Spelterinis Welt von oben

Bern

In der Ausstellung «Von oben» thematisiert die Nationalbibliothek die Geschichte der Luftaufnahmen in der Schweiz.

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Für ein paar Hundert Franken kann sich heute jedermann online eine Drohne kaufen und mit marginalen technischen Kenntnissen Luftaufnahmen machen. Was heute ein Kinderspiel ist, war Ende des 19. Jahrhunderts ein waghalsiges, technisch schwieriges Unterfangen. Der Pionier, dem erstmals solche Aufnahmen in der Schweiz gelangen, hiess Eduard Spelterini.

Er wurde 1852 in Bazenheid SG geboren. Von einem Ballon aus fotografierte er ab den 1890er-Jahren die Erde unter sich. «Seine Fotografien sind einzigartig und von einwandfreier Qualität, obschon sie unter extremen Bedingungen entstanden sind», sagt Hannes Mangold. Er ist Kurator der Ausstellung «Von oben», die in der Nationalbibliothek Eduard Spelterinis Luftbilder und Fahrten in fast 7000 Metern Höhe thematisiert.

Die tiefen Temperaturen in diesen Gefilden stellten Mensch und Mechanik auf eine harte Bewährungsprobe. Es kam auch vor, dass die Bilder – in Form von Glasnegativen – bei einer unsanften Ballonlandung zersprangen.

Viele Dutzende von ihnen aber sind bis heute erhalten geblieben, die Nationalbiblothek zeigt rund 100 solcher historischer Aufnahmen. Die fragilen Originale, sagt Kurator Mangold, könnten allerdings aus Sicherheitsgründen nicht gezeigt werden. Vielmehr sind in der Ausstellung Reproduktionen zu sehen, andere werden auf grossen Bildschirmen digital präsentiert.

Gefeiert und vergessen

Eduard Spelterinis Leben ist von Legenden umwoben. Seine Biografie zeigt Lücken. Sicher ist, dass sein wirklicher Name Eduard Schweizer war, dass er sich in den 1880er-Jahren in Paris zum Ballonpiloten ausbilden und sich einen eigenen Ballon herstellen liess. 1898 fuhr er mit diesem Gerät als erster Mensch über die Alpen. Nebst unzähligen Einsätzen in der Schweiz tauchte er plötzlich in Ägypten auf, wo er die Pyramiden aus der Luft fotografierte.

Mit dem Ballon fuhr Spelterini  auch über Russland, Rumänien, England, Italien und Österreich. Seine abenteuerlichen Einsätze finanzierte er aus dem Erlös seiner gefeierten Vortragstourneen in ganz Europa. Völlig vergessen dann und verarmt starb er 1931 im österreichischen Vöcklabruck.

Tauben und Flugzeuge

Die Ausstellung widmet sich nicht nur dem Leben und Werk des Pioniers Spelterini. Thematisiert werden auch andere, modernere – auch skurrilere – Methoden, die Erde von oben zu erkunden. Um 1900 rekrutierte die Schweizer Armee keine Ballonfahrer, sondern Brieftauben, die mit einer kurz zuvor konstruierten Minikamera ausgerüstet wurden.

Da man den Tierchen aber nicht wirklich Aufträge erteilen konnte, wurde die Sache storniert. Berechenbarer waren bald einmal die ersten Einsätze von motorisierten Flugzeugen – Jahrzehnte später von Satelliten. Gezeigt werden auch Aufnahmen der Erde, die anlässlich der Apollo-Mondmission 1968 gemacht wurden.

Einen ganz speziellen Flug können Besucherinnen und Besucher in der Nationalbibliothek selbst unternehmen: Sie klettern in einen Ballonkorb und erleben mittels Virtual-Reality-Brille Spelterinis ersten Überflug über die Alpen. Oder zeitgemässer: Mittels einer Drohne können spezielle Selfies – nämlich Dronies – gemacht werden.

Die Ausstellung dauert vom 28.2. bis 28.6.2019. Eintritt frei. Es werden diverse Führungen angeboten.Infos: www.nb.admin.ch/vonoben

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