Spez-Sek-Debatte geht in neue Runde

Köniz

Einmal mehr fordern Politiker die Abschaffung der umstrittenen Spez-Sek-Klassen in der Lerbermatt. Diesmal hat das Anliegen gute Chancen. Die Mehrheit des Parlaments hat den Vorstoss unterzeichnet.

Die Spez-Sek in der Lerbermatt beschäftigt Köniz seit Jahren.

Die Spez-Sek in der Lerbermatt beschäftigt Köniz seit Jahren.

(Bild: Walter Pfäffli)

Christoph Albrecht

Es wäre zu wenig, das Traktandum 7 der heutigen Parlamentssitzung als Déjà-vu zu bezeichnen. Vielmehr ist es ein politischer Evergreen, mit dem sich die Könizer Parlamentarier einmal mehr zu beschäftigen haben: die Spez-Sek-Klassen am Gymnasium Lerbermatt.

Seit Jahrzehnten beschäftigt das Thema die grösste Berner Vorortsgemeinde. 2001 standen die Spez-Sek-Klassen Lerbermatt kurz vor dem Aus, weswegen es gar zur ersten Demo in der Geschichte von Köniz kam. Per Volksabstimmung wurden die Klassen schliesslich gerettet. Seither flammen regelmässig neue Diskussionen auf. Die einen finden den gymnasialen Vorbereitungsunterricht direkt am Gymer, den es in dieser Form nur noch in Köniz gibt, ein bewährtes Element der Bildungsvielfalt und einen wichtigen Teil der Begabtenförderung. Die anderen halten das Angebot für überbewertet, elitär und teuer – und wollen es deshalb abschaffen.

Zu den Gegnern gehört Casimir von Arx. Der GLP-Parlamentarier ist Erstunterzeichnender des aktuellen Vorstosses. Darin fordert er, dass die ans Gymnasium Lerbermatt angegliederten Spez-Sek-Klassen aufgehoben werden. Stattdessen sollen an den Könizer Oberstufenzentren mehr und grössere Spez-Sek-­Niveaugruppen oder -Klassen gebildet werden.

Überall andere Modelle

Der Zeitpunkt, zu dem von Arx die alte Forderung wieder aufgreift, ist kein Zufall. Mit den Gemeindefinanzen steht es nicht zum Besten, seit Jahren schreibt Köniz rote Zahlen. In einer Aufgabenüberprüfung kündigte der Gemeinderat deshalb vor kurzem mehrere Dutzend Sparmassnahmen an. Die Spez-Sek Lerbermatt blieb unangetastet – trotz eines Sparpotenzials von rund 200'000 Franken pro Jahr.

Das finanzielle Argument, sagt von Arx, sei für ihn zwar wesentlich, aber sekundär. «Es geht in erster Linie um ein Bildungsanliegen», so der Grünliberale. Denn heute kämen sich die «vielen verschiedenen Systeme in der Spez-Sek-Landschaft schlicht in die Quere».

«Das Volk soll unbedingt das letzte Wort haben», findet der Könizer GLP-Parlamentarier Casimir von Arx. (Bild: Franziska Scheidegger)

Tatsächlich gelten in Köniz überall etwas andere Modelle. In fünf von sechs Oberstufenzentren gibt es gemischte Klassen. Ob Real-, Sek- oder Spez-Sek-­Niveau: Alle Schüler werden in derselben Klasse unterrichtet, die Lerninhalte den individuellen Fähigkeiten angepasst und in Deutsch, Französisch und Mathematik Niveaugruppen gebildet. Am Oberstufenzentrum Köniz gibt es zwar auch separate Sek-Klassen und Spez-Sek-Klassen. In den Fächern Französisch und Mathematik findet der Unterricht jedoch gemäss individuellem Niveau statt – einzelne Schüler wechseln also in die jeweils andere Klasse. Und dann sind da eben noch die reinen Spez-Sek-Klassen am Gymnasium Lerbermatt, wo alle Schüler alle Fächer zusammen auf demselben Niveau besuchen.

Gemeinderat will Status quo

Beim Übertritt in die Oberstufe entscheiden sich stets zahlreiche Könizer Schüler respektive deren Eltern für die Spez-Sek in der Lerbermatt. Im vergangenen Schuljahr waren es fast 50 Prozent. Wegen der grossen Abwanderung fehlt es den übrigen Standorten häufig an genügend leistungsstarken Kindern, um selber Spek-Sek-Niveaugruppen bilden zu können. Das würde sich bei einer Aufhebung des Standorts Lerbermatt ändern. «Das Spez-Sek-Angebot an allen Oberstufenzentren würde dann gestärkt», so von Arx. Er spricht von einer Win-win-Situation. «Die Aufhebung hätte weniger Kosten zur Folge, und das Angebot würde erst noch besser.»

Der Gemeinderat ist anderer Meinung. Die verschiedenen Modelle hätten sich «an den einzelnen Standorten im Laufe der Jahre entwickelt und werden von der Lehrerschaft getragen», argumentiert er in der Vorstossantwort. Bei einer Aufhebung der Lerbermatt-Klassen würde sich seiner Meinung nach der Raumbedarf verschärfen. Und: Weil bei einer Überweisung der Motion wohl mit einer Volksabstimmung zu rechnen wäre, würde sich die ganze Sache verzögern – die Einsparungen würden somit noch gar nicht zum Tragen kommen. Fazit: «Der Gemeinderat hält an diesem Angebot fest.»

Erneute Abstimmung?

Die Chancen stehen aber gut, dass die Motion durchkommt. 21 der 40 Parlamentsmitglieder haben den Vorstoss unterzeichnet. Sollte es tatsächlich so weit kommen, müsste der Gemeinderat dem Parlament eine Änderung des Bildungsreglements vorlegen. Mit einer Zweidrittelmehrheit könnte das Parlament danach zudem das obligatorische Referendum und somit eine Volksabstimmung erzwingen.

Das ist auch das Ziel von Casimir von Arx. «Bei diesem Politikum soll unbedingt das Volk das letzte Wort haben.» Seit der letzten Abstimmung vor 18 Jahren hätten sich die Verhältnisse womöglich geändert, die Schulmodelle seien durchlässiger geworden. «Deshalb ist es legitim, eine Aktualisierung der politischen Meinung einzuholen.»

Berner Zeitung

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