule verwendet nämlich gerade einmal ein Drittel des produzierten Stromes. Der Rest fliesst in das BKW-Netz, genauer gesagt in den sogenannten grauen Strom, wo kein Herkunftsnachweis vorhanden ist. Hanspeter Steiner, Präsident der Genossenschaft, sagt dazu: «Wir finden es nicht korrekt, dass unser ökologischer Strom in dieser Masse verschwindet und nicht deklariert werden kann.» Alternativen gebe es aber keine.

Ökologisches Gewissen

In Köniz hat man ähnliche Probleme. Die Schulhäuser in Wabern, Niederwangen, Spiegel wie auch das Oberstufenzentrum haben allesamt Solaran­lagen auf dem Dach. Finanziert wurden diese von der Gemeinde, die sich als politisches Ziel gesetzt hat, bei allen künftigen Neubauten und Sanierungen von öffentlichen Gebäuden Fotovoltaikanlagen zu installieren, sofern dies möglich und sinnvoll ist.

Da die Schule aber über keinen eigenen Speicher verfügt, wandert der produzierte Strom in BKW-Netz, von wo aus man ihn wieder beziehen muss. Die Gemeinde erhält für den Verkauf des Solarstroms 4 Rappen pro Kilowattstunde, muss für die gleiche Menge beim Rückkauf aber bis zu 20 Rappen bezahlen. «Wir machen es nicht aus wirtschaftlichen Gründen», sagt Hannes Wyss, Leiter für Gemeindebauten. «Lediglich das ökologische Gewissen hat uns dazu bewogen, die Anlagen zu bauen.»

Die Gemeinde Münsingen ist als eine von wenigen Berner Gemeinden mit dem Label Energiestadt Gold in Sachen Energiepolitik im kantonalen Vergleich ein Vorbild.

Derzeitig laufen drei Solarprojekte, unter anderem in Zusammenarbeit mit der Schule, wo die Schüler noch diesen Herbst ihre eigene Solaranlage für das Schulhausdach bauen werden. «Wir sehen keinen Grund, neue Gebäude ohne Fotovoltaikanlagen zu bauen», sagt der Fachbereichsleiter für Umwelt, Lukas Tschirren. Keine Anlagen zu bauen, sei Verschwendung nutzbarer ­Flächen.

Chancen für Kleinanlagen

In Münsingen kann man aber ebenfalls von einem eigenen Energiekraftwerk profitieren. Die Infrawerke Münsingen ­zahlen für Solarstrom 10 Rappen pro kWh, davon 3,5 Rappen für den Herkunftsnachweis. ­Also mehr als das Doppelte von dem, was Produzenten, die im BKW-Netz eingespeist sind, erhalten.

Chancen für Kleinproduzenten von Solarenergie scheint es deshalb nur noch in Gebieten mit einem eigenen Energiewerk zu geben. Wie etwa in Lyss oder Münsingen, wo man sich auf einen Abnehmer verlassen kann, der den Herkunftsnachweis aus Goodwill weiterhin vergütet.

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