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Sonne, Stars und eine Ohrfeige

Das Gur­tenfestival begann dieses Jahr bereits am Mittwoch und war erstmals überhaupt ausverkauft. Musikalisch gab es gut Getimtes, schlecht Abgemischtes, wenige Enttäuschungen und eine grossartige Ohrfeige. Ein Rückblick in sechs Punkten.

Ideales Festivalwetter: Nicht zu heiss, nicht zu kalt, kein Regen. Das Gurtenfestival lockte während vier Tagen 80'000 Besucher an.
Ideales Festivalwetter: Nicht zu heiss, nicht zu kalt, kein Regen. Das Gurtenfestival lockte während vier Tagen 80'000 Besucher an.
Raphael Moser
Wir haben alle Lieder von Lo und Leduc mitgesungen.
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Christian Pfander
Wir haben mit LP den Trennungsong «Lost On You» durchlitten.
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Raphael Moser
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  • Auch in kleinerem Rahmen gab es grosse Momente: Bei Lissie auf der Zeltbühne, zum Beispiel. Zu Beginn des Konzerts am frühen Nachmittag waren gerade mal ein paar Nasen da. Doch die amerikanische Folkmusikerin und ihre beiden Bandmitglieder – darunter Wunderkind Lewis Keller, der gleichzeitig Schlagzeug (Füsse) und Bass (Hände) spielte – liessen sich nicht beirren. Lissie stand einfach da, sang und spielte Gitarre. Und erzählte, dass sie kürzlich vom hippen Kalifornien nach Iowa gezogen sei. Dort lebe sie auf einer Farm und züchte Bienen. Und je länger sie sang, so schön und so ohne Gehabe und Effekthascherei, desto mehr Leute strömten ins Zelt. Wie die Bienen zu ihrer Königin.
  • 2. Zum Herzenschmelzen.Gab es romantische Momente am Gurtenfestival? Ja! Während Züri West am Freitagabend auf der Hauptbühne spielten, machte ein Mann seiner Freundin mitten im Publikum einen Heiratsantrag. Die meisten bekamen davon nichts mit, aber das Bild des glücklichen Pärchens machte via Twitter die Runde. Schnusiges gab es auch beim Konzert von Laura Pergolizzi alias LP zu erleben. Der junge Mann mit dem Schild «Gratis Umarmung» wurde endlich erhört. Von LP höchstpersönlich.
  • Auch Jack Garratt sorgte an seinem Konzert für Lacher (und Buhrufe): Der englische Musiker spielte verschiedene Welthits an – zum Beispiel «Eye of the tiger» von Survivor – und brach nach wenigen Takten abrupt ab. Die Menge protestierte tobend, und Jack Garratt amüsierte sich ­köstlich.
  • 4. Zum Nachdenken. Viele Musiker, darunter die Rapper Macklemore und Casper, schlugen zwischen den Songs ernste Töne an und riefen das Publikum dazu auf, trotz Terrorismusgefahr ohne Angst durchs Leben zu gehen. Soulsänger Seven wiederum gab sich besinnlich und bat das Publikum, seiner Ballade «Don’t Help Me» mit geschlossenen Augen zu folgen. Ja, es flossen Tränen. Doch niemand war so kompromisslos ernsthaft wie die englische Rapperin Kate Tempest. Ihr Konzert am Samstag auf der Zeltbühne war eine Mischung aus Rap, Poetry-Slam, Predigt und Ohrfeige. In einem einstündigen Wortschwall dreschte die 31-Jährige zu meist düsteren, brachialen Klängen auf soziale Ungerechtigkeit, die Spassgesellschaft und Passivität ein. Weghören? Unmöglich. Grossartig war das.
  • Manchmal war es auch das Publikum, das enttäuschte. Mit dem Rumgeplapper während der Konzerte wurde es manchem Musiker nicht gerecht. Faber zum Beispiel. Während sich der Zürcher Musiker auf der Zeltbühne die Seele aus dem Leib sang, unterhielten sich andere über Flechtfrisuren oder Ferienpläne.
  • 6. Zum Gucken. Apropos Frisuren: Die Festivalbesucherin von heute (und von gestern auch) trägt Zöpfchen oder einen locker gebundenen Dutt. Der Mann ausgefranste knielange Jeans, einen kurzen Bart oder Schnauz. Und alle tragen Turnsäckli. Die Schnürsenkel von Dosenbach dienen übrigens nicht nur zum Schuhe binden. Man kann mit der jeweiligen Farbe seinen Beziehungsstatus bekannt geben – oder sie als Springseil benutzen.

Und, ach ja: Das Wetter war die reinste Freude.

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