Zum Hauptinhalt springen

Stadtberner Steuerverwalter tritt ab

Rudolf Oesters Post kostet. Der Steuerverwalter der Stadt Bern sorgte während 16 Jahren für das Bargeld im Staatshaushalt. Nun zieht er sich zurück – aber nicht ganz: Im Berner Neufeld wird er weiterhin Fussballer trainieren.

Rudolf Oester trieb 16 Jahre lang Steuern ein für die Stadt. Nun ist Schluss. Beim FC Bern hingegen steht der ehemalige Torwart weiterhin als Co-Trainer an der Seitenlinie.
Rudolf Oester trieb 16 Jahre lang Steuern ein für die Stadt. Nun ist Schluss. Beim FC Bern hingegen steht der ehemalige Torwart weiterhin als Co-Trainer an der Seitenlinie.
Stefan Anderegg

Seit 2007 zahlen Bundesrätinnen und Bundesräte auch in Bern Steuern. «Als ich mit diesem Anliegen vor einigen Jahren beim Kanton anklopfte, winkte man ab», erzählt Rudolf Oester, der als Steuerverwalter 62-jährig in den Ruhestand wechselt. Mit dem Bescheid des Kantons liess sich Oester nicht abspeisen. Schliesslich kam es zu einem Treffen mit der Bundeskanzlerin. Ein Beschluss der kantonalen Finanzdirektorenkonferenz sorgte dann für Nägel mit Köpfen. «Ich versuchte immer, neue Steuerzahlende zu gewinnen für die Stadt», sagt Oester. «Beinahe als Ritual fragte mich der Finanzverwalter jeweils, ob ich nicht noch irgendwo etwas mehr Steuern hernehmen könnte.»

«Ich werde mitbibbern»

Am 5.März wird Oester nun nicht mehr an der Seite von Finanzdirektorin Barbara Hayoz vor die Medien treten. Sein Nachfolger Moritz Jäggi wird Details zu den Steuern erläutern. Es werden keine guten Neuigkeiten sein (vergleiche Kasten). Die Einbrüche bei den juristischen Personen seien Besorgnis erregend, sagt Oester und ergänzt: «Ich werde mitbibbern.» Sein letztes Rechnungsjahr will er ordentlich abschliessen, selbst wenn es kein einfaches war. Ganz hat er deshalb sein Büro an der Schwarztorstrasse noch nicht geräumt.

Im Herzen ein Fussballer

Wer in seinem Zuhause in Köniz eine Klause vollgestopft mit Ordnern erwartet, liegt komplett daneben. Im Büro im Giebel des Einfamilienhauses dominieren Familienbilder und der Fussball. Seit 2007 ist er Co-Trainer der zweiten Mannschaft des FC Bern, mit der er aushilfsweise in einem dreimonatigen «Himmelfahrtskommando» und schliesslich im letzten Spiel der Saison den Abstieg abwandte: «Mein Motto ist stets: immer Gas geben.» Früher stand er für den FC Köniz im Tor, als «fast Halbprofi» einst für den FC Nordstern in Basel.

Spritzig und sportlich interpretierte Oester auch sein Amt in der Verwaltung. «Meine Chefs liessen mir viele Freiheiten», erzählt er. Er baute über die Jahre – ohne Entlassung – 25 Prozent der Stellen ab. Heute erledigen 60 Personen den Job von 80. «Die Stadt spart so jährlich eine Million Franken», rechnet der Zahlenmensch vor.

Im Kopf ein Banker

«Ich verstand mich als Manager. Die Stadt ist für mich ein Konzern, der Gemeinderat die Konzernleitung, der Stadtrat der Verwaltungsrat, und die Bürgerinnen und Bürger sind die Aktionäre.» In Krawatte und Hemd, kaum auf dem Stuhl zu halten, ist Oester auch jetzt noch ganz Betriebsökonom: «Ich bin ein Banker.» Den vorbelasteten Begriff verwendet er ohne Berührungsängste. Oester erinnert sich zurück, als er von der Schweizerischen Volksbank in die Stadtverwaltung wechselte: «Ich in die Verwaltung? Sicher nicht», habe er seiner Frau entgegnet, als sie ihn auf das Stelleninserat aufmerksam gemacht hatte. Er meldete sich doch, und Gemeinderätin Therese Frösch stellte ihn ein. «Ich war mir anfänglich der Machtposition gar nicht bewusst, die wir in der Steuerverwaltung beim Budgetieren haben.» Allerdings schränkt er sogleich ein: «Steuererträge vorauszusagen ist schwieriger, als ein Sechser im Lotto zu landen.» Mit eher defensiven Annahmen sei er jeweils gut gefahren.

Ob die grüne Frösch, der freisinnige Haudegen Kurt Wasserfallen oder die liberale Betriebsökonomin Hayoz, Oester konnte es mit allen. Die politische Ausrichtung sei nicht entscheidend gewesen. «Der Finanzhaushalt reicht über die Politik hinaus», ist er überzeugt.

«Der Kunde ist nicht König»

Oester ist ein umgänglicher Mensch. Doch wer Steuern eintreibt, muss hie und da eine dicke Haut haben. Im öffentlichen Leben angesehene Persönlichkeiten hätten plötzlich ihre unschöne Seite gezeigt, wenn es ums Zahlen von Verzugszinsen gegangen sei. Selbst Drohungen müssten sich Steuerbeamte gefallen lassen. «Dann rufen wir jeweils persönlich an.» Oft lasse sich die Situation damit entspannen.

«Der Kunde ist bei uns nicht König», heisst ein geflügeltes Wort Oesters. Doch auf Gleichbehandlung, Freundlichkeit und Kompetenz legt er sehr grossen Wert. Wenn gut situierte Personen sich in Bern niederlassen und sich nicht melden, müsse die Steuerverwaltung jeweils nachhelfen. «Wir sind vernetzt. Müssen das Gras wachsen hören.» Sei die Adresse erst einmal bekannt, schneie es zuerst einen «netten Brief» ins Haus. Unterbleibe eine Reaktion, erziele die angekündigte Aufnahme ins Steuerregister dann meist die gewünschte Wirkung.

Sein selber gestecktes Ziel von 10'000 zusätzlichen Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern erreichte er in seinen 16 Dienstjahren nicht ganz. In der Schlussabrechnung schlagen aber immerhin plus 3400 natürliche und plus 2670 juristische Personen zu Buche.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch