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Stadtangestellte sollen eine Woche mehr Vaterschaftsurlaub erhalten

Städtische Angestellte erhalten zurzeit drei Wochen bezahlten Vaterschaftsurlaub – rund eine Woche mehr als in den Regionsgemeinden und beim Kanton. Trotzdem will der Gemeinderat eine weitere Woche einführen.

Stadtangestellte sollen vier WOchen bezahlten Vaterschaftsurlaub erhalten (Symbolbild).
Stadtangestellte sollen vier WOchen bezahlten Vaterschaftsurlaub erhalten (Symbolbild).
Steve Baker (Flickr)

Arbeitet Max Muster für eine der Gemeinden in der Region Bern, hat er Anrecht auf zehn Tage bezahlten Vaterschaftsurlaub. Diese Dauer entspricht dem Durchschnitt: Die meisten Gemeinden richten sich nach der Personalverordnung des Kantons Bern und gewähren ihren Angestellten sechzehn Wochen Mutterschafts- und zwei Wochen Vaterschaftsurlaub. Über ein Gesuch besteht zudem meist die Möglichkeit, weitere sechs Monate unbezahlten Urlaub zu beantragen.

Anders sieht es bei der Stadt Bern aus: Arbeitet Max Muster für eine der städtischen Direktionen, erhält er ganze drei Wochen frei, um sich um seinen Nachwuchs zu kümmern. Ähnlich grosszügig sind nur wenige Gemeinden in der Region, beispielsweise Bolligen.

Mit der Teil­revision des Personalreglements, über die der Stadtrat am Donnerstag entscheidet, will die Stadt ihren Vorsprung sogar noch zusätzlich ausbauen: Der Gemeinderat schlägt vor, den Vaterschaftsurlaub auf vier Wochen zu verlängern.

Die GLP enthält sich

Weshalb benötigt es eine zusätzliche Woche Vaterschaftsurlaub, wenn die Stadt bereits über dem Durchschnitt liegt? Finanzdirektor Michael Aebersold (SP) erklärt: «Einerseits geht es um die Gleichstellung von Mann und Frau, andererseits wollen wir die Anstellung bei den städtischen Behörden attraktiver gestalten.»

Gerade was den Lohn der Angestellten im oberen Segment betrifft, könne die Stadt noch nicht mit Kanton oder Bund mithalten. «Als ‹Zückerli› wollen wir den Angestellten deshalb bessere Rahmenbedingungen bieten.»

Im März sprach sich der Stadtrat bereits mit grosser Mehrheit für die entsprechende Motion der SP aus. Allein die SVP argumentierte dagegen: Kinderkriegen sei Privatsache.

Ein weiterer, interessanter Vorschlag kommt vonseiten der GLP: Diese reichte nachträglich einen Antrag ein, der fordert, dass sowohl Mütter als auch Väter einen Elternurlaub von sechzehn Wochen erhalten – dies aber nur unter der Voraussetzung, dass beide anschliessend wieder erwerbstätig werden.

«Wir machen uns aber keine ­Illusionen», meint GLP-Stadtrat Claude Grosjean, der die Motion im März eingereicht hat. Ein runder Tisch mit den rot-grünen Parteien habe bereits gezeigt, dass dieser Weg wohl keine Chancen habe. «Als Konsequenz werden wir uns heute unserer Stimme enthalten.»

Gegen neue Ungerechtigkeit

Weitaus interessanter als die Diskussion zum längeren Vaterschaftsurlaub findet Michael Aebersold die nachträglichen Anträge der Kommission für Fi­nanzen, Sicherheit und Umwelt: Einerseits fordert diese auch für eingetragene Partner und faktische Lebensgemeinschaften ei­nen Urlaub. Für Aebersold würden die Stadträte hier aber zu weit vorausgreifen: «Das An­liegen ist berechtigt. Weil viele verschiedene Formen von Be­ziehungen betroffen sind, muss man diesen Punkt aber noch genauer prüfen.»

Andererseits könnte auch der Antrag für eine Verlängerung des Mutter- und Vaterschaftsurlaubs im Fall einer Mehrlingsgeburt für Diskussionsstoff sorgen. Die entsprechende Motion wurde im März nur knapp, mit 30 Ja- zu 21 Nein-Stimmen bei 11 Enthaltungen, angenommen.

Der Gemeinderat selbst halte diesen Zusatzartikel nicht für ­nötig, so Aebersold: «Auch hier werden viele Spezialfälle nicht miteinbezogen, wie etwa Früh­geburten oder alleinerziehende Elternteile.» Weil Mehrlingsgeburten eher selten seien, würde dieser Artikel wohl nur selten zur Anwendung kommen. Aus denselben Gründen werde auch die GLP klar Nein zu diesem Antrag sagen, verrät Claude Grosjean.

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